Nicht nur bei Grüntee nachgewiesen: Auch Schwarztee könnte Herz und Kreislauf schützen

Sharon Worcester

Interessenkonflikte

8. September 2022

Tee gehört weltweit zu den am häufigsten konsumierten Getränken. Studien aus Ländern, in denen grüner Tee beliebt ist, etwa aus China und Japan, haben Hinweise auf gesundheitsfördernde Eigenschaften gebracht. Ob das auch für Schwarztee gilt, war bislang offen.

Neue Daten aus Großbritannien – wo der Nachmittagstee eine lange Tradition hat – zeigen nun, dass auch schwarzer Tee mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden ist. Die Studie wurde in Annals of Internal Medicine veröffentlicht [1].

Fast 500.000 Studienteilnehmer

Die Ergebnisse stammen aus einer prospektiven Studie mit fast 500.000 Teilnehmern der britischen Biobank-Kohorte, unter denen der Konsum von schwarzem Tee weit verbreitet war. Sie deuten darauf hin, dass der Genuss von schwarzem Tee mit einer geringfügig niedrigeren Gesamtmortalitätsrisiko verbunden sein könnte, verglichen mit Probanden ohne Teekonsum. Das Risiko war bei Personen am geringsten, die 2 oder mehr Tassen Tee pro Tag tranken.

Bei den Studienteilnehmern handelte es sich um 498.043 Erwachsene mit einem durchschnittlichen Ausgangsalter von 56,5 Jahren. Etwa 85% gaben an, Tee zu trinken, 90 % gaben an, schwarzen Tee zu trinken, und die meisten tranken 2-3 Tassen (29%), 4-5 Tassen (26%) oder 6-7 Tassen (12%) pro Tag.

Geringere Gesamtsterblichkeit ab 2 Tassen

Während der mittleren Nachbeobachtungszeit von 11,2 Jahren hatten Probanden, die täglich mindestens 2 Tassen Tee tranken, ein geringeres Gesamtmortalitätsrisiko. Das berichten Dr. Maki Inoue-Choi und Kollegen vom National Cancer Institute in Bethesda, Maryland. 

Nach einer multivariaten Anpassung fanden sie für die Hazard Ratio (HR) bei Teetrinkern im Vergleich zu Probanden ohne Teekonsum: 0,95 für den täglichen Konsum von bis zu einer Tasse, 0,87 für 2-3 Tassen, 0,88 für 4-5 Tassen, 0,88 für 6-7 Tassen, 0,91 für 8-9 Tassen und 0,89 für 10 oder mehr Tassen.

Der Teekonsum zeigte auch einen umgekehrten Zusammenhang mit der Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen (bereinigte HR zwischen 0,98 und 0,76), an ischämischen Herzkrankheiten (bereinigte HR zwischen 1,03 und 0,74) und an Schlaganfällen (bereinigte HR zwischen 0,92 und 0,48). Die Forscher kommentieren jedoch, dass „kein klarer Trend für die Sterblichkeit an Krebs oder an Atemwegserkrankungen zu erkennen war“. 

Es gebe „keine klare Antwort“ darauf, warum bei der aktuellen Studie kein Zusammenhang zwischen Teekonsum und Krebssterblichkeit festgestellt worden sei, sagte Inoue-Choi bei einer Pressekonferenz.

Bemerkenswert ist, dass alle genannten Effekte unabhängig von Milch oder Zucker im Tee, von der Temperatur des Tees oder von genetischen Variationen im Koffeinstoffwechsel der Teilnehmer waren.

Die Forschenden überprüften genetische Faktoren dieser Art, aber auch zahlreiche andere Parameter, die Ergebnisse verfälschen könnten, einschließlich des Kaffeekonsums, des Lebensstils und des Alters.

Eine Einschränkung der Studie seien fehlende Informationen über bestimmte Aspekte des Teekonsums, wie die Portionsgröße oder die Stärke des Tees, stellen die Autoren fest.

Wie lassen sich die Beobachtungen erklären?

Die Autoren spekulieren, Polyphenole und Flavonoide, insbesondere Catechine und deren Oxidationsprodukte, könnten in menschlichen Körper oxidativen Stress verringern. Oxidativer Stress und inflammatorische Vorgänge werden mit Krebs, aber auch mit Schäden des Gefäß-Endothels in Verbindung gebracht.

 
Diese Ergebnisse können Teetrinker zwar beruhigen, bedeuten aber nicht, dass Menschen mit dem Teetrinken beginnen oder ihren Teekonsum ändern sollten, um gesundheitliche Vorteile zu erzielen. Dr. Maki Inoue-Choi
 

„Diese Ergebnisse können Teetrinker zwar beruhigen, bedeuten aber nicht, dass Menschen mit dem Teetrinken beginnen oder ihren Teekonsum ändern sollten, um gesundheitliche Vorteile zu erzielen“, sagt Inoue-Choi. Zuerst müssten Ergebnisse in Studien reproduziert und bei anderen Bevölkerungsgruppen evaluiert werden.

Der Beitrag wurde von Michael van den Heuvel aus Medscape.com übersetzt und adaptiert.

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