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Christiaan Barnard: Herzchirurg mit steifen Fingern

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Verschwiegene Diagnosen: So krank waren Kaiser und Könige, Ärzte und Forscher, Politiker und Philosophen

Dr. Thomas Meißner | August 27, 2020 | Interessenkonflikte

Christiaan Barnard: Herzchirurg mit steifen Fingern

Ihm gelang im Dezember 1967 die erste Herztransplantation an einem Menschen. Was niemand wusste: Christiaan Barnard (1922-2001) hatte bereits mit Mitte 30 die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis erhalten.

Bei der 2. Herztransplantation am 2. Januar 1968 erlitt er einen heftigen Schub mit schmerzenden Händen und steifen Fingern, was Barnard im OP beim Anschluss der Herz-Lungen-Maschine behinderte.

Fast hätte dies zur Katastrophe geführt: Er riss den Aortenkatheter versehentlich aus der Hauptschlagader und verursachte so beim Organempfänger eine schwere Blutung. Doch die Operation ging gut aus und der Patient lebte bei guter Lebensqualität noch anderthalb Jahre.

Barnard betrieb durch seine Schmerzen einen Analgetika-Abusus, was bei ihm Magen-Darm-Blutungen und eine schwere Anämie zur Folge hatte. Er versuchte die damals vorhanden Therapieoptionen von Kortikosteroiden über Gold, Penicillamin bis Chloroquin. Er probierte auch eine Frischzellenkur in der Schweiz. 1983 gab der Chirurg seinen Beruf auf.

Diese Krankengeschichte und jene von 99 weiteren Persönlichkeiten aus aller Welt beschreibt der Arzt und Autor Dr. Thomas Meißner in seinem faszinierenden Buch „Der prominente Patient“ (Springer, 2019, 39,90 Euro).

Er recherchierte die Schicksale und Tragödien hinter den glänzenden Fassaden der Berühmtheiten – aus den Bereichen Wissenschaft und Politik, sowie Kunst und Kultur (Teil 1).

In Teil 2 unserer Diashow finden Sie eine Auswahl von prominenten Ärzten, Forschern, Philosophen und Politikern.

Quelle der Fotos, wenn nicht anders vermerkt: https://commons.wikimedia.org

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Marie Curie: Fasziniert vom Zauberlicht

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Verschwiegene Diagnosen: So krank waren Kaiser und Könige, Ärzte und Forscher, Politiker und Philosophen

Dr. Thomas Meißner | August 27, 2020 | Interessenkonflikte

Marie Curie: Fasziniert vom Zauberlicht

Die zweifache Nobelpreisträgerin Marie Curie (1867-1934) entdeckte gemeinsam mit ihrem Mann Pierre das Polonium, das Radium und prägte den Begriff der Radioaktivität. Sie ging Jahrzehnte mit hoch radioaktiven Substanzen um, ohne ihren Körper davor zu schützen.

Marie und Pierre Curie waren in dem primitiven Laborschuppen, der ihnen zugewiesen worden war, täglich hohen Konzentrationen radioaktiven Radons ausgesetzt, die wahrscheinlich 100 Mal über heute erlaubten Grenzwerten lagen. Sie erfreuten sich an den in der Dunkelheit fluoreszierenden Fläschchen und Phiolen, die „wie winziger Zauberlichter“, so die Forscherin, aussahen.

Die gemeinsame Tochter Eve beschrieb später den permanent angespannten Gesundheitszustand: Der Anblick der ohnmächtig zu Boden stürzenden Mutter, „ihre tödliche Blässe und Starrheit“ seien eine ihrer frühesten Kindheitserinnerungen.

Bereits mit Anfang 30 war Marie Curie chronisch strahlenkrank. Dennoch arbeitete sie bis zu 14 Stunden täglich, auch noch im Alter von über 60 Jahren. Bestehende Sicherheitsvorschriften ignorierte sie ebenso wie Fieber, Entkräftung und verbrannte Hände mit eiternden Wunden.

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Albert Einstein: Schein und Sein – das „Einstein Sign“

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Dr. Thomas Meißner | August 27, 2020 | Interessenkonflikte

Albert Einstein: Schein und Sein – das „Einstein Sign“

Das „Einstein Sign“ ist anglo-amerikanischen Ärzten ein Begriff und Warnung zugleich, nämlich vor den oft schwer zu interpretierenden Symptomen eines abdominellen Aortenaneurysmas. Es stimmt aber nicht, wie kolportiert, dass Albert Einstein (1879-1955) auf Grund der Verwechslung eines Gallensteinleidens mit einem Aortenaneurysma gestorben sei.

Denn bereits 1948 hatte der deutsche Chirurg Rudolph Nissen am Brooklyn Jewish Hospital bei dem Physiker, der seit Jahren über abdominelle Beschwerden und Erbrechen klagte, eine explorative Laparotomie vorgenommen. Dabei entdeckte Nissen das Bauchaortenaneurysma von der Größe einer Grapefruit.

Er umhüllte es mit dem damals neu erfundenen Cellophan. Die Kunststofffolie sollte eine Fibrosierung hervorrufen und so die Aortenwand stabilisieren. 1954 traten zunehmend Rücken- und Bauchschmerzen im rechten Oberbauch auf, die in der Tat als „chronische Cholezystitis“ interpretiert wurden.

Als aber am 12. April 1955 erneut starke Bauchschmerzen auftraten, war klar: das Aneurysma drohte zu zerreißen. Einstein lehnte eine erneute Operation ab mit den Worten: „Ich habe meinen Beitrag geleistet, nun ist es Zeit zu gehen. Ich werde dies auf elegante Art und Weise tun.“

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Martin Luther: „Faustschläge auf mein Fleisch“

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Dr. Thomas Meißner | August 27, 2020 | Interessenkonflikte

Martin Luther: „Faustschläge auf mein Fleisch“

Er litt unter tage- und wochenlangem Ohrensausen, Schwindelattacken, aber auch immer wieder an heftigen Kopf- und Leibschmerzen. Martin Luther (1483-1546) sparte in seiner Korrespondenz nicht mit intimen Details seiner Körperfunktionen: „Mein Stuhl ist so hart, dass ich gezwungen werde, ihn mit großer Kraft bis zum Schweißausbruch herauszustoßen...“, schrieb er zum Beispiel an seinen Freund und wichtigsten Unterstützer Philipp Melanchthon.

Ein tagelanger Harnverhalt wegen eines Steinleidens kostete ihn fast das Leben. Selbst ein Trunk aus Pferdemist und Knoblauch, ein Hausmittel seiner Frau Katharina, wollte nicht helfen.

Hinzu kam teils tagelanges „greuliches Brausen und Sausen im Häupte“, das ihn stark ängstigte: „Ich acht, es sey der schwartze zotticht geselle aus der hellen gewest, der mich ynn seinem reich auff erden nicht wol leiden mag.“ Luther spricht von „satanischen Faustschlägen auf mein Fleisch.“ Wahrscheinlich litt er an Menière-Anfällen, die den Lebensmut nachhaltig verändern können.

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Heinrich Schliemann: Er wollte einfach nicht hören

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Dr. Thomas Meißner | August 27, 2020 | Interessenkonflikte

Heinrich Schliemann: Er wollte einfach nicht hören

Heinrich Schliemann (1822-1890), der Entdecker von Troja, ging häufig schwimmen, um sich fit zu halten – auch im Winter. Fast die Hälfte seines Lebens litt er regelmäßig an Ohrenschmerzen und sein Gehör wurde immer schlechter.

Er ignorierte den Rat prominenter Ärzte, das Schwimmen lieber einzustellen. 1886 erlitt er einen akuten Hörverlust, doch er schwamm weiter. Hermann Schwartze, ein Pionier der Ohrenchirurgie in Halle/Saale, entfernte im November 1890 große Exostosen aus dem linken und dem rechten Ohr. Links erweiterte er das Antrum mastoideum.

Doch bald schon reiste Schliemann, trotz eisiger Temperaturen, nach Leipzig, Berlin und Paris. Er habe leider vergessen, sein rechtes Ohr mit Watte zu schützen, schrieb er an seine Frau. Deshalb sei er neuerdings taub, glaube aber nicht, dass es etwas Schlimmes sei.

Schliemann starb am ersten Weihnachtsfeiertag 1890, wenige Wochen nach der Operation. Heute gehen HNO-Ärzte davon aus, dass es sich bei den Exostosen um ein beidseitiges Cholesteatom (Perlgeschwulst) gehandelt hat, einen gutartigen, jedoch expansiv und destruktiv wachsenden Tumor am Trommelfell mit fortschreitender Knochenzerstörung und chronischer Mittelohrentzündung.

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König Eduard VII: Vor der Krönung unters Messer

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Dr. Thomas Meißner | August 27, 2020 | Interessenkonflikte

König Eduard VII: Vor der Krönung unters Messer

Der älteste Sohn Queen Victorias, Albert Eduard (1841-1910) musste 61 Jahre alt werden, um endlich seiner Mutter als Eduard VII. auf dem britischen Thron nachzufolgen. Für den 26. Juni 1902 war die Krönung angesetzt. Doch dann plagten ihn abdominelle Schmerzen, er fühlte sich schwach und müde.

Der namhafte Chirurg Sir Frederick Treves untersuchte Eduard 2 Tage vor dem geplanten Krönungstermin, Diagnose: Appendizitis. Es müsse operiert werden! Eduard weigerte sich rigoros. „Es wird eine Beerdigung werden, wenn Sie sich nicht operieren lassen“, soll Treves geantwortet haben. Manche Historiker führen eine ähnliche Äußerung auf einen Meinungsaustausch zwischen Eduard und Lord Joseph Lister, dem Vater der antiseptischen Chirurgie, zurück.

Appendizitis war damals eine lebensgefährliche Erkrankung, die Sterberate nach meist (zu) später Operation lag um 50%. Kurzum: Treves und Lister drainierten den Abszess. Am nächsten Tag traf man Eduard bereits wieder rauchend im Bett an. Die Krönung fand 2 Wochen später, am 9. August 1902, statt. König Eduard VII herrschte noch 8 Jahre.

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Friedrich III: Chronisch heiser, dann ein leiser Kaiser

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Dr. Thomas Meißner | August 27, 2020 | Interessenkonflikte

Friedrich III: Chronisch heiser, dann ein leiser Kaiser

Der 99-Tage-Kaiser Friedrich III. (1831-1888) konnte wegen einer Trachealkanüle schon nicht mehr sprechen, als er den Thron bestieg (im Volksmund: der „leise“ Kaiser).

Der starke Pfeifenraucher hatte an häufigen Halsentzündungen gelitten und klagte ein Jahr vor der Thronbesteigung über kontinuierliche trockene Heiserkeit. Eine Kehlkopfspiegelung ergab einen kleinen Stimmbandpolypen, dem man keine ernste Bedeutung zumaß. Wiederholte Abtragungsversuche besserten die Symptome nicht.

Der Tumor wuchs stets rasch nach, die Stimmbandbeweglichkeit war reduziert. Mehrere Biopsie-Präparate wurden von Rudolf Virchow für nicht bösartig befunden. Ein Irrtum, wie sich herausstellen sollte. Im November 1887 stand fest: es ist Kehlkopfkrebs.

Die totale Laryngektomie lehnte Friedrich ab, stimmte lediglich dem Luftröhrenschnitt zu. Im März 1888 starb der greise Wilhelm I., der schwerkranke Friedrich wurde Deutscher Kaiser. Er starb am 15. Juni 1888 infolge einer wahrscheinlich aspirationsbedingten Pneumonie. Der 29-jährige Sohn Wilhelm II. übernahm die Macht und das Jahr 1888 ging als „Dreikaiserjahr“ in die deutsche Geschichte ein.

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Wilhelm II: Geburtstrauma mit Folgen

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Dr. Thomas Meißner | August 27, 2020 | Interessenkonflikte

Wilhelm II: Geburtstrauma mit Folgen

Die Geburt Friedrich Wilhelm von Preußens, dem späteren Wilhelm II. (1859-1941, auf dem Foto links, mit Winston Churchill) durch seine damals 18-jährige Mutter, Kronprinzessin Victoria, war dramatisch. Denn die Steißlage des Kindes war übersehen worden und fiel erst unter der Geburt auf.

Dem Direktor der Entbindungsanstalt an der Charité Berlin, Eduard Arnold Martin, gelang nur mit äußerster Anstrengung bei der mit Chloroform narkotisierten Mutter sowie mit starkem Zug am linken Arm die Entbindung des Kindes. Erst 2 bis 3 Tage später fiel die schlaffe Lähmung des linken Armes auf - wahrscheinlich eine Erb-Duchenne-Lähmung bei oberer Läsion des Plexus brachialis.

Während der gesamten Kindheit Friedrichs Wilhelms wurde alles versucht, um den Arm zu reaktivieren: „spirituose Waschungen“, Einreibungen, „animalische Bäder“, bei denen der Arm in frisch geschossene und geschlachtete Hasen gesteckt wurde, rigorose Heilgymnastik, Streckmaschinen, Fixierungsgestelle für Schultern und Becken.

10 Jahre lang erhielt der Junge Elektrisierungsbehandlungen des Armes mit Wechsel- oder galvanischem Strom. Natürlich half nichts dergleichen. Im Erwachsenenalter war der linke Arm etwa 15 cm kürzer als der rechte. Der Historiker John C. G. Röhl meint, dass die Behandlungsversuche einer massiven Misshandlung des Jungen gleichkamen. Es müsse gefragt werden, ob dies, der Liebesentzug seiner Mutter sowie grausame Erziehungsmethoden schwere Persönlichkeitsstörungen ausgelöst haben.

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John F. Kennedy: Verdacht auf Schmidt-Syndrom

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Dr. Thomas Meißner | August 27, 2020 | Interessenkonflikte

John F. Kennedy: Verdacht auf Schmidt-Syndrom

Trotz seiner jugendlich-fitten Erscheinung war der 43-jährige John F. Kennedy (1917-1963) schwer krank, als er ins Weiße Haus in Washington einzog. Grund seiner starken Rückenbeschwerden – er konnte sich ohne Hilfe weder Socken noch Schuhe anziehen – war wahrscheinlich eine massive Überdosierung mit den damals noch neuen Glukokortikoiden.

Diese wiederum bekam er für seine chronischen, seit dem 13. Lebensjahr bestehenden Darmbeschwerden, deren Ursache womöglich eine chronisch entzündliche – damals noch unbekannte – Darmerkrankung war. Die Folge dieser Medikation war eine sekundäre Osteoporose mit Kompressionsfrakturen der Lendenwirbelsäule und kontinuierlichen Rückenschmerzen.

Außerdem war 1947 eine chronische Nebennierenrinden-Insuffizienz (Morbus Addison) diagnostiziert worden. Nach einer jüngeren Hypothese litt Kennedy an einem poly-glandulären Autoimmunsyndrom (APS) Typ 2, auch bekannt als Schmidt-Syndrom.

Dabei handelt es sich um mehrere, nebeneinander bestehende endokrine Störungen, die sich häufig primär mit einem Morbus Addison manifestieren, gefolgt von weiteren Störungen. APS-2 tritt typischerweise im frühen Erwachsenenalter auf. Weitere Indizien: Kennedys Schwester Eunice hatte ebenfalls Morbus Addison und sein Sohn John F. Kennedy Jr. einen Morbus Basedow.

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Napoleon Bonaparte: Vom drahtigen Beau zur Schlafmütze

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Dr. Thomas Meißner | August 27, 2020 | Interessenkonflikte

Napoleon Bonaparte: Vom drahtigen Beau zur Schlafmütze

Bis über sein 30. Lebensjahr hinaus war Napoleon Bonaparte (1769-1821) ein drahtiger Mann mit schulterlangem Haar. Mit 36 Jahren hatte sich sein Erscheinungsbild deutlich verändert: Er wurde zunehmend korpulent und lethargisch, das Gesicht weich, das Haupthaar dünn und fein, die Hüften breit. Zeichen einer Feminisierung.

Nach der Schlacht von Dresden im August 1813 tat er einen Monat lang nicht viel mehr als zu schlafen. Selbst während der Schlacht bei Leipzig im Oktober 1813 soll er eingeschlafen sein. Ebenso wenige Stunden vor der entscheidenden Schlacht von Waterloo im Juni 1818.

Zeitgenossen beschreiben seinen verlangsamten Redefluss und eine verminderte Konzentrationsfähigkeit. Später erklärte sein Arzt auf St. Helena, Napoleon habe kaum noch Körperbehaarung und auf die „üppigen, runden Brüste“ könne jede schöne Frau stolz sein.

All diese Veränderungen sowie spätere Obduktionsbefunde lassen auf eine endokrinologische Erkrankung schließen. Spekuliert wird über eine sekundäre Hypophysen-Vorderlappen (HVL)-Insuffizienz, ausgelöst durch eine traumatisch bedingte Störung der Blutversorgung infolge eines Unfalls im Jahre 1803.

Der 34-jährige Napoleon lenkte damals eine vierspännige Kutsche, in der auch seine Frau Joséphine saß. Die Pferde gingen durch, die Kutsche fiel um, Napoleon stürzte vom hohen Kutschersitz und blieb bewusstlos liegen.

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Eva Perón: Ihre Diagnose war „top secret“

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Dr. Thomas Meißner | August 27, 2020 | Interessenkonflikte

Eva Perón: Ihre Diagnose war „top secret“

Bereits mit Anfang 30 erkrankte María Eva Duarte de Perón (1919-1952), genannt Evita, an einem Zervixkarzinom. Das Foto zeigt sie im Jahr 1951 in einem Krankenhausbett. Das ehemalige Model und frühere Schauspielerin erfuhr selbst nie die wahre Diagnose. Krebserkrankungen waren in den 1950er-Jahren noch tabuisiert. Womöglich spielten auch politische Erwägungen ihres Mannes Juan Domingo Perón, zweimaliger Präsident Argentiniens, eine Rolle. Er nutzte die Popularität seiner Frau, um an der Macht zu bleiben.

Zweimal flog ein Spezialist aus New York ein, zuerst, um Eva Perón in Narkose zu untersuchen, später erneut, um zu operieren. Sie selbst schlief immer schon, bevor er den Operationssaal betrat. Doch der Tumor war bereits weit fortgeschritten und hatte metastasiert.

Nach der Hysterektomie im November 1951 schloss sich eine Radiotherapie an, bereits im Februar des Folgejahres kam es zum Rezidiv. Perón war die erste Argentinierin überhaupt, die eine Chemotherapie erhielt. Ziel war es, den Husten und die Dyspnoe wegen ihrer Lungenmetastasen zu verbessern. Schließlich ließ man noch mehrere deutsche Ärzte einfliegen. Doch auch sie konnten nicht mehr helfen. Sie starb mit nur 33 Jahren.

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Eleanor Roosevelt: Fürs Kranksein zu beschäftigt

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Dr. Thomas Meißner | August 27, 2020 | Interessenkonflikte

Eleanor Roosevelt: Fürs Kranksein zu beschäftigt

Eleanor Roosevelt (1884-1962), Ehefrau von Franklin D. Roosevelt, hat über Jahrzehnte die US-amerikanische Politik beeinflusst. Sowohl während der Präsidentschaft ihres Mannes als auch später – bis zu ihrem Tod. Auf Krankheit reagierte sie bei sich wie bei anderen mit Ungeduld. Beschwerden ignorierte sie, war überzeugt, mit eisernem Willen jede Krankheit besiegen zu können.

Als ihr Arzt im April 1960 eine milde Anämie und Leukozytopenie feststellte, ergab die folgende Knochenmark-Punktion ein hyperzelluläres Knochenmark mit auffällig vielen unreifen Zellen. Hämatologen stellten die Diagnose „aplastische Anämie“. Ein anderer Arzt ging später von einer reaktivierten Tuberkulose und nun bestehender Knochenmarks-Tbc aus, die Hämatologen blieben dagegen bei ihrer Diagnose und behandelten weiter mit Prednison.

Als der qualvoll langsame Sterbeprozess sich allmählich dem Ende zuneigte und das Herz stehen blieb, wurde Roosevelt von ihren Ärzten, trotz infauster Prognose, reanimiert – inklusiver intrakardialer Adrenalin-Injektion. Umsonst! Die Autopsie bestätigte sowohl die disseminerte Tbc sowie die Diagnose einer aplastischen Anämie, die aus heutiger Sicht auch ein myelodysplastisches Syndrom gewesen sein könnte.

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Gustav Stresemann: Politik mit rasendem Herzen

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Verschwiegene Diagnosen: So krank waren Kaiser und Könige, Ärzte und Forscher, Politiker und Philosophen

Dr. Thomas Meißner | August 27, 2020 | Interessenkonflikte

Gustav Stresemann: Politik mit rasendem Herzen

Der deutsche Außenminister und Friedensnobelpreis-Träger Gustav Stresemann (1878-1929) starb mit nur 51 Jahren. Erwartet hatte er seinen Tod schon lange. Seit mehr als einem Jahrzehnt litt er unter Herzbeschwerden. Er hatte eine erheblich vergrößerte, die Trachea einengende Schilddrüse. Ein Arzt attestierte „übergroße Erregbarkeit“ sowie einen „dauernd hohen Blutdruck.“

Dass eine Schilddrüsenüberfunktion im Mittelpunkt der rein klinisch gestellten Diagnose Morbus Basedow stand, galt damals als nicht gesichert. Manche glaubten an eine „Sympathikus-Neurose“ oder eine Störung des Zentralnervensystems. Rezidivierende Nierenentzündungen resultierten in einer zunehmenden Urämie.

Trotz allem mutete sich der Politiker zeitlebens ein extremes Arbeitspensum zu. Selbst der Tag vor seinem Tod war gefüllt mit Besprechungen beim Reichskanzler, einer Fraktionssitzung und einem 3-stündigen Gespräch mit dem Wirtschaftsminister. Kurz danach erlitt Stresemann einen ersten Schlaganfall. Den zweiten in den Morgenstunden des 3. Oktober 1929 überlebte er nicht.

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Prominente Patienten: Hätten Sie gewusst, welche Leiden diese berühmten Dichter, Schauspieler, Musiker und Maler plagten?

Auch nur Menschen: Der Autor und Arzt Thomas Meißner deckt auf, welche Krankheiten berühmte Persönlichkeiten gequält haben. Teil 1: von Goethe zu Beethoven, über Marley bis Bogart.
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