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Startschuss für Winter-Olympiade: Angst ums Knie und andere Verletzungen, die Sportlern und ihren Ärzten Sorgen machen

Claudia Gottschling  |  Februar 9, 2018

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Höher, weiter, schneller – bis der Arzt kommt? Gerade im Ski-Alpin-Sport fragen sich Zuschauer, Mediziner aber auch die Sportler selbst, ob bei einigen Disziplinen inzwischen der Bogen der Leistungssteigerung überspannt wird. Tödliche Unfälle, wie der des jungen deutschen Nachwuchsläufers Max Burkhart oder des Franzosen David Poisson – beide im vergangenen Jahr – sind trotzdem sehr selten.

Dagegen gehören Schicksale mit mehrmaligen schweren Knieverletzungen, wie etwa bei der US-Rennläuferin Lynsey Vonn, fast zum anerkannten Berufsrisiko. Und wenn man die gesundheitliche Leidensgeschichte von Felix Neureuther verfolgt, möchte man ihm fast die Zwangspause ohne Olympiateilnahme nach seinem Kreuzbandriss zu Beginn des Winters gönnen. Viele Wettkampf-Sportler nehmen scheinbar den Raubbau an ihrem Körper in Kauf.

Dennoch geht es in manchen Disziplinen im Ernstfall um Leben und Tod und bei anderen „nur“ um längere Genesungspausen. Jedes der ausgewählten Beispiele, die wir Ihnen hier vorstellen, besitzt ein eigenes Risikoprofil. Trotzdem oder gerade deshalb lieben Athleten ihren Sport, weil es Spaß macht, Grenzen auszutesten und auch, weil Menschen gerne Helden feiern. Die Medizin profitiert in zynischer Weise von den teils leidvollen Erfahrungen der Profis: Die Erkenntnisse, die Sportmediziner und Chirurgen im Spitzensport sammeln, kommen letztlich auch der Allgemein-Bevölkerung zu Gute.

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Abb: Größte Gefahr für das Knie – Verletzungs-Verteilung im alpinen Rennsport [1,4]

Ski-Alpin-Profis: Die Angst fährt mit

Auf Brettern den Hang hinunterzurasen, ist ein eher gefährlicher Beruf. Kein Zweifel. Spitzensportler verletzen sich 2-3 Mal häufiger als Freizeit-Skifahrer. Je schneller das Tempo, desto höher das Verletzungs-Risiko [1,2,5]. In einer Studie, die die Risiken des Skiweltcups analysiert hat, zeigte sich, dass die Verletzungsrate pro 1.000 Fahrten mit steigender Fahrgeschwindigkeit in der jeweiligen Disziplin anstieg, d. h. beim Slalom war die Verletzungsrate am niedrigsten, im Abfahrtslauf aber mehr als 3-mal höher und mit Abstand am höchsten von allen Skiwettkampf-Disziplinen [3,4] Dabei müssen die Männer mehr einstecken: Im Skiweltcup wa­ren sowohl die absoluten als auch die relativen Verletzungsraten bei ihnen höher.

Rennläufer sind im Slalom und Riesenslalom bei fast jedem Schwung Kräften von bis zu 5.000 Newton und darüber hinaus ausgesetzt. Sie versuchen maximale Kantwinkel zu erzeugen und damit einen engen Radius um das Tor zu fahren. Dabei wird vor allen die Lendenwirbelsäule extrem belastet, da der Oberkörper gleichzeitig aerodynamisch günstig nach vorne in eine gedrungene Stellung gebracht wird. Biomechanische Daten zeigen, dass so bis zum 10-fachen des Körpergewichts auf den Organismus einwirken kann.

Die jüngsten tödlichen Unfälle erneuern die Diskussion über Sicherheitsvorkehrungen im Skisport. Der Ski-Airbag – er soll Schulter, Brust und Rücken schützen – ist längst auf dem Markt. Er hat sich bei Rennfahrern allerdings bisher nicht durchgesetzt, auch weil er aerodynamische Nachteile bringt.

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Knackpunkt Knie

Für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang galten Felix Neureuther und Stefan Luitz als Medaillenkandidaten. Nun müssen sie am Fernseher zuschauen. Ebenso wie die Skispringer Svenja Würth und Severin Freund. Alle vier haben sich das Kreuzband gerissen.

Sowohl Männer als auch Frauen im Profibereich verletzten sich am häufigsten das Kniegelenk. 54% dieser Läsionen  sind als schwerwiegend einzustufen, weil sie eine Ausfallzeit von 28 Tagen und mehr bedingten [4]. Hierbei ist die vordere Kreuzbandruptur (VKB-Ruptur) mit 36% aller Knieverletzungen die häufigste spezifische Diagnose.

Als Mechanismus wird eine  mechanische Überlastung vor allem durch das plötzliche Verkanten auf der Innenkante der Ski diskutiert. Dabei gilt: Je länger die Ski, desto höher das Risiko. Einige Experten fanden bei Männern ein erhöhtes Verletzungsrisiko mit Carvingski. Einige Rennläufer benützen Knieorthesen als Unterstützung bei extremen Belastungen.

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Abb: Freizeitsport mit Risiko – Verletzungsmuster von alpinen Skifahrern und Skifahrerinnen unterscheiden sich deutlich (mit freunlicher Genehmigung von D. Schulz, Stiftung Sicherheit im Sport)

Skifahren in der Freizeit: Auch Amateuren wackeln die Knie

In Deutschland steigen rund 4,2 Millionen Menschen regelmäßig auf die Ski. Im Winter 2016/2017 haben sich laut der neuesten Auswertung für Skiunfälle (ASU) bei der ARAG-Sportversicherung rund 43.000 Sportler verletzt – so schlimm, dass sie einen Arzt aufsuchten. Damit stieg das Verletzungsrisiko im Vergleich zum Vorjahr leicht an. Trotzdem lägen die Unfallzahlen seit 7 Saisons auf recht konstantem niedrigen Niveau, so die Verfasser der jährlichen Analyse [6]. Im Vergleich zum Jahr 1980 ist laut ASU die Häufigkeit der Verletzungen sogar um 58% zurückgegangen.  

Rund 7000 Sportler mussten sich stationär im Krankenhaus behandeln lassen. Diese Zahl entspricht 1,68 von 1000 Skifahrern pro Saison. Hinsichtlich der Verteilung der Verletzungen (s. Foto) unterscheiden sich Männer von Frauen deutlich. Weibliche Skifans haben zum Beispiel sehr sensible Knie. Fast jede 2. Verletzung erfolgt an dieser Schwachstelle. Bei Männer kommen dagegen Schulter- und Unterschenkelverletzungen häufiger vor als bei Frauen. Kaputte Knie und lädierte Schultern sind also die typischen Folgen eines Unfalls auf der Piste.

Viele Sportler fahren schneller als früher, weil sie das Material heute einfacher beherrschen können und der Kunstschnee hart ist wie Beton. 15% der Skiunfälle waren die Folge von Zusammenstößen auf der Piste. Kollisionsunfälle stiegen in der vergangenen Wintersaison leicht an. Sie gelten als eine der wichtigsten Verletzungsursachen. Wenig Überzeugungsarbeit braucht es mehr in Sachen Kopfschutz: 95% der deutschen Skifahrer tragen inzwischen einen Skihelm (Saison 2017/2017). „Wir gehen aktuell davon aus, dass etwa 30% der Kopfverletzungen durch Tragen von Schneesporthelmen verhindert werden können“, sagt David Schulz von der Stiftung Sicherheit im Sport. Zusätzlich werde so die durchschnittliche Verletzungsschwere gesenkt.

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Snowboarden: Anfänger, Hände weg!

Seit 1998 ist Snowboarden olympisch. Die ersten Wettbewerbe waren Riesenslalom und Halfpipe. Inzwischen kamen Snowboard-Cross und Parallel-Slalom dazu. Beim Fahren auf einem Brett werden vor allem die Nacken- und Schultergürtel-Muskulatur sowie die großen Rückenmuskeln strapaziert.

Angesichts der waghalsigen Sprünge und des hohen Tempos ist die Verletzungs-Inzidenz im Profibereich dennoch relativ gering. Die geschätzte Verletzungsrate liegt laut dem Internationalen Skiverband FIS bei 1,3 /1.000 Läufen (Training/Rennen). Tödliche Unfälle gab es dennoch vereinzelt.

Jeder 2. verletzte Snowboarder ist Anfänger

Für Amateure sieht es anders aus: Snowboarden zählt neben Fußball, Alpin-Skifahren und Eishockey zu den gefährlichsten Sportart. Das ist das Ergebnis einer Unfallstatistik der Schweizer Unfallversicherung (SUVA, 2009).

70% der mit dem Snowboard Verunfallten sind 15 bis 29 Jahre alt. Da unter Snowboard-Fans häufig viele Kinder und Jugendliche sind, ist das Risiko einer Epiphysen-Verletzung besonders hoch. Dies sollte man bei Diagnostik und Therapie beachten.

Snowboarder haben auf der Piste doppelt so häufig einen Unfall wie Skifahrer. Sie holen sich zwar weniger Knie- aber mehr Sprunggelenksverletzungen. Vor allem an dem Fuß, der auf dem Board vorne steht. Allerdings sind die Krankheits-Verläufe der Skifahrer schwerer, auch weil sie im Durchschnitt älter sind [7].

Die Hälfte aller Verletzten beim Snowboarden sind Anfänger. Meist enden schon die ersten Versuche mit schmerzenden Handgelenken. In 36-50% aller Verletzungen kommt es zu handgelenksnahen Frakturen. Spezielle Protektoren, sogenannten "wristguards", können die Verletzungsinzidenz auf bis zu 25% herabsetzen.

Neben dem Handgelenk verletzen sich Boarder häufig Ellbogen und Schulter (12%). Bei sehr guten Fahrern und Profis stehen neben den schultergelenksnahen Verletzungen die Sprunggelenksverletzungen (bis 16%) im Vordergrund. Sprünge und unzureichender Halt in Softboots zählen zu den Ursachen.

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Biathlon: Harmlos – außer wenn am Ski Rollen dran sind

Langlaufen ist was für alte Leute. Dieses Vorurteil ist längst überholt. Die nordischen Skidisziplinen sind anstrengendste Ausdauer-Sportarten und die Wettbewerbe erzielen im Fernsehen hohe Einschaltquoten. Viele Augen werden sich auf die deutsche Medaillen-Hoffnung im Biathlon, Laura Dahlmeier (Foto), richten.

Mit akuten Traumen müssen Biathleten kaum rechnen. Da das kardiovaskuläre System enorm gefordert wird, überwiegen die positiven Auswirkungen  – vor allem auch im Breitensport .

Verletzungen sind dennoch möglich

Die Angaben in der Literatur schwanken zwischen 0,5 und 5,5 Ereignisse pro 1.000 Sportler und Skilanglauf-Tag [8]. Ärzte beobachten Prellungen sowie Distorsionen mit Gelenkbinnen-Schädigungen im Bereich der Hände, der oberen Sprunggelenke und der Kniegelenke. Frakturen der Extremitäten oder im Bereich der Wirbelsäule und des Thorax sind die Ausnahme. Muskelzerrungen oder Faserrisse treten dann auf, wenn Profis zu intensiv trainieren. Operative Eingriffe sind die absolute Ausnahme.

Schussverletzungen wurden im Verlauf der letzten Jahrzehnte sehr selten. Trotz des kleinen Waffenkalibers sind die Folgen aber fatal: Bei dem tödlichen Unfall eines 15-jährigen russischen Nachwuchs-Läufers im Jahr 2010 hatte ihm einTrainings-Kamerad aus Versehen beim Reinigen der Waffe im Hotel ins Ohr geschossen. Inzwischen wurden strengere Sicherheits-Richtlinien eingeführt.

Verletzungen während der Trainings- und Wettkampfeinheiten auf Skiern sind wesentlich seltener als Verletzungen in der Vorbereitungsphase vor der Wintersaison. Unfälle passieren also eher auf dem Rennrad oder mit dem Haupttrainingsgerät, dem Skiroller.

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Ski-Langlauf: Ohne Lutschpastillen keine Medaille

Das häufigste Gesundheits-Problem im nordischen Skisport – und auch in einigen anderen Disziplinen – bereitet die kalte, trockene Luft. Husten, Halsschmerzen, Schnupfen und Nebenhöhlen-Entzündungen sind die Leistungskiller der Langlauf-Profis [8]. Ärzte versuchen dann durch den Einsatz von Nasenspülungen, Inhalationen, Lutschpastillen und Phytopharmaka die Dauer der Beschwerden abzukürzen. Das übliche Programm, das jeder kennt. Antivirale Präparate und Antibiotika halten die betreuenden Sportmediziner im Allgemeinen nicht für sinnvoll.

Vorsicht Doping!

Die vermehrte Schleimhautreizung führt bei Langlauf-Profis häufiger zu belastungsbedingten Atembeschweren bis hin zum Asthma (EIA). Ärzte setzen dann auf eine Therapie mit inhalativen Glukokortikosteroiden, um eine Progredienz der Erkrankung zu vermeiden. Symptomatisch kann diese Therapie mit einem Beta-2-Mimetikum kombiniert werden, auch unmittelbar vor intensiven Belastungen zur Prophylaxe von Anfällen.

Beta-2-Mimetika stehen zwar auf der Liste der verbotenen Substanzen der Welt-Antidoping-Agentur (WADA). Es gibt aber Sonderregelungen für die inhalative Anwendung von Salbutamol, Salmeterol und Formoterol, die für die Behandlung eines EIA-Asthmas unter bestimmten Bedingungen zugelassen sind und nur bei Anti-Doping-Kontrollen angegeben werden müssen. Das gilt ebenso für inhalative Glukokortikosteroide.

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Eiskunstlauf: Gefahr für Kopf, Fuß und Knie

Auf dem Eis präsentieren die Athleten immer schwierigere und komplexere Sprünge, Kombinationen und Pirouetten. Auch Würfe und ausgedehnte Hebungen erhöhen die Anforderungen an die Athletik und damit auch das Verletzungsrisiko [9].

Elite-Eiskunstläufer trainieren im Schnitt bis zu acht Stunden pro Tag – und das an sechs Tagen die Woche. Trotz großer Trainings- und Wettkampf-Belastungen ist das Verletzungsrisiko relativ auf die Trainingsstunden bezogen, gering. Die durchschnittliche Verletzungsinzidenz beträgt 1,4 Unfälle pro 1.000 Trainingsstunden.

Im Einzellaufen überwiegen Überlastungsschäden wie chronische Tendinopathien und Stressfrakturen. Im Paarlauf – im Foto die beiden deutschen Favoriten Aljona Savchenko und Robin Szolkowy – und im Eistanz dagegen akute Verletzungen durch Stürze und Kollisionen.

Pirouetten der Gelenke

Die häufigsten akuten Verletzungen im Eiskunstlauf sind Distorsionen (bis 17%). Es kommt zu Verletzungen der Supinations- und Pronationskette mit Kapselband-Läsionen bis hin zu Frakturen. Häufig sind auch Haut- und Kopf-Verletzungen sowie akute Knieverletzungen (3-4%). Bei den chronischen Verletzungen überwiegen die Stress-Frakturen mit einem Gesamtanteil von bis zu 20 %. Mehr als die Hälfte betreffen den Fuß.

Neben den Stressfrakturen ist die häufigste chronische Verletzung der „vordere Knieschmerz“. Die Ursprungs-Tendinose des Ligamentum patellae (Jumper’s Knee) ist ein Ausdruck einer chronischen, schmerzhaften Erkrankung des Streck-Apparates des Kniegelenkes. Ursache ist eine chronische Überlastung durch Sprünge.

Vor allem die Landungen führen zu massiven exzentrischen Belastungsspitzen. Nicht zu vernachlässigen sind auch psychophysische Erkrankungen wie Ess- und Ernährungs-Störungen. Im Englischen spricht man von der „Female Athlete Triad“ (Essstörung, Amenorrhö und Osteoporose).

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Bob: Ungebremst durch die Röhre

Eine erfolgreiche Fahrt durch den Eiskanal ist sehr vom Start abhängig, etwa wie kraftvoll der ca. 15 Meter lange Anlauf gelingt. Dann gilt es, die Ideallinie zu halten. Gebremst wird nicht mehr. Die Position des Anschiebers wird daher häufig mit Leichtathleten besetzt.

Bobfahren gilt als Sportart mit relativ geringem akutem Verletzungsrisiko. Kleinere Weichteil-Verletzungen, Prellungen und blutende Risswunden, etwa durch Ausrutschen oder die Spikes der Kollegen, sind allerdings keine Seltenheit. Weil die Aerodynamik des rund 200 kg schweren Sportgeräts entscheidend ist und der Körper sich in den Bob ducken muss, leidet die Hals- und Lenden-Wirbelsäule durch die starken Belastungen [10].

Kopf runter!

Kippt der Bob im Eiskanal um, versucht der Athlet, möglichst tief im Bob zu „verschwinden“, um nicht mit dem Kopf auf das Eis zu schlagen. Die enorm hohen Kräfte haben disco-ligamentäre Verletzungen meist der Halswirbelsäule, Kompressions-Frakturen der Lendenwirbelsäule und Gehirnerschütterungen zur Folge.

Die aktuelle Diskussion um das Thema „Concussion“ im Sport hat auch den Bobsport erreicht. Zur Verbesserung der Objektivität nach einer Gehirnerschütterung hat sich der Weltverband IBSF entschlossen, ein standardisiertes Messinstrument verpflichtend einzuführen, um zu entscheiden, ob der Athlet nach einem Sturz wieder auf die Bahn darf.

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Skispringen: Wer zu weit springt, lebt gefährlich

Leicht und windschnittig wie ein „Papieradler“ müssen Skispringer sein. Beim Skiflug von den höchsten Schanzen etwa, springen sie rund 250 Meter weit und erreichen kurz vorm Aufsetzen etwa 130 km/h. Weil sich einige Athleten am Rande der Magersucht bewegten, setzte eine Regel-Änderung im Jahr 2004 ein bestimmtes Verhältnis von BMI (Body-Mass-Index) zur Skilänge fest. Trotzdem führen die meisten Sportler das ganze Jahr einen Kampf mit der Waage und ihrem Gewicht.

Studien haben gezeigt, dass eine Reduktion von 1 Kilogramm Körpergewicht die Sprungweite um 4 Meter erhöhen kann. In Sotschi, bei der Winter-Olympiade im Jahr 2014, gab es erstmals auch einen Wettbewerb für Skispringerinnen von der Normalschanze.

Der kritische Moment ist die Landung

Flugkurve und die Hangneigung der Landezone entscheiden darüber, wieviel Kraft auf die Gelenke wirkt. Zunehmend treten Knieverletzungen auf, etwa wenn sich die Ski verkanten. Leider kam es in den letzten Jahren auch zu wirklich schweren, mitunter lebensbedrohlichen Verletzungen wie Schädel-Hirn-Traumata und Querschnitts-Verletzungen an der Wirbelsäule. Der Österreicher Lukas Müller ist nach einem Sturz im Jahr 2016 auf Grund von zwei gebrochen Wirbeln querschnittgelähmt. Rückenprotektoren sowie Änderungen an den Sporthelmen  sollen die Risiken mindern.

Der internationale Ski-Verband (FIS) hat 2011 die Verletzungshäufigkeit im Skisprung untersucht. Dabei lag die Inzidenz von Unfällen mit Bewusstlosigkeit bei einem Wert von 0,5 pro 1.000 Sprünge. Das gilt als sehr selten. Sehr häufig dagegen waren Knieverletzungen. Mit einem Ausfall des Patienten von mehr als 28 Tagen traten sie in einem Zeitraum von 4 Jahren bei 2% der männlichen und 3,9% der weiblichen Athleten auf [11].

Bei Skispringerinnen also beinahe doppelt so häufig wie bei ihren männlichen Kollegen. Hinsichtlich der Verletzungsarten werden neben Kontusionen vor allem Frakturen (38,9%), Verletzungen im Schulterbereich bzw. am Schulter-Eckgelenk (Klavikula, Akromioklavikular-Gelenk) sowie Kopfverletzungen mit begleitender Commotio (22,2%) beobachtet.  Auch wenn der Sprung vom Schanzentisch ungeheuren Mut verlangt, ist die Verletzungs-Wahrscheinlichkeit gemessen an anderen Sportarten als eher gering einzuschätzen.

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Abb: Verteilung der Verletzungen – am häufigsten trifft es beim Eishockey den Kopf und das Gesicht [12]

Eishockey: Kampfsport für harte Jungs

Die Spieler flitzen mit bis zu 50 km/h übers Eis. Nicht nur das hohe Tempo, auch die schnellen Stopps, die Richtungswechsel und nicht zuletzt der Körperkontakt mit dem Gegner oder der Bande machen diesen Sport zu einer Disziplin für harte Männer – nicht nur im Profibereich. Der Stock und der bis zu 160 km/h schnelle Puck können Schlagverletzungen, beziehungsweise Prellungen und Platzwunden bis hin zu knöchernen Verletzungen hervorrufen.

Etwa 75% der Verletzungen beim Eishockey entstehen aufgrund eines akuten Traumas [12]. 25% sind Überlastungsschäden. Etwa 70% der Verletzungen ereignen sich im Wettkampf, circa 30% beim Training. Die Verletzungen im Eishockey generell verteilen sich auf den ganzen Körper des Spielers (siehe Foto).

Blutüberströmte Gesichter

Am häufigsten verletzen sich die Spieler im Gesicht, an Hals und Kopf. In der Regel handelt es sich um Platz-, Schnitt- und/oder Risswunden, die direkt im Eisstadion versorgt werden und ein Weiterspielen erlauben. Sie gelten als Bagatell-Verletzungen und gehen deshalb auch meist nicht in die Statistiken ein. Schwere Verletzungen des Schädels wie Jochbein-, Mittelgesichtsbruch oder Augenverletzungen (Orbitaboden-Verletzungen, „Blow-out-Frakturen“) mit Störungen des Sehvermögens sind durch das Tragen von Halbvisieren selten geworden.

Typisch sind auch Läsionen des Schultereckgelenks, Prellungen und Schulter-Luxationen. Protektoren verringerten die Häufigkeit von Brüchen des Schulterblatts durch Stockschläge und Puck-Kontusionen. Verletzungen an Brust- und Halswirbelsäule entstehen durch Kontaktkollisionen mit anderen Spielern oder der Bande.

Ein häufiges Problem sind Kapsel-Bandverletzungen des Kniegelenks und hier insbesondere der Riss des Knie-Innenbandes. Ausgelöst werden sie durch ein Valgustrauma während eines Zweikampfs. Diese isolierte innere Seitenbandruptur heilt meist folgenlos unter konservativer Therapie aus.

Neben dem optimalen Training soll die passende Sportkleidung die Verletzungsgefahr durch Fouls eindämmen. Dazu gehören: Plastikhelm mit Gittervisier, Schoner, Zahnschutz, Handschuhe und natürlich die Schlittschuhe mit ihren messerscharfen Kufen.

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