Walnüsse & Co: Pflanzliche Omega-3-Fettsäuren zeigen in Beobachtungstudie positive Effekte bei Herzinsuffizienz

Marilynn Larkin

Interessenkonflikte

17. November 2022

In einer Beobachtungsstudie hatten herzinsuffiziente Personen mit einem hohen Serumspiegel für Alpha-Linolensäure (ALA) eine bessere Prognose als Personen mit den niedrigsten Werten für diese Fettsäure[] 1 ].

Die Omega-3-Fettsäure ALA kommt hauptsächlich in Pflanzen wie Leinsamen, Chia, Walnüssen oder Rapsöl vor.

 
Es gibt keinerlei Hinweise auf eine schädliche Wirkung einer täglichen Portion Walnüsse. Dr. Aleix Sala-Vila
 

„Am auffälligsten ist der deutliche Unterschied zwischen Personen im untersten Quartil im Vergleich zu den anderen 75%, was auf einen Schwellenwert für die vermutete ALA-Wirkung hinweist und die Vorstellung stützt, dass es hier keine Einheitsdosierung gibt“, sagte Dr. Aleix Sala-Vila vom Hospital del Mar Medical Research Institute (IMIM) in Barcelona gegenüber Medscape.

Die Arbeit wurde am 24. Oktober online im Journal of the American College of Cardiology veröffentlicht. Man fand einen statistisch signifikanten Rückgang bei der Gesamtsterblichkeit, bei den kardiovaskulär bedingten Todesfällen und bei der ersten herzinsuffizienzbedingten stationären Aufnahme bei Personen, deren ALA-Serumspiegel in den oberen 3 Quartilen lag, gegenüber denjenigen, deren Wert im untersten Quartil angesiedelt war.

Der frühere Befund des Teams, nach dem höhere Serumspiegel von Phosphatidylcholin-Eicosapentaensäure (PC-EPA) und ALA mit einem geringeren Risiko für unerwünschte Ereignisse bei Patienten mit einem ST-Hebungsinfarkt (STEMI) verbunden waren, gab den Anstoß für die Durchführung dieser Studie, führte Sala-Vila aus.

Die Ergebnisse dienten zum jetzigen Zeitpunkt nur der Hypothesenbildung: „Die Aufnahme ALA-reicher Lebensmittel wie Walnüsse in den Speiseplan hat vermutlich für jeden Menschen – ob mit oder ohne Herzinsuffizienz – einen positiven kardiovaskulären Effekt. Es gibt keinerlei Hinweise auf eine schädliche Wirkung einer täglichen Portion Walnüsse, nicht einmal mit Blick auf das Körpergewicht.“

Die Kraft der Pflanzen

Sala-Vila und sein Team analysierten Daten und Proben von 905 Patienten (Durchschnittsalter 67 Jahre; 32% Frauen) mit einer Herzinsuffizienz unterschiedlicher Genese. Die ALA-Werte im Serum wurden gaschromatographisch in Serumphospholipiden bestimmt, welche die langfristige ALA-Aufnahme über die Nahrung und deren Stoffwechsel widerspiegeln.

Der zusammengesetzte primäre Endpunkt bestand aus allen Todesursachen oder einer ersten Klinikeinweisung aufgrund einer Herzinsuffizienz. Sekundärer Endpunkt war die Kombination aus kardiovaskulär bedingtem Tod oder einer Hospitalisierung aufgrund einer Herzinsuffizienz.

Nach einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 2,4 Jahren traten 140 Todesfälle aller Art, 85 kardiovaskulär bedingte Todesfälle und 141 erste herzinsuffizienzbedingte Hospitalisierungen auf (alle Todesursachen und erste herzinsuffizienzbedingte Hospitalisierungen: 238; kardiovaskulär bedingter Tod oder Hospitalisierung aufgrund einer Herzinsuffizienz: 184).

Im Vergleich zu Personen aus dem niedrigsten Quartil der ALA in Serumphospholipiden wiesen diejenigen aus den 3 oberen Quartilen ein um 39% geringeres Risiko für den primären Endpunkt auf (Hazard Ratio, HR: 0,61).

 
Wie der einzelne Mensch auf eine bestimmte Intervention (Präzisionsernährung) reagiert, hängt von vielen Faktoren ab. Dr. Aleix Sala-Vila
 

Statistisch signifikante Verringerungen wurden auch für den Parameter „alle Todesfälle“ (HR: 0,58), für den kardiovaskulär bedingten Tod (HR: 0,51), für erste herzinsuffizienzbedingte Hospitalisierungen (HR: 0,58) und für die Kombination aus kardiovaskulär bedingtem Tod und herzinsuffizienzbedingter Klinikeinweisung beobachtet (HR: 0,58).

Im Gegensatz dazu waren die Zusammenhänge für aus Fisch gewonnener EPA, DHA und der Summe aus EPA und DHA statistisch nicht signifikant.

Zu den Schwächen der Studie gehören ihr Beobachtungscharakter, das relativ niedrige Durchschnittsalter der Kohorte mit reduzierter oder mittlerer Ejektionsfraktion und chronischen Nierenerkrankungen im Stadium 2 sowie die fehlenden Daten zur weiteren Ernährung neben den Fettsäuren.

„Kontroverse Ergebnisse aus aktuellen größeren Studien über Omega-3-Fettsäuren könnten verwirrend sein und sich auch negativ auf den Ruf dieser Fettsäuren auswirken“, so Sala-Vila. „Wie der einzelne Mensch auf eine bestimmte Intervention (Präzisionsernährung) reagiert, hängt von vielen Faktoren ab, wie z.B. den Genen, dem Mikrobiom und der Umwelt. In diesem Zusammenhang erweist sich die Ernährung bzw. ihr Omega-3-Anteil als ein entscheidender Faktor.“

Randomisierte Studien erforderlich

Dr. JoAnn E. Manson, Leiterin der Präventivmedizin am Brigham and Women's Hospital in Boston, kommentierte die Studie für Medscape mit den Worten: „Die Ergebnisse sind im Kontext früherer Arbeiten zu den Omega-3-Fettsäuren vielversprechend.“

Dazu gehöre auch die wegweisende randomisierte, kontrollierte GISSI-HF-Studie, in der nur ein geringer Nutzen der mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren in Bezug auf die Klinikeinweisungen und die Mortalität bei chronischer Herzinsuffizienz gezeigt werden konnte; zudem die VITAL-HF-Studie ihres eigenen Teams, bei der eine signifikante Verringerung der wiederkehrenden Klinikeinweisungen wegen einer Herzinsuffizienz durch eine Supplementierung mit marinen Omega-3-Fettsäuren im Vergleich zu Placebo gesehen wurde.

 
Die Ergebnisse sind im Kontext früherer Arbeiten zu den Omega-3-Fettsäuren vielversprechend. Dr. JoAnn E. Manson
 

„Möglicherweise ist es kein kausaler Zusammenhang, und die Autoren räumen auch ein, dass sie keine Informationen über weitere Ernährungsfaktoren haben“, so Manson. „Es könnte sein, dass die Lebensmittel, die zu diesem höheren ALA-Spiegel im Blut führen, die Art von pflanzlicher Ernährung umfassen, die mit einem geringeren kardiovaskulären Risiko in Verbindung gebracht wird, wie z.B. die mediterrane Kost. Die Ergebnisse könnten auch das Ergebnis anderer Faktoren sein, die in der Analyse nicht vollständig berücksichtigt wurden, oder die Teilnehmer könnten einfach eine bessere Adhärenz bei ihrer normalen Medikation haben.“

 
Die Evidenzen sind vielversprechend genug, sodass auch eine randomisierte und kontrollierte Studie zur ALA bei Menschen mit Herzinsuffizienz sinnvoll wäre. Dr. JoAnn E. Manson
 

„Dennoch ist es sinnvoll, Menschen mit einer Herzinsuffizienz in der Vorgeschichte oder einem hohen Risiko dafür, den vermehrten Verzehr von mit ALA angereicherten Lebensmitteln wie Rapsöl, Leinsamenöl, Sojabohnen und Sojabohnenöl sowie Walnüssen zu empfehlen“, sagte sie.

„Ich denke, die Evidenzen sind vielversprechend genug, sodass auch eine randomisierte und kontrollierte Studie zur ALA bei Menschen mit Herzinsuffizienz sinnvoll wäre“, fügte Manson hinzu.

Ganz ähnlich äußert sich Dr. Abdallah Al-Mohammad vom Northern General Hospital im britischen Sheffield in einem Editorial. Er sieht eine mögliche Rolle der ALA bei der Verbesserung der Morbidität und Mortalität von Herzinsuffizienz-Patienten zwar noch nicht nachgewiesen, doch die Ergebnisse öffneten „das Feld für weitere Fragen, und die Antworten liefern uns dann prospektive randomisierte kontrollierte Studien“.

Dieser Artikel wurde von Markus Vieten aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

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