MEINUNG

Neisserien. Chlamydien und Mykoplasmen: Was Experten vom STI-Kongress für die Therapie von Urethritis und Skabies empfehlen

PD Dr. Martin Hartmann

Interessenkonflikte

15. September 2022

Transkript des Videos von PD Dr. Martin Hartmann, Heidelberg

Schönen guten Tag,

hier ist Martin Hartmann aus der Hautklinik der Universität Heidelberg.

Es geht heute um STI, also sexuell übertragbare Infektionen bzw. Erkrankungen. Vom 23-25. Juni 2022 fand in Berlin der 66. Deutsche STI-Kongress statt, auf dem es einen aktuellen Überblick zu Diagnostik und Therapie der STIs gab.

Als Themen hab ich die Urethritis und die Skabies ausgewählt.

Urethritis

Häufigste Erreger der Urethritis sind Neisserien, gefolgt von Chlamydien und Mycoplasmen. Wir haben inzwischen Resistenzprobleme bei den Neisserien. Für die Therapie ist nur noch Ceftriaxon übrig geblieben, ein i.v. oder i.m. applizierbares Cephalosporin. Cefixim ist in der Regel nicht ausreichend wirksam, vor allem nicht bei analen und pharyngealen Infektionen.

In der der Leitlinie fällt auf, dass die Cephalosporine z. T. in Kombination mit Azithromycin 1,5 g oral als Einmaldosis empfohlen werden oder als Monotherapie. In letzter Zeit hat sich in Ländern, in denen diese Kombination gehäuft gegeben wurde, gezeigt, dass es vermehrt zu Resistenzen bei Mycoplasma genitalium kam, das ist der dritthäufigste Keim bei den urethralen Infektionen.

Dann wird es schwierig. Azithromycin ist die primäre Therapie bei Mycoplasma genitalium, treten hier Resistenzen auf, dann hilft noch Moxifloxacin oder im Ausnahmefall Pristinamycin. Hier gibt es derzeit Bezugsschwierigkeiten und vorher muss die Kostenübernahme geklärt werden.

Also die Therapie der Neisserien sollte bei adhärenten Patienten mit einer Ceftriaxon-Monotherapie in der höheren Dosierung erfolgen. Dann sollte kontrolliert werden, ob eine Infektion mit Chlamydien oder Mycoplasma genitalium vorliegt.

Bei Nachweis von Mycoplasma hominis oder Ureaplasma urealyticum oder parvum sollte an eine Therapie gedacht werden, wenn Beschwerden bestehen, weil diese Erreger häufig als Kommensalen bei der sexuell aktiven Bevölkerung vorkommen.

Die Trichomonaden als häufigste STI sollte man nicht vergessen. Hier haben vor allem die Frauen Beschwerden. Sie können aber unkompliziert behandelt werden.

Skabies

Prof. Dr. Dr. Annette Kolb-Mäurer, Würzburg, hat einen Überblick zu Therapie der Skabies gegeben. Bislang ist es weiterhin so, dass bei der Skabies Resistenzen unter der Therapie praktisch nicht auftreten, in der Regel handelt es sich bei fehlender Wirkung um Anwendungsfehler.

Also man muss die Patienten aufklären, am besten mit schriftlichem Info-Material, und auf die lange Einwirkungsdauer von Permethrin hinweisen und dass es wiederholt werden muss von sozusagen Unterkiefer abwärts im ganzen Bereich. Bei Ivermectin-Therapie ist darauf zu achten, dass es nüchtern eingenommen wird.

Es kann immer wieder zu Reinfektionen kommen, wenn der Partner nicht gleichzeitig oder gar nicht mitbehandelt wird. In der Folge gibt es dann immer wieder eine so genannte ID-Reaktion mit einem persistierenden Juckreiz ohne einen Erregernachweis oder einer psychogenen Fixierung.

Bei sachgerechter Anwendung sollte es mit der Therapie der Skabies klappen.

Soviel vom STI-Kongress in Berlin.

Vielen Dank fürs Zuhören.

 

Kommentar

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