Weniger Sarkopenie durch Roboter-Ösophagektomie; Claudin-Inhibitor Zolbetuximab bessert Überleben beim Magenkarzinom

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

6. Dezember 2022

Im Onko-Blog dieser Woche geht es vor allem Tumoren im Gastrointestinaltrakt. Erstmals konnte gezeigt werden, dass die Roboter-assistierte Ösophagektomie mit weniger Sarkopenien verbunden ist als der offene Eingriff. Und erstmals konnte mit einem Claudin-Inhibitor in einer Phase-3-Studie beim Magenkarzinom das PFS verbessert werden – die Ergebnisse sind aber noch nicht publiziert. In Japan gibt es den ersten Test für Verbraucher, mit dem ein Pankreaskarzinom früh erkannt werden soll – mit Hilfe von Fadenwürmern. 

  • Prostatakarzinom: Statin-Einnahme mit geringerer Sterblichkeit assoziiert

  • Ösophaguskarzinom: Weniger Sarkopenie bei Roboter-assistierter Operation

  • Magenkarzinom: Zolbetuximab bessert progressionsfreies und Gesamtüberleben

  • Kolorektalkarzinom: Adjuvantes Oxaliplatin länger als 3 Monate ohne Nutzen

  • Ovarialkarzinom: NNT bei gezielter Therapie

  • Pankreaskarzinom: Früherkennung mit Hilfe von Fadenwürmern?

Prostatakarzinom: Statin-Einnahme mit geringerer Sterblichkeit assoziiert

In verschiedenen Studien konnte eine Assoziation zwischen Statin-Einnahme und geringerer Sterblichkeit an Prostatakarzinom bei Androgen-Deprivation gesehen werden. Dieser Zusammenhang wurde nun in einem systematischen Review mit Metaanalyse erneut bestätigt. Bei Männern mit Prostatakarzinom unter Androgendeprivation ist die gleichzeitige Einnahme von Statinen mit einem um 27% geringeren Mortalitätsrisiko und einem um 35% niedrigeren Risiko für eine Karzinom-bedingte Sterblichkeit verbunden. 

Wie in  JAMA Network Open  berichtet, hat eine kanadische Arbeitsgruppe 25 Studienkohorten mit 119.878 Männern analysiert. 65.488 Männer (55%) nahmen Statine. Insgesamt waren 74.416 Männer verstorben. 

Die gleichzeitige Anwendung von Statinen war mit einer 27-prozentige Senkung des Sterberisikos (Hazard-Ratio 0,73) und einer 35-prozentige Senkung für das Risiko am Prostatakarzinom zu sterben (HR0,65) verbunden.

Subgruppenanalysen ergaben, dass eine Statin-Einnahme bei Männern, die mit an der Androgenrezeptor-Achse angreifenden Substanzen wie Enzalutamid oder Abirateron behandelt wurden, mit einer stärkeren Senkung der Karzinom-bedingten Sterblichkeit assoziiert war als bei Männern, die nur eine Androgendeprivation allein erhielten (HR 0,40). 

Nach Aussage der Autoren sind diese Ergebnisse durch den beobachtenden Charakter der eingeschlossenen Studien und die Heterogenität zwischen den Studien aber nur eingeschränkt aussagekräftig. Sie halten jedoch randomisierte klinische Studien zur Validierung der Ergebnisse für gerechtfertigt. 

Ösophaguskarzinom: Weniger Sarkopenie bei Roboter-assistierter Operation

Erstmals konnte in einer Studie ein signifikanter Nutzen einer Roboter-assistierten minimalinvasiven Ösophagektomie (RAMIE) im Vergleich zu offener Operation gezeigt werden. Innerhalb des 1. Jahres nach dem Eingriff war eine Sarkopenie bei RAMIE signifikant seltener. Die Schlussfolgerung einer Arbeitsgruppe aus Dresden im  Journal of Thoracic Oncology  lautete: „Diese Ergebnisse liefern weitere Belege dafür, die Implementierung des Roboteransatzes in der multimodalen Therapie des Ösophaguskarzinoms zu unterstützen.“

Die Wissenschaftlicher analysierten die Daten von 168 Patienten mit Ösophaguskarzinom, die entweder roboterassistiert minimalinvasiv oder offen operiert worden waren. Die Sarkopenie wurde anhand des Skelettmuskelindex und der Psoas-Muskeldicke/Körpergröße auf CT-Scans im ersten postoperativen Jahr beurteilt. Beide Parameter waren nach 3, 6 und 9 Monaten in der RAMIE-Gruppe jeweils signifikant besser als in der offen operierten Gruppe. 

Magenkarzinom: Zolbetuximab bessert progressionsfreies und Gesamtüberleben

Der gegen Claudin-18.2 (CLDN18.2) gerichtete monoklonale Antikörper Zolbetuximab verbesserte zusätzlich zu mFOLFOX6 gegeben das progressionsfreie Überleben von Patienten mit CLDN18.2-positivem, HER2-negativem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Magenkarzinom oder Karzinom des gastroösophagealen Übergangs im Vergleich zu Placebo plus mFOLFOX6. Dieses Ergebnis der Phase-3-Studie SPOTLIGHT gab Astellas Pharma am 17. November 2022 bekannt. Damit erreichte die Studie ihren primären Endpunkt. Die detaillierten Ergebnisse werden auf einem wissenschaftlichen Kongress vorgestellt und zur Publikation eingereicht.

In SPOTLIGHT wurden 566 Patienten mit CLDN18.2-positivem, HER2-negativem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Karzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs randomisiert mit Zolbetuximab plus mFOLFOX6 (Oxaliplatin, Leucovorin und Fluorouracil) oder mit Placebo plus mFOLFXOX6 behandelt. Neben dem primären Endpunkt PFS erreichte die Studie auch den sekundären Endpunkt Gesamtüberleben (OS).

Die häufigsten therapiebezogenen unerwünschten Ereignisse waren im Zolbetuximab-Arm Übelkeit, Erbrechen und verminderter Appetit.

Zolbetuximab bindet an CLDN18.2, das sich auf der Oberfläche von gastralen Epithelzellen befindet. CLDN18.2 ist ein Transmembranprotein, das in normalen Magenzellen vorkommt. Es ist ein wesentlicher Bestandteil der epithelialen und endothelialen Tight Junctions. CLDN18.2 kann auch in Magenkarzinomen vorkommen. Im Verlauf der Tumorentwicklung kann es zunehmend exponiert und so für eine zielgerichtete Antikörper-Therapie zugänglich werden.

Kolorektalkarzinom: Adjuvantes Oxaliplatin länger als 3 Monate ohne Nutzen

Sollen Patienten mit Kolorektalkarzinom eine adjuvante Oxaliplatin-basierte Chemotherapie erhalten, ist eine Gabe von Fluoropyrimidinen über 6 Monate sinnvoll, das Absetzen von Oxaliplatin nach 3 Monaten ist jedoch bei deutlicher Neurotoxizität ohne Wirkungsverlust möglich. Dies ergab die gepoolte Analyse der IDEA- und ACCENT-Datenbanken, die eine internationale Arbeitsgruppe im  Journal of Clinical Oncology  publiziert hat.

Sie analysierte den Effekt eines frühen Absetzens der gesamten Therapie (ETD) und eines frühen Absetzens von Oxaliplatin (EOD) auf die Prognose bei Patienten mit Kolorektalkarzinom im Stadium IIIC. 

In multivariablen Analysen nahmen bei frühem Absetzen der gesamten Therapie im Vergleich zu keiner ETD das krankheitsfreie 3-Jahres-Überlebens (DFS) (Hazard Ratio 1,16, p < 0,001) und das 5-Jahres-Gesamtüberleben (OS) (HR 1,73; P < 0,001) signifikant ab. 

Bei Absetzen von Oxaliplatin waren DFS oder OS nicht vermindert (5-Jahres-OS 89% und 90%; HR 1,25; p=0,04). Nur Patienten, die <50% der geplanten Oxaliplatin-Zyklen erhielten, hatten ein kürzeres DFS (HR 1,34) und OS (HR 1,61) als diejenigen, die alle geplanten Zyklen erhielten.

Ovarialkarzinom: NNT bei gezielter Therapie

Der Nutzen einer zielgerichteten Therapie bei Frauen mit neu diagnostiziertem Ovarialkarzinom wird stark vom Status der Biomarker beeinflusst. Frauen mit BRCA-Mutationen profitieren am stärksten von PARP-Inhibitoren. Die Zugabe von Bevacizumab scheint keine weiteren Vorteile zu bringen. Dies berichtet eine italienische Arbeitsgruppe in einem Research Letter in  JAMA Network Open

Sie hat die Number Needed to Treat (NNT) von 5 zwischen 2011 und 2022 publizierten Studien für den Effekt der untersuchten Therapie auf das progressionsfreie Überleben (PFS) berechnet. Es ergaben sich folgende Werte:

  • ICON7 mit Bevacizumab plus platinbasierter Kombination versus Placebo: NNT 7

  • SOLO1 Olaparib versus Placebo bei BRCA1/2-Mutation: NNT 3 

  • PRIMA Niraparib versus Placebo: NNT=6 bei allen Teilnehmerinnen, NNT=3 bei Frauen mit BRCA1/2-Mutationen. 

  • PAOLA-1 Olaparib plus Bevacizumab versus Bevacizumab: NNT=8 bei allen Teilnehmerinnen, NNT=6 bei Frauen mit BRCA1/2-Mutationen. 

  • ATHENA MONO Rucaparib versus Placebo: NNT=5 bei allen Teilnehmerinnen und NNT=3 bei Frauen mit BRCA1/2-Mutationen. 

Pankreaskarzinom: Früherkennung mit Hilfe von Fadenwürmern?

In Japan ist von der Firma Hirotsu Bio Science ein Test für Verbraucher auf den Markt gekommen, mit dem ein Pankreaskarzinom früh erkannt werden soll. Laut einer Pressemitteilung von Reuters sendet der Benutzer ein Urinprobe an ein Labor. In der Probe kann der Fadenwurm Caenorhabditis elegans Krebszellen „erschnüffeln“. Sind Pankreas-Krebszellen in der Probe enthalten, schwimmen die Würmer von diesen Zellen weg. 

Mit 70.000 Yen (ca. 490,00 Euro) ist der Test recht teuer. Laut Pressemitteilung haben Ärzte die Direktvermarktung des Tests kritisiert und den Nutzen der Ergebnisse angezweifelt.

In einer Publikation in  Pancreas  hat eine japanische Arbeitsgruppe im Mai 2021 berichtet, dass eine Überprüfung des Tests in einem Krebszentrum 95 Fälle ohne Krebs und 104 Fälle mit Pankreaskarzinom ergeben hatte. Sensitivität und Spezifität des Tests für ein Pankreaskarzinom lagen bei 84,6% (88/104) bzw. 60% (57/95). Der Test erkannte vor allem ein Pankreaskarzinom im Stadium 0 bis I und korrelierte stärker mit einer Erkrankung im frühen als im fortgeschrittenen Stadium.

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