Frühdiagnostik von Krebs nach Krebs: Flüssigbiopsie bei Patienten mit soliden Tumoren kann auch Blutkrebsrisiko identifizieren 

Pam Harrison

Interessenkonflikte

15. November 2022

Barcelona – Flüssigbiopsien dienen dem molekularen Tumorprofiling bei Menschen mit soliden Tumoren. Sie können aber auch dazu verwendet werden, Personen mit einem hohen Risiko für eine klonale Hämatopoese zu identifizieren. Das ist das Ergebnis der STING-Studie.

„Die klonale Hämatopoese kann ein prämaligner Zustand für myeloische Leukämien sein“, sagte Studienautor Dr. Marco Tagliamento vom Institut Gustave Roussy im französichen Villejuif. „Wir haben zudem gezeigt, dass sich durch die Flüssigbiopsie Personen mit soliden Tumoren identifizieren lassen, die nach der Entdeckung einer klonalen Hämatopoese mit hohem Risiko von einer personalisierten hämatologischen Therapie profitieren können“, betonte er während einer Pressekonferenz. 

 
Die klonale Hämatopoese kann ein prämaligner Zustand für myeloische Leukämien sein. Dr. Marco Tagliamento
 

Vorgestellt wurde die Studie auf dem 34. Symposium der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTIC), dem National Cancer Institute (NCI) und der American Association for Cancer Research (AACR) [1].

 
Durch die Flüssigbiopsie lassen sich Personen mit soliden Tumoren identifizieren, die nach der Entdeckung einer klonalen Hämatopoese mit hohem Risiko von einer personalisierten hämatologischen Therapie profitieren können. Dr. Marco Tagliamento
 

Okkulte myeloische Malignome

An der Studie nahmen 1.416 Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren teil. Einige der Betroffenen hatten bereits eine Krebsbehandlung hinter sich, andere nicht. Alle unterzogen sich mindestens einer Flüssigbiopsie mit Next-Generation-Sequenzierung von cfDNA (zellfreie DNA) und der Analyselösung „FoundationOne Liquid CDx“.

„Das Ziel der Studie bestand darin, bei Personen mit soliden Tumorerkrankungen, bei denen eine Flüssigbiopsie zur Erstellung eines molekularen Tumorprofils durchgeführt wurde, okkulte frühe myeloische Malignome zu entdecken“, erklärte Tagliamento.

Wenn durch die Flüssigbiopsie Mutationen in den Genen JAK2 oder MPL identifiziert wurden, überwies man die Betroffenen zur hämatologischen Untersuchung. Bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 9,6 Monaten trugen 8% dieser Patienten mindestens eine klonale Hämatopoese-Mutation, die mit einem hohen Risiko für die Entwicklung einer myeloischen hämatologischen Störung verbunden ist.

Darunter waren 2 Personen mit myelodysplastischem Syndrom, 2 mit essenzieller Thrombozythämie und einer mit chronischer myelomonozytärer Leukämie. „Alle Patienten wurden hämatologisch betreut“, so Tagliamento.

Die Forschenden kamen zu dem Schluss, dass „zufällige Befunde einer klonalen Hämatopoese im Rahmen einer Flüssigbiopsie zu weiteren hämatologischen Tests führen können, die das Risiko einer myeloischen Malignität aufzeigen oder bislang okkulte Erkrankungen aufdecken.“

Tagliamento betonte auch, dass die Aufdeckung Komplikationen während der Krebstherapie verhindern könnte, welche andernfalls eine Unterbrechung der Behandlung oder deren verzögerten Beginn bedeuten könnten.

Nicht immer angebracht, auf potenziell erhöhtes Risiko hinzuweisen

Prof. Dr. Ruth Plummer, klinische Professorin für experimentelle Krebsmedizin am University Centre for Cancer im britischen Newcastle, leitete die Tagung und lobte die handwerklich gute Ausführung der Studie. Die Ergebnisse zeigten eine zusätzliche Facette der aus den Flüssigbiopsien gewonnenen Informationen auf.

„Die Studie legt nah, dass sich Personen mit diesen Mutationen weiteren Untersuchungen unterziehen sollten“, sagte Plummer. Sie wies jedoch auch darauf hin, dass die „Entscheidungen darüber, was für diese Patienten am besten ist, von einer Reihe weiterer Faktoren abhängt“. 

 
Die Studie legt nah, dass sich Personen mit diesen Mutationen weiteren Untersuchungen unterziehen sollten. Prof. Dr. Ruth Plummer
 

„Krebspatienten müssen sich mit vielen Sorgen auseinandersetzen, daher müssen wir die klinische Situation der Betroffenen und ihren Therapieplan mitberücksichtigen“, so Plummer. Da diese Menschen oft sehr besorgt über ihre bereits diagnostizierte Krebserkrankung seien, wäre es vielleicht nicht immer angebracht, auf ein potenziell erhöhtes Risiko hinzuweisen, in der Zukunft möglicherweise ein weiteres hämatologisches Malignom zu entwickeln, warnte sie. 

„Nur einige spezifische klonale Hämatopoese-Mutationen lassen sich als Vorhersageinstrumente für ein höheres Risiko eines zukünftigen Blutkrebses einsetzen“, betonte Plummer.

 
Nur einige spezifische klonale Hämatopoese-Mutationen lassen sich als Vorhersageinstrumente für ein höheres Risiko eines zukünftigen Blutkrebses einsetzen. Prof. Dr. Ruth Plummer
 

Dieser Artikel wurde von Markus Vieten aus  www.medscape.com  übersetzt und adaptiert.

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Kommentar

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