Vorhofflimmern bei rheumatischer Herzkrankheit: Mehr Komplikationen unter Rivaroxaban als unter Vitamin-K-Antagonisten

Dr. Thomas Kron

Interessenkonflikte

2. September 2022

Die gerinnungshemmende Therapie mit Rivaroxaban ist bei Patienten mit Vorhofflimmern aufgrund einer rheumatischen Herzerkrankung mit mehr schweren kardiovaskulären Komplikationen verbunden als die Behandlung mit Vitamin-K-Antagonisten (VKA). So lautet das unerwartete Hauptergebnis der randomisierten Studie INVICTUS, die auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) vorgestellt und zeitgleich im  New England Journal of Medicine  veröffentlicht worden ist. 

Den Berechnungen zufolge erhöht Rivaroxaban das Risiko eines Schlaganfalls, einer systemischen Embolie, eines Herzinfarkts oder eines Todes aufgrund vaskulärer oder unbekannter Ursachen um 25%. Der Unterschied ist im Wesentlichen bedingt durch mehr Todesfälle und ischämische Schlaganfälle bei Behandlung mit dem Faktor-Xa-Hemmer.

Details zur INVICTUS-Studie

An der Studie nahmen 4.565 Patienten (Durchschnittsalter 50,5 Jahre; 72,3% Frauen) aus 24 Ländern mit nachgewiesener rheumatischer Herzerkrankung und dokumentiertem Vorhofflimmern teil. Um in die Studie aufgenommen zu werden, mussten sie eines der folgenden Kriterien erfüllen: CHA2DS2-VASc-Score mindestens 2, Mitralstenose mit einer Mitralklappenfläche < 2,0 cm2 oder echokardiografischer Nachweis eines spontanen linksatrialen Echokontrasts oder eines linksatrialen Thrombus. Insgesamt hatten 85% der Patienten eine Mitralklappenstenose, die meist als mittelschwer bis schwer eingestuft wurde.

Beim primären Endpunkt Schlaganfall, systemische Embolie, Herzinfarkt oder Tod aus vaskulärer oder unbekannter Ursache gab es 560 Ereignisse in der Gruppe mit Rivaroxaban und 446 Ereignisse bei den mit einem VKA behandelten Patienten (HR 1,25; 95%-KI 1,10 bis 1,41). Für den Einzelendpunkt Mortalitätsrisiko ergaben die Berechnungen eine Zunahme unter Rivaroxaban um 23%, für den Endpunkt Schlaganfallrisiko eine Zunahme um sogar 37%. 

Keine Unterschiede gab es beim Risiko schwerer, tödlicher, lebensbedrohlicher oder klinisch relevanter nicht-schwerer Blutungen oder beim Risiko für eine intrakranielle Blutung.

Wie die Autoren weiter berichten, setzten 23% der Patienten der Rivaroxaban-Gruppe ihren Gerinnungshemmer vorzeitig ab; in der Gruppe mit Vitamin-K-Antagonisten betrug dieser Anteil dagegen nur 6%.

Bessere Kontrolle der Blutgerinnung 

Vor Beginn der INVICTUS-Studie erhielten knapp 53% der Patienten eine VKA-Therapie. Der vor Beginn der Studie gemessene INR-Wert lag nur bei 33,2% der Patienten im therapeutischen Bereich. Deutlich besser waren die Befunde nach der Aufnahme in die Studie: Nach 4 Jahren lag der INR-Wert bei 64% der Patienten der VKA-Gruppe im therapeutischen Bereich; bei Patienten mit rheumatischem Vorhofflimmern kann demnach eine gute INR-Kontrolle erreicht werden. Eine Erklärung für das schlechte Abschneiden des Faktor-Xa-Hemmers haben die Autoren nicht. 

Der Beitrag ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....