Influenza- plus Corona-Infektion häufig: Experten rufen zur Grippe-Impfung auf – schützt wohl auch vor Corona

Dr. Doris Maugg

Interessenkonflikte

25. November 2022

Forschende der University of Missouri School of Medicine haben eine hohe Prävalenz von Koinfektionen von SARS-CoV-2 und dem Influenza-A-Virus in Zentral-Missouri (USA) während der Grippesaison 2021 bis 2022 festgestellt. Die Koinfektionsrate erreichte ein Maximum von 48% im Oktober 2021 bei Personen mit COVID-19 [1] .

„Die Koinfektion in unseren Proben erreichte im Oktober 2021 mit 48% ihren Höhepunkt, als die Delta-Variante vorherrschte, und ihren Tiefpunkt mit 7,1% im Januar 2022, als die Omikron-Variante vorherrschte“, äußerte sich Senior-Autor Prof. Dr. Xiu-Feng Wan, Professor für Molekulare Mikrobiologie und Immunologie, Veterinärpathobiologie, Elektrotechnik und Informatik, in einer Pressemeldung.

In der Studie, publiziert in Virology, wurde außerdem gezeigt, dass Personen mit Omikron-Infektion sich seltener noch zusätzlich mit dem Influenza-A-Virus infizieren im Vergleich zu Personen mit einer Delta-Infektion. Zudem war die Zahl der Koinfektionen geringer bei Personen, die zuvor mindestens einmal eine Grippeschutzimpfung erhalten hatten.

Warnung der WHO vor „Twindemie“

COVID-19 wird mittlerweile von vielen Experten als endemisch eingestuft; viele Länder haben die Maßnahmen gegen eine Ausbreitung von SARS-CoV-2 zurückgefahren. Für Risikogruppen jedoch bleibt eine Ansteckung weiterhin gefährlich.

Hinzu kommt nun die in diesem Herbst bereits rollende Grippewelle, weshalb Experten u.a. von WHO Europa, die bereits im vergangenen Winter vor einer „Twindemie“ warnten, Mitte Oktober in einer gemeinsamen Erklärung dazu aufriefen, mit allen verfügbaren Mitteln – inklusive Impfungen – die vulnerablen Gruppen vor Koinfektionen mit SARS-CoV-2 und Influenza zu schützen.

Eine Studie des vergangenen Sommers aus Großbritannien, die sich auf COVID-19-positive, hospitalisierte Patienten konzentrierte, zeigte schwere Verläufe bei Koinfektionen mit SARS-CoV-2 und Influenza und rief dazu auf, COVID-19-Patienten zusätzlich auf Influenza zu testen.

Details der Studie

In der aktuellen Studie von Cynthia Y. Tang und ihren Kollegen wurden die Prävalenz und die klinischen Auswirkungen einer Koinfektion mit SARS-CoV-2- und dem Influenza-A-Virus (IAV) untersucht. Dazu führten die Autoren während der Grippesaison 2021 bis 2022 eine Querschnittsstudie in Zentral-Missouri durch und unterschieden dabei zwischen einer Koinfektion mit IAV und der Delta- bzw. der Omikron-Variante.

Die Autoren analysierten die Daten von 462 positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Patienten hinsichtlich der Variante und hinsichtlich einer Koinfektion mit IAV mittels RT-PCR. Bei 51% der 462 Patienten wurde die Delta- und bei 38% die Omikron-Variante nachgewiesen. Bei 5,8% bestand eine Infektion mit anderen Varianten, die, wie sich im späteren detaillierten Verlauf der Analyse zeigte, Subtypen der Delta-Variante waren. Ein Individuum war mit der Beta-Variante infiziert.

Von den 462 Patienten wurden 152 ebenfalls positiv auf IAV getestet. Dies resultierte in einer durchschnittlichen Koinfektionsrate von 33%. Die Rate schwankte stark innerhalb der Monate Oktober 2021 bis Januar 2022 mit einem Höhepunkt von 48% im Oktober in Übereinstimmung mit einem hohen Vorkommen der Delta-Variante. Im Januar 2022 erreichte sie ihr Minimum (7,1%) mit Auftreten der Omikron-Variante. Im Dezember lag die Koinfektionsrate für Delta und IAV bei 44% und für Omikron und IAV bei 27% (adjusted Odds Ratio [aOR] 0,29; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,14; p=0,58).

88 der 462 Personen hatten in dem Zeitraum 2020 bis 2021 mindestens eine Influenza-Impfung erhalten. Bei diesen Personen war die Wahrscheinlichkeit einer Koinfektion geringer (aOR 0,36; 95%-KI 0,16; p=0,81) als bei nicht-geimpften Personen.

Bei 3 Individuen, die 2-mal im Zeitraum von 12 Tagen getestet worden waren, zeigte sich erst im Anschluss an die SARS-CoV-2-Infektion eine Infektion mit dem Influenza-A-Virus.

Klinische Auswirkungen

Generell war eine Infektion mit der Delta-Variante im Vergleich zu Omikron mit einer höheren Hospitalisierungsrate assoziiert. Eine Korrelation zwischen einer Koinfektion mit SARS-CoV-2 und Influenza A und einem klinischen Outcome, insbesondere einer Hospitalisierung oder dem Auftreten von kardiologischen, respiratorischen, konstitutionellen, gastrointestinalen oder mehreren dieser Beschwerden war nicht signifikant.

Die Einschränkungen der Studie liegen zum Teil in der geografischen Begrenzung sowie darin, dass ausschließlich auf COVID-19 positiv getestete Personen miteinbezogen wurden. Möglicherweise lag auch eine Verfälschung der Daten vor, da die getesteten Personen vermehrt Symptome zeigten und asymptomatische Personen nicht mit einbezogen wurden.

Schützt die Influenza-Impfung vor Koinfektion?

Weitere Unklarheiten gab es in dieser Saison auch bei der Wirksamkeit der Grippeschutzimpfung: „Trotz der geringen Wirksamkeit des Grippeimpfstoffs für die Saison 2021/2022, die auf weniger als 16% geschätzt wird, unterstreicht unsere Studie die Bedeutung der Grippeschutzimpfung, da sie nicht nur einen gewissen Schutz gegen Influenza-Infektionen zu bieten scheint, sondern vor allem gegen COVID-19- und Grippe-Koinfektionen“, sagte Wan.

 
Unsere Studie unterstreicht die Bedeutung der Grippeschutzimpfung, da sie nicht nur einen gewissen Schutz gegen Influenza-Infektionen zu bieten scheint, sondern vor allem gegen COVID-19- und Grippe-Koinfektionen. Prof. Dr. Xiu-Feng Wan
 

„Es sei nicht vorhersehbar“, so die Autoren, „wie sich zukünftige SARS-CoV-2 Varianten entwickeln und sich dies auf die Wahrscheinlichkeit hinsichtlich einer Koinfektion auswirken wird. Daher sollten Risikogruppen bei grippalen Symptomen immer auf SARS-CoV-2 und auch auf das Influenza-A-Virus getestet werden, um durch eine gezielte antivirale Behandlung möglichen schweren Verläufen vorzubeugen.“

 
Risikogruppen sollten bei grippalen Symptomen immer auf SARS-CoV-2 und auch auf das Influenza-A- Virus getestet werden, um durch eine gezielte antivirale Behandlung möglichen schweren Verläufen vorzubeugen. Prof. Dr. Xiu-Feng Wan und Kollegen
 

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Kommentar

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