Fast jeder Siebte leidet an Blähungen, aber nur die wenigsten suchen Hilfe – oft aus Scham: Das raten Forscher allen Ärzten

Megan Brooks

Interessenkonflikte

28. November 2022

Fast jeder 7. Erwachsene in den USA hat innerhalb der letzten Woche an Blähungen gelitten. Doch die meisten suchen keinen Gastroenterologen oder keinen anderen Arzt auf. Manche Patienten erklären dies damit, dass es ihnen unangenehm sei, darüber zu sprechen – so das Ergebnis einer jetzt veröffentlichten Befragung.

 
Ergebnisse der Studie legen nahe, dass Ärzte proaktiv nach Blähungen fragen sollten, insbesondere bei Erwachsenen mit erhöhtem Risiko … Dr. Janice E. Oh und Kollegen
 

„Ergebnisse der Studie legen nahe, dass Ärzte proaktiv nach Blähungen fragen sollten, insbesondere bei Erwachsenen mit erhöhtem Risiko, einschließlich Frauen und Menschen mit Reizdarmsyndrom oder mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen“, schreiben die Forscher um Dr. Janice E. Oh vom Department of Medicine, Cedars-Sinai Medical Center, Los Angeles. Die Umfrage-Ergebnisse wurden in Clinical Gastroenterology and Hepatology publiziert [1].

Viele Betroffene, unklare Pathomechanismen

„Blähungen sind weit verbreitet, da sie in der Regel multifaktorielle Ursachen haben und auch ein sekundäres Symptom anderer gastrointestinaler Erkrankungen sein können“, sagte Oh gegenüber Medscape. Die Mechanismen seien komplex; Ärzte würden sich schwertun, jeden Patienten erfolgreich zu behandeln. „Daher leiden viele Erwachsene möglicherweise dauerhaft, ohne dass eine angemessene Diagnose oder Behandlung erfolgt“, sagte Oh.

Um die Prävalenz und die gesundheitlichen Auswirkungen von Blähungen in den Vereinigten Staaten besser in den Griff zu bekommen, führten Oh und ihre Kollegen eine Online-Umfrage bei einer repräsentativen Gruppe von 88.795 Erwachsenen im Alter von mindestens 18 Jahren durch.

 
Blähungen sind weit verbreitet, da sie in der Regel multifaktorielle Ursachen haben und auch ein sekundäres Symptom anderer gastrointestinaler Erkrankungen sein können. Dr. Janice E. Oh und Kollegen
 

Insgesamt berichteten 12.324 (14%) der Befragten über Blähungen in der Woche vor der Umfrage. Die Wahrscheinlichkeit von Blähungen war bei Frauen (Odds Ratio 2,56) und bei Personen mit bestimmten Begleiterkrankungen deutlich höher.

Zu den Faktoren, die mit stärkeren Blähungen assoziiert waren, gehörten:

  • ein Reizdarmsyndrom,

  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen,

  • Zöliakie,

  • Stuhlinkontinenz,

  • Bauchschmerzen,

  • Verstopfung (funktionell und Opioid-induziert).

Der Schweregrad der Blähungen nahm bis zu einem Alter von 59 Jahren zu und nahm dann bei Personen ab 60 Jahren ab.

Leiden viele Menschen im Stillen?

Bemerkenswert ist, dass mehr als die Hälfte (59%) der Personen, die an Blähungen litten, keinen Arzt aufsuchten. Etwa ein Drittel von ihnen gab an, dass sich die Blähungen von selbst zurückgebildet hätten, und 30% sagten, die Symptome seien nicht störend.

Etwa einer von 5 Erwachsenen, die sich nicht in ärztliche Behandlung begeben haben, gab an, dass er die Symptome mit rezeptfreien Medikamenten oder mit einer veränderten Lebensweise selbst in den Griff bekommen hätte. Und 9% erklärten, dass es ihnen unangenehm sei, das Problem mit ihrem Arzt zu besprechen.

„Das Zögern, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen oder über Blähungen zu sprechen, könnte darauf zurückzuführen sein, dass es keine routinemäßigen Untersuchungen auf Blähungen gibt, dass die Ärzte sich nicht auf solche Beschwerden konzentrieren oder dass die Patienten mit der Behandlung ihrer Beschwerden unzufrieden sind“, so die Forscher.

Am häufigsten nahmen Erwachsene, die älter als 29 Jahre waren, Personen mit Begleiterkrankungen wie Zöliakie, Borreliose und Reizdarmsyndrom sowie Personen mit schwereren Blähungen ärztliche Hilfe in Anspruch.

Eine Einschränkung besteht darin, dass Personen mit Magen-Darm-Beschwerden oder -Vorerkrankungen mit größerer Wahrscheinlichkeit an der Umfrage teilnehmen, was möglicherweise zu einer Überschätzung der Prävalenz von Blähungen führt.

Außerdem wurde die Umfrage während der COVID-19-Pandemie durchgeführt, was zu einer Überschätzung der Prävalenz oder des Schweregrads von Blähungen führen könnte, da COVID-19 bekanntermaßen auch zu gastrointestinalen Beschwerden führen kann.

Empfehlungen

Trotz dieser Einschränkungen empfehlen die Forscher allen Ärzten, ihre Patienten routinemäßig nach Blähungen zu fragen, um einen 1. Schritt für eine angemessene Behandlung zu tun.

„Blähungen können mit der Ernährung, dem Darmmikrobiom, mit anatomischen Besonderheiten oder mit Erkrankungen zusammenhängen, die von neurologischen bis hin zu gynäkologischen Störungen reichen. Und in den meisten Fällen ist es mehr als nur ein Problem, das für die Blähungen verantwortlich ist“, erklärt Oh.

„Ein tieferes Verständnis des Auftretens von Blähungen, der psychosozialen Faktoren, der Krankengeschichte und der Ernährung kann den Ärzten helfen, die Ursachen zu ermitteln. Wir hoffen, dass wir eine standardisierte Methode zur Ermittlung der Ursachen von Blähungen entwickeln können.“

Der Artikel wurde von Michael van den Heuvel aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

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