Bitte regelmäßig kontrollieren! Denn Diabetiker mit Gefäßschäden werden immer jünger – aber Reparaturen sind möglich

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

8. Dezember 2022

Wiesbaden – Bis zu 75% der Diabetespatienten sterben an Gefäßerkrankungen wie einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Der Grund: Diabetespatienten erkranken sehr viel häufiger an Arteriosklerose. Mehr als 8 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Diabetes, nach Schätzungen wird die Zahl der Diabetespatienten bis 2040 auf 12 Millionen steigen. „Das Erschreckende ist, unsere Patienten werden immer jünger! Die Blutgefäße mancher 50-Jährigen sehen aus wie die von 80-Jährigen“, berichtete Dr. Michael Lichtenberg auf der Diabetes Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), die in diesem Jahr in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) stattfand [1].

 
Das Erschreckende ist, unsere Patienten werden immer jünger! Dr. Michael Lichtenberg
 

Lichtenberg, Chefarzt der Klinik für Angiologie am Klinikum Hochsauerland der Universität Münster, hob hervor, dass die Prävention verbessert werden müsse, zumal Diabetes noch häufig unterschätzt werde. Vor allem von jüngeren Menschen, die sich nicht vorstellen können, an dieser „Alterskrankheit“ zu leiden.

Er berichtete von einem 40 Jahre alten Patienten mit einer schweren Durchblutungsstörung in den Unterschenkel-Arterien. „Der Patient wies einen HbA1c von über 13 auf.“ Der Patient habe sich nicht um seine Erkrankung gekümmert, hatte offenbar auch private Probleme. Obwohl die Unterschenkel-Arterien wiederöffnet werden konnten, habe der Patient 2 Zehen verloren.

Von 60.000 Amputationen, die jährlich in Deutschland durchgeführt werden, sind etwa 40.000 die Folge von Diabetes. „Diese hohe Amputationsrate ist ein Desaster und muss in einem hochentwickelten Land wie Deutschland wirklich nicht sein. Es gibt hervorragende Therapien, um die Blutgefäße wieder zu öffnen“, betonte Lichtenberg.

Blutgefäße regelmäßig untersuchen lassen

Die Hauptursache für die Zunahme des Typ-2-Diabetes ist Übergewicht: „Die Menschen ernähren sich zu ungesund, greifen oft auf Fast Food zurück. Dazu kommt, dass sich die meisten Menschen zu wenig bewegen. Die Corona-Zeit hat diesen Trend leider noch verstärkt. Die Pandemie macht viele Menschen passiv“, so Lichtenberg.

Er betonte, wie wichtig Prävention ist: „Gesunde Ernährung ist das A und O bei der Behandlung von Diabetes. Sport ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Diabetestherapie. Denn während des Sports wird vermehrt Blutzucker aus dem Blut in die Muskelzellen transportiert. So senkt Sport auf natürliche Weise den Blutzucker. Oft bekommt man die Krankheit mit einer gesunden Lebensweise in den Griff.“

 
Gesunde Ernährung ist das A und O bei der Behandlung von Diabetes. Sport ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Diabetestherapie. Dr. Michael Lichtenberg
 

Steigt das Gewicht, wird mehr Insulin benötigt. Die Bauchspeicheldrüse schafft es nicht, immer mehr Insulin zu produzieren. Glukose gelangt nicht mehr zu den Zellen, sondern staut sich im Blut an, der Blutzuckerwert steigt. Übermäßiger Zucker und hohe Cholesterinwerte im Blut schädigen vor allem die Blutgefäße. Es kommt zu Ablagerungen, die Gefäße verengen sich und können schließlich komplett verschließen.

Besonders gefährdet sind die Füße: Die Blutgefäße sind besonders klein und können dadurch leichter „verstopfen“. Die Folge: Das betroffene Körperteil wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und stirbt ab. Im schlimmsten Fall droht eine Amputation.

Wichtig sei, regelmäßig die Blutgefäße untersuchen zu lassen. Starke Gefäßschäden oder Gefäßverschlüsse können schonend minimal-invasiv behoben werden. Selbst winzige Gefäße in den Füßen können wieder geöffnet werden. Hierfür gibt es beispielsweise Mini-Fräsen. Es ist heute auch möglich, den Blutfluss umzuleiten. Beim sogenannten LimFlow-Verfahren, auch venöse Arterialisierung genannt, umgehe man die krankhaften und verschlossenen Arterien und leitet den Blutfluss in die Vene.

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Kommentar

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