Wer bekommt Hirnmetastasen nach Mammakarzinom? Der Genotyp des Primärtumors entscheidet über das Risiko – Screening sinnvoll?

Pam Harrison

Interessenkonflikte

6. September 2022

Bei fast jeder 7. Patientin mit metastasiertem Brustkrebs ist eine Strahlentherapie zur Behandlung von Hirnmetastasen erforderlich. Allerdings gibt es, je nach Brustkrebs-Subtyp, große Unterschiede hinsichtlich des Risikos, dass sich Hirnmetastasen entwickeln. Details haben Forscher nun im JAMA Network Open veröffentlicht [].

So entwickelt etwa ein Drittel aller Frauen mit ERBB2-positivem Brustkrebs und fast 1 von 4 Frauen mit 3-fach-negativem Brustkrebs (triple-negative breast cancer, TNBC) Hirnmetastasen, die eine Strahlentherapie nach sich ziehen. Frauen mit TNBC hatten auch in der vergleichsweise kürzesten Zeit nach Diagnose der metastasierten Erkrankung eine intrakranielle Beteiligung.

 
Die Ergebnisse rechtfertigen möglicherweise ein Screening auf intrakranielle Metastasen in diesen Patientengruppen. Katarzyna Jerzak
 

„Die Ergebnisse rechtfertigen möglicherweise ein Screening auf intrakranielle Metastasen in diesen Patientengruppen“, schlussfolgern die Hauptautorin Katarzyna Jerzak, Sunnybrook Odette Cancer Centre, University of Toronto, und ihre Kollegen.

Auf der Suche nach Risikofaktoren von Hirnmetastasen

Hirnmetastasen sind nach wie vor eine der Hauptursachen für die Morbidität und die Mortalität bei Frauen mit Brustkrebs. In aktuellen Leitlinien wird jedoch nicht empfohlen, dass sich Patientinnen im Frühstadium oder mit metastasierendem Brustkrebs einer neurologischen Untersuchung unterziehen, um eine Beteiligung des Gehirns festzustellen. Zu Recht?

Um das herauszufinden, analysierten Forscher Verwaltungsdaten des Gesundheitswesens in Ontario. Ihr Ziel war, die Zahl an Patientinnen mit de novo metastasiertem Brustkrebs zu ermitteln, die eine Strahlentherapie wegen Hirnmetastasen erhielten, sowie die Zeit bis zur Entwicklung von Hirnmetastasen nach der Diagnose zu erfassen.

Insgesamt wurden 3.916 Frauen mit de novo metastasiertem Brustkrebs identifiziert. Von ihnen unterzogen sich 14% einer stereotaktischen Radiochirurgie oder einer Ganzhirnbestrahlung zur Behandlung von Hirnmetastasen.

Höchstes Risiko bei ERBB2-positivem/HR-negativem Brustkrebs

Betrachtet man den Brustkrebs-Subtyp, so war die kumulative Inzidenz von Hirnmetastasen bei Patientinnen mit ERBB2-positivem/HR-negativem Brustkrebs mit fast 35% am höchsten, gefolgt von 28% bei Patientinnen mit ERBB2-positivem/HR-positivem Brustkrebs und 22% bei TNBC.

Die mediane Zeit von der Diagnose des metastasierten Brustkrebses bis zur Strahlentherapie des Gehirns betrug etwa 15 Monate, variierte jedoch je nach Subtyp der Krebserkrankung: 7,5 Monate bei Patientinnen mit TNBC, aber 19,8 Monate bei Patientinnen mit ERBB2-positivem/HR-positivem Brustkrebs.

Die mediane Überlebenszeit variierte ebenfalls je nach Brustkrebs-Subtyp. Die Gesamtüberlebenszeit ab der Diagnose von metastasiertem Brustkrebs betrug insgesamt 19,3 Monate, wobei sie bei Patientinnen mit TNBC am niedrigsten (8,8 Monate) und bei Patientinnen mit ERBB2-positivem/HR-positivem Brustkrebs am höchsten (27,8 Monate) war.

Wer profitiert von einem Screening auf Hirnmetastasen?

Diese Analyse könne als Grundlage für Screening-Programme auf Hirnmetastasen dienen, schreiben die Autoren. So könnten beispielsweise Patientinnen mit ERBB2-positivem metastasiertem Brustkrebs „ideale Kandidatinnen“ für Screening-Programme für Hirnmetastasen sein.

Die Autoren weisen darauf hin, dass Patientinnen mit metastasiertem TNBC zwar eine hohe kumulative Inzidenz von Hirnmetastasen aufwiesen, „es jedoch unklar ist, ob diese Patienten angesichts ihrer typischerweise aggressiven Krankheit von einer frühzeitigen Erkennung und Behandlung intrakranieller metastatischer Erkrankungen profitieren“.

Der Beitrag ist im Original erschienen auf Medscape.com und wurde von Michael van den Heuvel übersetzt bzw. adaptiert.

Fanden Sie diesen Artikel interessant? Hier ist der Link zu unseren kostenlosen Newsletter-Angeboten – damit Sie keine unserer Nachrichten aus der Medizin verpassen.

 

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....