Fall: Unregelmäßige Verdickung des gesamten Rektums bei einem 51-jährigen, HIV-positiven Patienten. Ihr Verdacht?

Folusakin Ayoade, Nadine Montreuil

Interessenkonflikte

16. Januar 2023

Da eine Syphilis und das LGV ausgeschlossen wurden, setzte man das Doxycyclin ab und begann für 3 Wochen eine Therapie mit Valacyclovir 1 g alle 8 Stunden. Der Patient sprach sehr gut auf den antiviralen Wirkstoff an. Bei der klinischen Nachuntersuchung, die 10 Wochen nach dem Ende der antiviralen Therapie erfolgte, waren seine Symptome vollständig verschwunden. Eine Sigmoidoskopie rund 3 Monate nach Therapieende zeigte wieder eine normale Rektumschleimhaut ohne Anzeichen von Massen. Die histopathologische Aufarbeitung der zeitgleich durchgeführten Rektumbiopsie ließ keinerlei Anzeichen einer HSV-Infektion mehr erkennen.

Es gibt verschiedene Infektionskrankheiten, die bei HIV-Patienten rektale Massen verursachen können, wie z.B. die Syphilis, das LGV, eine CMV-Infektion und auch HHV-8-Infektionen [1,2,3]. HHV-8 wird im Rahmen einer HIV-Infektion häufig bei Personen mit sehr niedrigen CD4-T-Zellzahlen relevant, bei denen es sich als Kaposi-Sarkom manifestiert. Das HHV-6 könnte bei immungeschwächten Wirten ebenfalls von Bedeutung sein, obwohl es in der Transplantationsmedizin eine größere Bedeutung zu haben scheint und vornehmlich Enzephalitiden und Pneumonien verursacht. Zu den nicht infektiösen Ätiologien einer rektalen Masse gehören Lymphome, Plattenepithelkarzinome des Rektums, das Einwachsen von Tumoren aus benachbarten Strukturen wie der Prostata und Fernmetastasen [4].

Der Patient im vorliegenden Fall zeigte Symptome einer Proktitis, was bei HIV-positiven Männern, die Sex mit Männern haben, nicht ungewöhnlich ist. Unter den zahlreichen infektiösen Ursachen der Proktitis sind die Gonorrhö, Chlamydieninfekte, die Syphilis und HSV-Infektionen am häufigsten [5,6]. HSV-1 wird traditionell mit oropharyngealen Infektionen in Verbindung gebracht. In jüngerer Zeit hat sich HSV-1 jedoch in den Industrieländern auch zu einer wichtigen Ursache für den anogenitalen Herpes entwickelt, was wahrscheinlich mit den steigenden Raten orogenitaler Sexualpraktiken, insbesondere beim homosexuellen Verkehr, zusammenhängt [7].

Die meisten Personen mit Proktitis beklagen eine ganze Reihe von Symptomen wie rektale Blutungen, Schmerzen, Tenesmen und Durchfall oder auch Verstopfung. Bei Personen mit HSV-Proktitis kann es auch zu neurologischen Manifestationen im Bereich der sakralen Nervenwurzeln kommen. Schwierigkeiten beim Einleiten der Miktion, Schmerzen im hinteren Oberschenkel, Parästhesien im Gesäß- oder Dammgebiet und Impotenz sind weitere neurologische Symptome, die von etwa 52% der Männer mit HSV-Proktitis beschrieben wurden [8]. Bei diesem Patienten konnte die Erkrankung diagnostiziert und angemessen behandelt werden, bevor sich derartige Komplikationen entwickelten.

Zur Diagnose einer HSV-Infektion gibt es verschiedene Verfahren wie Viruskultur, PCR und Immunfluoreszenzfärbung. Neuere Methoden wie der plasmabasierte Sequenzierungstest der nächsten Generation (Karius-Test) oder ähnliche genbasierte Ansätze sind ebenfalls möglich, wenngleich sie nicht allgemein verfügbar sind. Immunhistochemische Methoden sind heute meist verfügbar. Sie sind hochempfindlich und bewähren sich gerade in der Diagnostik von nur schwer oder gar nicht kultivierbaren Mikroorganismen. Der Ansatz beruht auf dem Prinzip der Antigen-Antikörper-Bindung in biologischen Geweben und vermag zahlreiche Viren zu identifizieren (wie auch HSV-1 und -2) [9].

Kommentar

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