„Cerberus“-Variante BQ.1.1 startet durch; neue Impfstoffe; hohe Übersterblichkeit im Oktober; Online-Checkliste für Paxlovid®

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

21. November 2022

Im Medscape-Corona-Newsblog finden Sie regelmäßig die aktuellen Trends zu Neuinfektionen und Belegung von Intensivstationen sowie eine Auswahl von klinisch relevanten Kurzmeldungen zur Pandemie.

Corona-Newsblog, Update vom 21. November 2022

Heute Morgen gibt das Robert Koch-Institut (RKI), Berlin, auf seinem Dashboard 180 Infektionen pro 100.000 Einwohner als 7-Tage-Inzidenz an. Am 20. November lag der Wert bei 185.

„Im Moment gibt es keinen Grund für Alarm“, twittert Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD). „Auch ist für den Winter alles vorbereitet, dass es so bleibt.“ Was im Frühjahr sei, werde man sehen. „Jetzt müssen erst einmal alte und kranke Menschen im Winter geschützt werden.“

Unsere Themen heute:

  • RKI: Weniger COVID-19, mehr sonstige Infektionen der Atemwege

  • DESTATIS: Hohe Übersterblichkeit – doch liegt es an COVID-19?

  • Die „Cerberus“-Variante BQ.1.1 startet durch – wie gefährlich ist sie wirklich?

  • BioNTech/Pfizer: Neue Strategien der Impfstoffproduktion

  • Online-Checkliste zu Wechselwirkungen mit Paxlovid

  • COVID-19-Stress: Viele Betroffene zeigen Resilienz

RKI: Weniger COVID-19, mehr sonstige Infektionen der Atemwege

Im aktuellen Wochenbericht bewertet das RKI die epidemische Lage in Deutschland. Die Analysen zeigen mehr akuten Atemwegserkrankungen (ARE) im Vergleich zur Vorwoche, allerdings auf dem Niveau vorpandemischer Jahre.

In Abstrichen wurden vor allem Influenzaviren, RSV, Rhinoviren und PIV, aber auch SARS-CoV-2, nachgewiesen. Die RSV-Welle hat in Woche 41 und die Grippewelle in Woche 43 begonnen. Schätzungsweise 300.000 bis 800.000 Menschen haben symptomatische Infektionen mit SARS-CoV-2, Tendenz fallend: Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz der Fälle mit labordiagnostischem Nachweis von SARS-CoV-2 ist in Woche 45 um 17% gesunken, verglichen mit der Vorwoche.

DESTATIS: Hohe Übersterblichkeit – doch liegt es an COVID-19?

Bei laufenden Analysen haben Experten des Statistischen Bundesamts (DESTATIS) Auffälligkeiten beobachtet: Im Oktober sind bundesweit 92 954 Menschen gestorben. Diese Zahl liegt 19% über dem Median der Jahre 2018 bis 2021 für diesen Monat.

Höhere COVID-19-Todesfallzahlen oder die Alterung der Bevölkerung könnten dies nur zum Teil erklären – die Gründe bleiben offen. Handelt es sich vielleicht um Langzeitfolgen von COVID-19? Das lässt sich erst anhand derzeit noch nicht vorliegender Todesursachenstatistiken klären.

Die „Cerberus“-Variante BQ.1.1 startet durch – wie gefährlich ist sie wirklich?

„Seit einigen Wochen breitet sich die BA.5-Sublinie BQ.1.1 zunehmend in Deutschland aus“, warnt das RKI im letzten Wochenbericht. In Woche 45 enthielten 8% der Proben BQ.1.1, „was einer Vervierfachung des Anteils in den letzten 4 Wochen entspricht“.

„Cerberus“, so die populäre Bezeichnung der neuen Form, leitet sich von der BA.5-Linie BE.1.1 ab. In den USA sind viele Neuinfektionen schon darauf zurückzuführen.

„Der beobachtete Anstieg der Wachstumsrate von BQ.1 wird wahrscheinlich durch einen Immune Escape verursacht“, schreibt die europäische Seuchenschutzbehörde (ECDC). „Diese Variante und ihre Unterlinien werden in den kommenden Wochen und Monaten voraussichtlich zu einem weiteren Anstieg der COVID-19-Fälle in der EU/EWR beitragen.“ Laut RKI werde durch BQ.1 bisher keine Erhöhung der Krankheitslast beobachtet.

„Das Virus mutiert gerade an den Stellen, an denen Antikörper an das Spike-Protein binden“, erklärt Prof. Dr. Richard Neher von der Universität Basel. „Und wenn das Virus sich an diesen Stellen verändert, dann binden diese Antikörper, die wir zum Beispiel durch Impfungen oder überstandene Infektionen gebildet haben, nicht mehr so gut.“ Damit könne es zu einer Infektion kommen, obwohl Antikörper vorhanden seien.

Bleibt als gute Nachricht: BQ.1 leitet sich von einer Omikron- und nicht von einer Delta-Variante ab. Omikron hat in den letzten Monaten zu deutlich weniger schwerem COVID-19 geführt als Delta. Und in einer Studie von Moderna erzeugten experimentelle Impfstoffe, die sich gegen BA.4/BA.5 richten, eine robuste neutralisierende Aktivität gegen BQ.1.1. Ähnliches berichten BioNTech/Pfizer vom bivalenten COVID-19-Impfstoff BNT162b2 BA.4/5.

BioNTech/Pfizer: Neue Strategien der Impfstoffproduktion

Das Problem der Immunflucht durch Mutationen im Spike-Protein ist hinlänglich bekannt. Deshalb arbeiten BioNTech und Pfizer an neuen Prinzipien für Vakzine. Sie informieren jetzt über eine Phase-1-Studie mit dem Impfstoffkandidaten BNT162b4.

Grundlage des Vakzins ist eine T-Zell-Antigen-mRNA. Sie codiert für hoch konservierte Nicht-Spike-Proteine. Der experimentelle Impfstoff wird in Kombination mit dem an Omikron BA.4/BA.5 angepassten bivalenten COVID-19-Impfstoff veranreicht.

In die Studie werden rund 180 gesunde Teilnehmer zwischen 18 und 55 Jahren eingeschlossen. Sie haben zuvor mindestens 3 Dosen eines mRNA-basierten COVID-19-Impfstoffs erhalten. Ziel ist, Sicherheit, Verträglichkeit und Immunogenität des Impfstoffkandidaten zu untersuchen.

Online-Checkliste zu Wechselwirkungen mit Paxlovid®

Bei der Verschreibung von Paxlovid® (Nirmatrelvir/Ritonavir) zur Therapie von COVID-19 sind zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu beachten. Eine von der Deutschen Gesellschaft für Intensivmedizin und Notfallmedizin herausgegebene Online-Checkliste bietet einen schnellen Überblick, wie Coliquio berichtet.

Noch detaillierter sind die Wechselwirkungen auf der englischsprachigen Webseite „COVID-19 Drug Interactions der University of Liverpool“ dargestellt, die auch als App heruntergeladen werden kann.

COVID-19-Stress: Viele Betroffene zeigen Resilienz

Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Resilienzforschung haben in einer Übersichtsarbeit 28 Einzelstudien zusammengefasst, die Verläufe psychischer Belastungssymptome während der COVID-19-Pandemie untersuchten. Zum Vergleich zogen die Daten heran, die bereits im Jahr 2018 erhoben worden sind.

Generell ähneln die Verläufe der psychischen Gesundheit während der COVID-19-Pandemie denen anderer Stressereignisse. Auch während der Pandemie waren resiliente Verläufe mit 65,7% am häufigsten. „Dies unterstreicht, dass Resilienz kein seltenes, sondern sogar ein sehr häufiges Phänomen ist“, so die Autoren. Verläufe, bei denen Personen sich von einer initial hohen Belastung erholt haben, wurden seltener (13%) als vor der Pandemie (20,8%) gefunden.

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Kommentar

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