Zulassung, Immobilie und Timing: Diese Tipps vom Steuerberater zur Praxisübergabe sollten Ärzte kennen

Frank Steuer

Interessenkonflikte

14. September 2022

Auch bei Ärzten und Zahnärzten, die vor Erreichen der Altersgrenze von 55 Jahren schon über die Gründung einer MVZ GmbH zur Vorbereitung der Praxisnachfolge nachdenken, besteht die Möglichkeit, die Praxis steuerneutral in eine MVZ GmbH zu übertragen. Sie sollten aber weitere steuerlich beachtliche Punkte berücksichtigen, die es im Einzelfall zu prüfen gilt.

Längst nicht trivial: Die Frage der Zulassung

Bei der Praxiseinbringung ist in allen Fällen von Bedeutung, das die funktional wesentlichen Betriebsgrundlagen auf die übernehmende MVZ GmbH übertragen werden. Dazu gehören Wirtschaftsgüter, die für den Betrieb der Praxis unabdingbar sind.

Nach der jüngsten Entscheidung des Bundessozialgerichtes vom 26.01.2022 wird künftig nur noch die Vertragsarztvariante, bei der ein Arzt seine Zulassung zurückbehält und nicht auf die MVZ GmbH überträgt, in den überwiegenden Fällen umsetzbar sein. Hier stellt sich steuerlich die Frage, ob die Vertragsarztzulassung eine wesentliche Betriebsgrundlage darstellt, die nach der Rechtsprechung des BSG nun nicht mehr auf die GmbH aus zulassungsrechtlicher Sicht erfolgen darf.

Dieser Aspekt wurde steuerrechtlich noch nicht abschließend geklärt. Auch in der steuerlichen Literatur wird diese Frage heftig diskutiert. Auffassung der sbu Beteiligungs- und Steuerberatungsgesellschaft mbH ist: Es liegt keine wesentliche Betriebsgrundlage vor, weil die Zulassung nicht über die Voraussetzungen eines Wirtschaftsgutes verfügt.

Bestenfalls sichern Ärzte diese steuerliche Unsicherheit durch das Einholen einer auch bei der Finanzverwaltung kostenpflichtigen, verbindlichen Auskunft ab. Die Finanzverwaltung ist bei späteren Betriebsprüfungen daran gebunden. Die verbindliche Auskunft ist sehr formell und sollte nur durch fachkundige Berater gegenüber der Finanzverwaltung gestellt werden, weil sie ansonsten ohne rechtliche Prüfung von der Finanzverwaltung regelmäßig abgelehnt wird.

Übertragung der Praxisimmobilie sollte gut geplant werden

Besonders problematisch sind auch Praxisimmobilien, deren Übertragung auf die GmbH erneut Grunderwerbssteuer auslösen. Dies kann im Rahmen einer Gestaltung mit einem Vorlauf von mindestens 3 Jahren durch die Übertragung zum Buchwert auf eine neuerrichtete Immobilien GmbH & Co. KG vermieden werden. 

Die Trennung vom Praxisvermögen ist auch deshalb sinnvoll, weil in den meisten Fällen die praxisabgebende Partei die Immobilie auch zur Altersabsicherung zurückbehalten und weiterhin an die MVZ GmbH vermieten kann.

Veranstaltungstipp

Die 10. Bad Homburger Medizinrechtstage finden vom 15. bis 17. September 2022 statt. In 3 Tagen liefern die Experten der Veranstaltung Antworten auf Fragen rund um Medizinrecht, Steuerrecht, Gesellschaftsrecht und zu unternehmerisch relevanten Themen für Medizinerinnen und Mediziner. 

Frank Steuer wird dort am 15. September 2022 zum Thema Praxisnachfolge sprechen. Er wird die hier angesprochenen Herausforderungen wesentlich tiefgreifender und mit Lösungsansätzen verbunden erläutern. 

Der Beitrag ist im Original erschienen auf Coliquio.de.

 

Kommentar

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