Langzeit-Daten zum Mammakarzinom; Lungenkrebs-Screening erhöht Überlebensrate auf 80%; Prognose beim Lymphom mit ctDNA

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

29. November 2022

Im Onko-Blog geht es diese Woche unter anderem um Langzeitergebnisse von Studien beim Mammakarzinom. Die österreichische ABCSG-18-Studie hat ergeben, dass der positive Effekt von Denosumab bei AI-behandelten Frauen auch nach 8 Jahren noch nachzuweisen war. Ergebnisse aus 10 Jahren Nachbeobachtung der AMARO-Studie legen nahe, dass bei eingeschränktem Lymphknotenbefall eine Bestrahlung der Achselhöhle einer Operation vorzuziehen ist. Beim Lungenkrebs erhöht eine frühe Diagnose mit Hilfe des CT-Screenings die 20-Jahres-Überlebensrate dramatisch. Bei Patienten mit vorbehandeltem multiplem Myelom führt die Behandlung mit einem Daratumumab-haltigen Regime nach einem Follow-Up von 72 Monaten zu einer Überlebensvorteil.

  • Mammakarzinom: Langzeitergebnisse der ABCSG-18-Studie mit Denosumab

  • Mammakarzinom: Langzeitergebnisse der AMAROS-Studie zu Lymphknoten Dissektion vs. axillärer Bestrahlung

  • Lungenkrebs: Screening erhöht Langzeit-Überlebensrate deutlich

  • Leberkarzinom: Roboter-assistierte Resektion ist eine sichere Strategie

  • Multiples Myelom: Finale Daten der CASTOR-Studie belegen Überlebensverlängerung durch Daratumumab

  • Follikuläres Lymphom: ctDNA-Messung hilft bei Prognose

Mammakarzinom: Langzeitergebnisse der ABCSG-18-Studie mit Denosumab

Die Gabe von Denosumab bei Aromatase-Inhibitor-behandelten Frauen mit frühem Mammakarzinom zeigte auch nach einer Nachbeobachtungszeit von 8 Jahren im Median eine Besserung des Krankheits-freien Überlebens (DFS), des Knochenmetastasen-freien Überlebens (BMFS) und des Gesamtüberlebens (OS) im Vergleich zu Placebo. Dies ergab die finale Analyse der österreichischen ABCSG-18-Studie, die in  NEJM Evidence  erschienen ist.

In 58 Zentren hatten 3.425 postmenopausale Freuen mit frühem Mammakarzinom unter Aromatase-Inhibitor-Behandlung randomisiert Denosumab 60 mg oder Placebo (s.c. alle 6 Monate) erhalten. In die finale Analyse gingen die Daten von 1.711 Frauen unter Denosumab und 1.709 unter Placebo ein. 

Nach einer medianen Nachbeobachtungszeit von 8 Jahren waren unter Denosumab 309 und unter Placebo 368 DFS-Ereignisse aufgetreten (Hazard Ratio 0,83). Das 9-Jahres-DFS wurde unter Denosumab um 3,5 Prozentpunkte verbessert (von 75,9% auf 79,4%). Das BMFS besserte sich durch adjuvantes Denosumab um 2,5 Prozentpunkte (von 86,4% auf 88,9%, HR 0,81) und das OS um 1 Prozentpunkt (von 89,9 auf 90,9%, HR 0,80). 

In der über insgesamt 15 Jahre dauernden Studie trat keine Kieferosteonekrose auf.

Mammakarzinom: Langzeitergebnisse der AMAROS-Studie zu Lymphknoten-Dissektion vs. axillärer Bestrahlung

Langzeitergebnisse der AMAROS-Studie nach einem Follow-Up von 10 Jahren zeigen, dass bei Frauen mit positivem Sentinel-Lymphknoten und mit eingeschränktem Lymphknotenbefall eine Bestrahlung der Achselhöhle einer axillären Lymphknoten-Dissektion vorzuziehen ist, weil sie mit weniger Morbidität einhergeht. Nur bei makroskopischem Lymphknotenbefall ist die Operation vorzuziehen. Dies berichtet eine europäische Arbeitsgruppe im  Journal of Clinical Oncology

In der offenen, multizentrischen Nichtunterlegenheitsstudie waren 681 Frauen mit Mammakarzinom und positivem Sentinel-Lymphknoten randomisiert axillär bestrahlt worden, bei 744 Frauen waren die Lymphknoten operativ entfernt worden.

Die kumulative 10-Jahres-Inzidenz einer axillären Rezidivs betrug in der operierten Gruppe 0,93% und in der bestrahlten Gruppe 1,82% (Hazard-Ratio 1,71). Beim Gesamtüberleben und beim krankheitsfreien Überleben gab es keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Die Operation war in aktualisierten 5-Jahres-Analysen mit einer höheren Rate an Lymphödemen assoziiert (24,5 vs. 11,9%, p < 0,001). Die Daten zur Lebensqualität unterschieden sich in den beiden Gruppen nicht.

Lungenkrebs: Screening erhöht Langzeit-Überlebensrate deutlich

Patienten, bei denen Lungenkrebs im Frühstadium durch CT-Screening diagnostiziert worden ist, haben eine 20-Jahres-Überlebensrate von 80%. Dies ergab eine große internationale Studie, die von einer amerikanischen Arbeitsgruppe auf der Jahrestagung der Radiological Society of North America präsentiert wurde. 

„Das Screening verhindert zwar nicht das Auftreten von Krebs, es ist jedoch ein wichtiges Instrument zur Erkennung von Lungenkrebs in einem frühen Stadium, wenn er chirurgisch entfernt werden kann“, so Prof. Dr. Claudia Henschke von der Icahn School of Medicine am Mount Sinai, New York, in einer Pressemitteilung

Die durchschnittliche 5-Jahres-Überlebensrate aller Lungenkrebs-Patienten beträgt nur 18,6%, weil nur 16% der Erkrankungen in einem frühen Stadium diagnostiziert werden.

In der Studie wurde die 20-Jahres-Überlebensrate von 1.285 Patienten analysiert, die im Rahmen des International Early Lung Cancer Action Program (I-ELCAP) gescreent wurden und bei denen später Lungenkrebs im Frühstadium diagnostiziert worden war. 

  • Das 20-Jahre-Gesamtüberleben der gescreenten Teilnehmer lag bei 80%.

  • Die Überlebensrate von 139 Teilnehmern mit nicht soliden krebsartigen Lungenknoten und 155 Personen mit Knoten mit teilweise fester Konsistenz bei 100%. 

  • Bei den 991 Teilnehmern mit soliden Knoten betrug die 20-Jahres Überlebensrate 73%. 

  • Bei Krebs im Stadium 1A mit einer Größe von bis zu 10 mm betrug die 20-Jahres-Überlebensrate 92%.

„Die wichtigste Erkenntnis ist, dass gescreente Patienten auch nach dieser langen Zeitspanne nicht an ihrem Lungenkrebs sterben. Selbst wenn im Laufe der Zeit neue Lungenkrebserkrankungen erkannt würden, wären die Patienten in Ordnung, solange sie mit dem jährlichen Screening fortfahren“, so Henschke.

Leberkarzinom: Roboter-assistierte Resektion ist eine sichere Strategie

Die Roboter-assistierte Leberresektion erwies sich bei Patienten mit hepatozellulärem Karzinom im Vergleich zur offenen Operation als sicheres Verfahren. Gesamtüberleben und kumulative Inzidenz von Todesfällen waren in beiden Gruppen ähnlich, die perioperative Morbidität wurde bei Einsatz des Roboters deutlich reduziert. Dies ergab eine retrospektive italienische Kohortenstudie, die in  JAMA Surgery  publiziert worden ist.

Die Daten von 106 Patienten mit Roboter-assistierter Operation und 106 Patienten mit offener Operation wurden anhand eines Propensity Score Matchings verglichen. 

Die Operationszeit war mit dem Roboter mit 295 Minuten im Median signifikant länger als bei einem offenen Eingriff mit 200 Minuten. Die Krankenhausverweildauer war mit im Median 4 Tagen vs. 10 Tagen jedoch in der Roboter-Gruppe signifikant kürzer. Außerdem mussten Roboter-operierte Patienten signifikant seltener auf die Intensivstation verlegt werden (6,6% vs. 19,8%). Es kam auch seltener zu Leberversagen (7,5% vs. 28,3%). 

Die 90-Tage-Gesamtüberlebensrate sowie die kumulative Inzidenz von Todesfällen im Zusammenhang mit Tumorrezidiven waren zwischen den beiden Gruppen vergleichbar.

Eine Kosten-Nutzen-Analyse wurde nicht durchgeführt. Die Autoren sind jedoch der Meinung, dass „die kürzere Verweildauer auf Intensivstationen und im Krankenhaus sowie eine geringere Inzidenz schwerer Komplikationen letztendlich zu einer Reduzierung der Gesamtkosten führen und die höheren technologiebedingten Ausgaben kompensieren können“. 

Multiples Myelom: Finale Daten der CASTOR-Studie belegen Überlebensverlängerung durch Daratumumab

Bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom verlängert die Kombinationstherapie aus Daratumumab, Bortezomib und Dexamethason das Gesamtüberleben (OS) signifikant. 

Nach einem medianen Follow-Up von 72,6 Monaten erreichten die Patienten der Daratumumab-Gruppe ein medianes OS von 49,6 Monaten, die der Vergleichsgruppe von 38,5 Monaten. Diese Ergebnisse zeigten zusammen mit dem OS-Vorteil, der mit Daratumumab, Lenalidomid und Dexamethason in der POLLUX-Studiebeobachtet worden ist, erstmals einen OS-Vorteil mit Daratumumab-haltigen Therapien bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom (RRMM), heißt es im  Journal of Clinical Oncology

Erstmals waren Daten der multizentrischen randomisierten offenen Phase-3-Studie CASTOR auf dem ASCO-Jahreskongress 2016 vorgestellt ( Medscape  berichtete) und dann im  NEJM  publiziert worden.

Die vorbehandelten Patienten mit RRMM erhielten randomisiert Bortezomib plus Dexamethason (Vd) ohne und mit dem CD38-Antikörper Daratumumab. Nach der Primäranalyse wurde den Patienten der Vd-Gruppe nach Progression Daratumumab angeboten. 

In der finalen Analyse nach im Median 72,6 Monaten war das OS in der Daratumumab-Gruppe signifikant länger als in der Vergleichsgruppe. In den meisten Subgruppen zeigten vordefinierte Analysen einen OS-Vorteil mit D-Vd gegenüber Vd, so bei Patienten im Alter von ≥ 65 Jahren und bei Patienten mit 1 oder 2 vorherigen Therapielinien, Erkrankung im Stadium III, zytogenetischen Anomalien mit hohem Risiko und vorheriger Bortezomib-Behandlung. 

Die häufigsten (≥ 10%) behandlungsbedingten unerwünschten Wirkungen vom Grad 3/4 mit D-Vd im Vergleich zu Vd waren Thrombozytopenie (46,1% vs. 32,9%), Anämie (16,0% vs. 16,0%), Neutropenie (13,6% vs. 4,6%), Lymphopenie (10,3% vs. 2,5%) und Pneumonie (10,7% vs. 10,1%).

Follikuläres Lymphom: ctDNA-Messung hilft bei Prognose

Die Spiegel der zirkulierenden Tumor-DNA (ctDNA) vor der Behandlung eignen sich bei Patienten mit follikulärem Lymphom (FL) zur Beurteilung des Progressionsrisikos und des Ansprechens auf eine Therapie. Dies berichtet eine spanische Arbeitsgruppe in  Clinical Cancer Research

Das follikuläre Lymphom ist das häufigste indolente Non-Hodgkin-Lymphom. Bei etwa 20% der Patienten schreitet die Erkrankung früh innerhalb von 24 Monaten nach der Diagnose fort. Die spanische Arbeitsgruppe untersuchte prospektiv Plasmaproben von 36 Patienten mit FL, die mit Rituximab plus Chemotherapie behandelt und im Median 3,43 Jahre nachbeobachtet wurden. 

Die Ergebnisse zeigten, dass die ctDNA-Spiegel vor der Behandlung als unabhängiger prädiktiver Biomarker mit dem Ansprechen auf die Behandlung und einer frühen Progression korrelierten. Darüber hinaus waren die ctDNA-Spiegel und die zellfreie DNA-Genotypisierung während und am Ende der Behandlung mit dem Ansprechen auf die Behandlung und einer frühen Progression assoziiert.

Die ctDNA-Messung bei der Diagnose und während der Nachsorge könnte in der Behandlung des follikulären Lymphoms hilfreich sein.

Fanden Sie diesen Artikel interessant? Hier ist der Link zu unseren kostenlosen Newsletter-Angeboten – damit Sie keine unserer Nachrichten aus der Medizin verpassen.

 

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....