Laut AOK-Analyse ist die Verordnungen kombinierter oraler Kontrazeptiva weiter rückläufig

Andrea Hertlein

Interessenkonflikte

31. August 2022

Mädchen und jungen Frauen verhüten immer seltener mit der klassischen Antibabypille. Das geht aus einer Auswertung von Daten gesetzlich Versicherter durch das Wissenschaftliche Institut der AOK (WidO) hervor [1]. Demnach sank 2021 der Anteil der Mädchen und Frauen, denen kombinierte orale Kontrazeptiva verschrieben wurden, auf 32%.

Im Jahr 2010 lag der Wert noch bei 46% und nahm seitdem kontinuierlich ab. Nur im Jahr 2020 war ein leichter Anstieg zu verzeichnen, der laut AOK auf die Anhebung der Altersgrenze für die Verordnung der Pille auf GKV-Kosten von 20 auf 22 Jahre zurückzuführen sei.

Wahrnehmung über Pille bei jungen Frauen verändert

„Eine Erklärung für den insgesamt rückläufigen Trend bei den Pillenverordnungen kann sein, dass immer mehr jungen Frauen bewusst ist, dass es sich bei der Pille nicht um ein Lifestyle-Präparat handelt, sondern dass in den Hormonhaushalt eingegriffen wird“, sagt Dr. Eike Eymers, Ärztin im Stab Medizin des AOK-Bundesverbandes.

Auch wenn die Verordnungen insgesamt zurückgegangen sind, würden in Deutschland noch immer zu viele kombinierte orale Kontrazeptiva der ersten Generation mit einem höheren Risiko für die Bildung von Thrombosen und Embolien verschrieben, betont Eymers.

Fast jede zweite verordnete Pille mit erhöhtem Risiko

Der Anteil der Verschreibungen von Kontrazeptiva mit einem höheren Risiko lag der Analyse zufolge 2021 noch bei 48% und damit nur knapp 2 Prozentpunkte unter dem Wert des Vorjahres. Das sei laut AOK immer noch „sehr viel und kritisch zu bewerten“. Denn es gebe auch bei den Kombinationspräparaten durchaus Alternativen, deren niedriges Risiko durch Langzeitstudien belegt sei.

Insbesondere bei Mädchen und Frauen mit einem erhöhten Grundrisiko wie beispielsweise Übergewicht oder Rauchen sollten bevorzugt risikoärmere Gestagene wie Levonorgestrel zum Einsatz kommen.

Dass es hier noch Luft nach oben gibt, zeigt eine Detail-Auswertung zu den verordneten Wirkstoffen. Demnach ist der Verordnungsanteil von Dienogest mit 35% auf ungefähr dem gleichen Niveau wie im Jahr zuvor mit 36%. Dabei sei das Risiko dieses Wirkstoffes für venöse Thromboembolien in Kombination mit dem Östrogen Ethinylestradiol um das 1,6-Fache erhöht, so Eymers. Gleiches gelte vermutlich auch für den Wirkstoff Chlormadinon, dessen Verordnungsanteil in den vergangenen 2Jahren bei etwa 10% stagniert.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Coliquio.de.

 

Kommentar

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