Verbesserte Aufmerksamkeit bei ADHS-Patienten nach transkranieller Gleichstromstimulation – eine Alternative zur Pharmakotherapie? 

Michael Simm

Interessenkonflikte

9. September 2022

Im Vergleich zu einer Scheinstimulation konnte in einer 4-wöchigen Anwendung von 30 Minuten transkraniellem Schwachstrom in heimischer Umgebung bei ADHS-Patienten, die keine Stimulantien einnahmen, die Aufmerksamkeit signifikant verbessert werden. Das berichten Forscher in JAMA Psychiatry

Offene Fragen zur Gleichstromstimulation bei ADHS

Der Hintergrund: Verschiedene Varianten zur transkraniellen Hirnstimulation wurden in den vergangenen Jahren bei psychischen Störungen wie Depressionen oder dem Tourette-Syndrom erprobt. Zur Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) liegen für die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) allerdings bislang nur Studien mit kleinen Teilnehmerzahlen und mit kurzer Behandlungsdauer vor. Aussagen zur Relevanz des Verfahrens bei ADHS waren nicht möglich. 

Design der Studie

Ziel war eine Bestimmung der Wirksamkeit und Sicherheit einer zu Hause applizierten tDCS gegen Aufmerksamkeitsprobleme. Die Forscher schlossen 64 erwachsenen Patienten beider Geschlechter mit ADHS im Durchschnittsalter von 38,3 Jahren ein. Ausschlusskriterien waren der Gebrauch von Stimulantien, Zeichen einer Depression, Angststörung oder einer bipolaren Störung, einer Schizophrenie oder eines Autismus. 

Das Verfahren wurde über 4 Wochen hinweg zuhause für jeweils 30 Minuten täglich mit einer Stromstärke von 2 mA angewandt, wobei die 35cm2 großen Karbon-Elektroden präfrontal rechts (Anode) und links (Kathode) platziert wurden.

Erfolgreiche Intervention

Die 4-wöchige Nachverfolgungszeit absolvierten 55 der 64 Teilnehmer. Ihre Aufmerksamkeit wurde anhand der Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS) gemessen. Dabei erreichte die tDCS-Gruppe einen Wert von 18,88 und die mittels Scheinstimulation behandelte Kontrollgruppe einen Wert von 23,63. Höhere Punktwerte entsprechen stärkeren Defiziten. 

Der zeitliche Verlauf über 3 Beurteilungen wurde mittels eines linearen gemischte-Effekt-Modells ermittelt und ergab einen signifikanten Behandlungseffekt (ß = -3,18; 95%-Konfidenzintervall -4,60 bis -1,75); p<0,001) der tDCS gegenüber der Scheinbehandlung.

In der tDCS gab es gehäuft milde Nebenwirkungen, insbesondere Rötungen der Haut, Kopfweh und das Gefühl einer brennenden Kopfhaut.

Eine nicht-medikamentöse Alternative bei ADHS?

Aus Sicht der Autoren könnte diese Art der heimischen Anwendung einer tDCS eine nicht-medikamentöse Alternative für ADHS-Patienten sein, die keine Stimulantien einnehmen. Wie lange der Effekt anhält, und ob sich die Lebensqualität verbessert hat, wurde allerdings nicht gefragt.

Der Beitrag ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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