Nebennieren-Anarchie: Hinter schwer therapierbarer Hypertonie steckt oft das Conn-Syndrom – Diagnose kann Leben retten

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

7. Oktober 2022

Bei Bluthochdruck, der sich schlecht therapieren lässt, sollte man auch an das Conn-Syndrom als mögliche Ursache denken. „Spätestens, wenn der Patient drei Medikamente einnimmt, sollte man überlegen, ob nicht eine andere Ursache dahinter steckt“, betonte Prof. Dr. Martin Fassnacht, Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie/Diabetologie und Leiter der Endokrinologie und Diabetologie am Uniklinikum Würzburg, auf der Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) [1]

 
Spätestens, wenn der Patient drei Medikamente einnimmt sollte man überlegen, ob nicht eine andere Ursache dahinter steckt. Prof. Dr. Martin Fassnacht
 

Nach heutigem Kenntnisstand seien Erkrankungen der Nebennieren für mehr als 10% der Hypertonie-Fälle verantwortlich, berichtete Fassnacht. Das mit Abstand häufigste Krankheitsbild im Zusammenhang mit Bluthochdruck ist das sogenannte Conn-Syndrom, der primäre Hyperaldosteronismus. Dabei wird Aldosteron weitgehend unreguliert ausgeschüttet und verursacht eine deutliche Steigerung des Blutdrucks. Doch nicht nur das: Bei ausgeprägten Formen kommt es auch zu Verschiebungen der Blutsalze.

Patienten mit Conn-Syndrom bilden eine besondere Risikogruppe

In Studien der vergangenen Jahre wurde gezeigt, dass Patienten mit Conn-Syndrom deutlich häufiger an Vorhofflimmern, Herzinfarkten, Herzinsuffizienz und Schlaganfällen leiden und deutlich früher sterben, wenn die Erkrankung nicht diagnostiziert wird. „Sie sind eine besondere Risikogruppe innerhalb der Risikogruppe aller Hypertoniker“, betonte Fassnacht. „Aktuelle Zahlen zeigen, dass selbst bei milder Hypertonie mindestens 5% ein Conn-Syndrom haben und dieser Prozentsatz steigt bei sehr ausgeprägter Hypertonie auf 30%, dies entspricht einem Drittel aller Patienten.“

Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt, lässt sich das Risiko deutlich senken. Bei Patienten mit einem kleinen gutartigen Nebennierentumor kann sogar eine Heilung erzielt werden. „Es lohnt sich, diese Patienten herauszufischen. Und es ist eben nicht – wie früher geglaubt – die Nadel im Heuhaufen“, sagt Fassnacht. Nach aktuellen Empfehlungen der verschiedenen Fachgesellschaften sollte bei 50% aller Hypertoniker nach einem Conn-Syndrom gefahndet werden.

 
Nach aktuellen Empfehlungen der verschiedenen Fachgesellschaften sollte bei 50% aller Hypertoniker nach einem Conn-Syndrom gefahndet werden. Prof. Dr. Martin Fassnacht
 

Diagnose ist machbar

Doch die Realität sei, dass kaum nach dem Conn-Syndrom gesucht werde, so Fassnacht. Wahrscheinlich würden nur 1% der Conn-Syndrome entdeckt. Seiner Einschätzung nach liegt das daran, dass viele Ärzte immer noch glaubten, dass das Conn-Syndrom sehr selten ist. Hinzu komme, dass die Diagnostik als kompliziert eingestuft wird. Das sei nicht der Fall: Zunächst müssen Aldosteron und Renin bestimmt und der Quotient gebildet werden. Dieser Screeningtest filtert allerdings auch Patienten heraus, die die Erkrankung nicht haben, deshalb ist ein Bestätigungstest obligat, erklärt Fassnacht. 

Am häufigsten wird dafür der sogenannte Suppressionstest mit intravenöser Kochsalzinfusion eingesetzt. „Das ist tatsächlich etwas aufwendiger, da man vorher die Blutdruckmedikamente umsetzen und anschließend eine gezielte Lokalisationsdiagnostik machen muss“, so Fassnacht.

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Kommentar

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