Haltbarkeit von Moderna-Impfstoff verlängert; China setzt auf Massenimpfungen; Gehirnalterung; Long-COVID auf Totenscheinen

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

19. Dezember 2022

Im Medscape-Corona-Newsblog finden Sie regelmäßig die aktuellen Trends zu Neuinfektionen und Belegung von Intensivstationen sowie eine Auswahl von klinisch relevanten Kurzmeldungen zur Pandemie.

Corona-Newsblog, Update vom 19. Dezember 2022

Heute Morgen gibt das Robert Koch-Institut (RKI), Berlin, auf seinem Dashboard 237 Infektionen pro 100.000 Einwohner als 7-Tage-Inzidenz an. Am 18. Dezember lag der Wert bei 242. Ein gewisser Meldeverzug durch das Wochenende gilt als wahrscheinlich.

Unsere Themen heute:

  • Praxistipp: Spikevax® (Moderna) richtig lagern

  • China setzt nun doch auf Massenimpfungen

  • Welche Gefahr geht von Omikron-Subvarianten wirklich aus?

  • Schweres COVID-19 könnte Gehirn altern lassen

  • USA: Long-COVID immer häufiger auf Totenscheinen zu finden

Praxistipp: Spikevax® (Moderna) richtig lagern

Der Erstgenerationenimpfstoff Spikevax® (Moderna) ist tiefgekühlt 3 Monate länger haltbar. Dies gilt für Durchstechflaschen mit Verfallsdatum „September 2022“ oder später. Die mögliche Aufbewahrungszeit im Kühlschrank verkürzt sich damit jedoch von 30 auf 14 Tage, wie Coliquio.de berichtet.

Hintergrund ist, dass Moderna eine optionale Verlängerung der Haltbarkeit des monovalenten Impfstoffs von 9 auf 12 Monate erwirkt hatte, wenn das Produkt 9 Monate lang ununterbrochen bei -50°C bis -15°C gelagert wurde. Dies führt jedoch laut Moderna zu einer verkürzten Haltbarkeit der Impfstoffe von 30 auf 14 Tage bei Kühlschranktemperatur (2-8°C).

Das bedeutet für Praxen, dass zukünftig ausgelieferte Impfstoffe mit einem aufgedruckten Haltbarkeitsdatum beispielsweise bis 12. Dezember 2022 auch über dieses Datum hinaus verwendbar sind ‒ allerdings nur noch innerhalb des Zeitraums von höchstens 14 Tagen, der in diesem Fall für die Haltbarkeit des Impfstoffes im Kühlschrank gilt (anstelle von 30 Tagen innerhalb der 9-monatigen Lagerung bei -50°C bis -15°C).

Die Verlängerung des Verfallsdatums betrifft ausschließlich Vials des monovalenten Erstgenerationenimpfstoffs Spikevax® von Moderna. Die angepassten Impfstoffe Spikevax® Orig./BA.1 und Spikevax® Orig./BA.4-5. sind von der Regelung ausgenommen.

Welche Gefahr geht von Omikron-Subvarianten wirklich aus?

Forscher haben begonnen, die Folgen neuer SARS-CoV-2-Subvarianten systematisch zu bewerten. Darüber hat Medscape.com berichtet.

BQ.1, BQ1.1, XBB und XBB.1 seien am resistentesten gegen neutralisierende Antikörper, heißt es in der Studie „Alarming antibody evasion properties of riseing SARS-CoV-2 BQ and XBB subvariants“. Das bedeute, dass Patienten keinen oder einen „deutlich reduzierten“ Schutz vor einer Infektion mit diesen 4 Stämmen hätten, selbst wenn sie bereits COVID-19 gehabt hätten oder mehrfach geimpft und geboostert worden seien, auch mit einem bivalenten Impfstoff. Darüber hinaus seien alle verfügbaren Behandlungen mit monoklonalen Antikörpern gegen diese Untervarianten größtenteils oder vollständig unwirksam, so die Autoren.

Die Ergebnisse seien definitiv „besorgniserregend“, sagte Dr. Eric Topol, Gründer und Direktor des Scripps Translational Research Institute in La Jolla, Kalifornien, und Chefredakteur von Medscape.

Studien aus anderen Ländern, insbesondere aus Singapur und Frankreich, zeigten jedoch, dass sich mindestens 2 dieser Varianten als nicht so gefährlich erwiesen hätten wie erwartet, wahrscheinlich aufgrund der hohen Anzahl an Menschen, die geimpft worden seien oder frühere Infektionen überstanden hätten, sagte er.

So zeigen Daten der Centers for Disease Control and Prevention (CDC), dass Personen, die 4 Impfungen der ursprünglichen COVID-19-Impfstoffe sowie die bivalente Auffrischimpfung erhalten haben, deutlich seltener wegen COVID-19 hospitalisiert worden sind – je nach Impfschema und Impfstoff um bis zu 57%.

China setzt nun doch auf Massenimpfungen

Seit letzten Donnerstag, als Reaktion auf weitere COVID-19-Ausbrüche, hat die chinesische Staatsführung beschlossen, die am stärksten gefährdeten Menschen zu impfen. Experten rechnen damit, dass die Zahl der Todesopfer weiter in die Höhe schnellen wird, nachdem die Regierung die strengen Kontrollen quasi über Nacht gelockert hat.

Der Vorstoß kam, nachdem die Weltgesundheitsorganisation Bedenken geäußert hat, dass Chinas 1,4 Milliarden Einwohner nicht ausreichend geimpft seien, und die Vereinigten Staaten Hilfe bei der Bewältigung eines Anstiegs von Infektionen angeboten hatten.

China, das nach eigenen Angaben rund 90% seiner Bevölkerung gegen COVID-19 geimpft hat, will nun die 2. Auffrischungsimpfung für Risikogruppen und ältere Menschen über 60 Jahren einführen. Objektiv lassen sich solche Zahlen nicht nachprüfen.

Regierungsangaben zufolge sollen allein letzten Dienstag 1,43 Millionen Impfdosen verabreicht worden sein: weit mehr als im November von etwa 100.000 bis 200.000 Dosen pro Tag. Ob die Maßnahmen kurzfristig etwas bringen, ist umstritten: Der maximale Immunschutz wird erst nach 10 bis 14 Tagen nach der Impfung aufgebaut.

Schweres COV-19 könnte Gehirn altern lassen

Viele Menschen klagen in Zusammenhang mit COVID-19 über kognitive Störungen. Nun wurde in einer Autopsie-Studie gezeigt, dass es nach einem schweren Verlauf möglicherweise zu Veränderungen kommt, die auf eine vorzeitige Alterung des Gehirns hinweisen. Darüber hat Coliquio.de berichtet.

Anhaltende kognitive Störungen sind ein häufiges Symptom von Long-COVID – insbesondere nach schweren Verläufen. Um Aufschluss über die mögliche Pathogenese zu bekommen, untersuchten die Neurobiologin Maria Mavrikaki vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston und ihr Team das Gehirn von 21 Personen, die an einem schweren Covid-19-Verlauf gestorben waren und einem weiteren Patienten, der zum Zeitpunkt seines Todes eine asymptomatische SARS-CoV-2-Infektion aufwies. Als Kontrollgruppen dienten 22 nicht mit SARS-CoV-2 infizierte Verstorbene und 9 Menschen, die ebenfalls nicht mit dem Corona-Virus infiziert waren, aber auch auf der Intensivstation behandelt und zum Teil beatmet wurden. 

Die Forschenden führten in Gewebeproben des Frontallappens RNA-Sequenzierungen einzelner Zellen durch, die wesentlich an kognitiven Prozessen beteiligt sind. Hier fiel auf, dass in den Hirnzellen von an COVID-19-Verstorbenen mehr Gene aktiviert waren, die an Entzündungs- und Stressreaktionen beteiligt sind. Gene, die für kognitive Leistungen und den Aufbau neuer Verbindungen zwischen den Hirnzellen zuständig sind, waren dagegen weniger aktiv als bei den Kontrollen.  

Auch Gene, die mit Alterungsprozessen im Gehirn in Verbindung gebracht werden, waren vermehrt aktiv. Diese konnten die Forschenden im Vergleich mit einer weiteren Kontrollgruppe nachweisen, von denen jeweils 10 vor und 10 nach dem 38. Lebensjahr verstorben waren.

USA: Long-COVID immer häufiger auf Totenscheinen zu finden

Das National Center for Health Statistics (NCHS) hat untersucht, wie oft Long-COVID im Freitextfeld amerikanischer Totenscheine genannt wird.

Grundlage ihrer Studie waren Daten von Menschen, die zwischen 1. Januar 2020 und dem 30. Juni 2022 gestorben waren. Der Anteil der COVID-19-Todesfälle mit Long-COVID erreichte im Juni 2021 (1,2%) und im April 2022 (3,8%) Maximalwerte.

Die altersbereinigte Sterberate in Zusammenhang mit Long-COVID lag im Juni 2022 bei 6,3 pro 1 Million Einwohner. Am stärksten betroffen waren Senioren im Alter von 86 oder mehr Jahren.

Details können die Autoren aus den Totenscheinen nicht ablesen. Offen bleibt auch, ob COVID-19 oder Long-COVID tatsächlich kausal für den Tod verantwortlich war.

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Kommentar

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