1. Varianten-Vakzin schon Anfang September verfügbar; Kürzungen im Gesundheitsbereich; sichere Impfungen in der Schwangerschaft

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

15. August 2022

Im Medscape-Corona-Newsblog finden Sie regelmäßig die aktuellen Trends zu Neuinfektionen und Belegung von Intensivstationen sowie eine Auswahl von klinisch relevanten Kurzmeldungen zur Pandemie.

Corona-Newsblog, Update vom 15. August 2022

Heute Morgen gibt das Robert Koch-Institut (RKI), Berlin, auf seinem Dashboard 317,8 Infektionen pro 100.000 Einwohner als 7-Tage-Inzidenz an. Am 14. August lag der Wert noch bei 326,2.

Unsere Themen heute:

  • Epidemiologische Lage in Deutschland: BA.5 beherrscht das Geschehen

  • Lauterbach: Angepasstes Vakzin schneller als erwartet; Sommerwelle flacht ab

  • Gesundheitsetat soll auf das Niveau vor Corona schrumpfen

  • Impfungen gegen COVID-19 sind auch in der Schwangerschaft sicher

  • Long-COVID: Werden Patienten generell anfälliger für virale Infekte?

  • COVID-19 und MIS-C für Kinder langfristig belastender als angenommen

Epidemiologische Lage in Deutschland: BA.5 beherrscht das Geschehen

Im aktuellen Wochenbericht fassen RKI-Mitarbeiter das Geschehen zusammen und kommentieren die Zahlen. Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz in Woche 31 sei im Vergleich zu Woche 30 um insgesamt 27% gesunken, heißt es. Die deutlichsten Rückgänge seien bei 5- bis 19- Jährigen zu beobachten gewesen (32% bis 42%).

Sequenzierungen von Proben zeigen, dass die seit Mitte Juni dominierende Omikron-Sublinie BA.5 andere Varianten fast vollständig verdrängt hat. Ihr Gesamtanteil lag in Woche 30 bei 94%. Die Anteile der Varianten BA.2 und BA.4 gingen weiter zurück; sie verlieren an Bedeutung.

Die Inzidenz der Fälle mit Hospitalisierung aufgrund von COVID-19 ist in Woche 31 weiterhin gesunken, verglichen mit den Vorwochen. Der Wert liegt aktuell bei 3,5 Hospitalisierungen pro 100.000 Einwohner. „Personen im Alter von über 80 Jahren sind weiterhin am stärksten von schweren Krankheitsverläufen betroffen“, schreibt das RKI.

Lauterbach: Angepasstes Vakzin schneller als erwartet; Sommerwelle flacht ab

Am Freitag kommentierte Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach in der Bundespressekonferenz die aktuelle Lage. „Wir haben eine günstige Entwicklung bei der Sommerwelle“, so Lauterbach. Die Fallzahlen und die Sterblichkeit gingen zurück. Für den Herbst seien jedoch steigende Zahlen zu erwarten.

Es gebe aber auch „sehr gute Nachrichten“ zu Impfungen. Lauterbach rechnet damit, dass ein neuer bivalenter Impfstoff von BioNTech/Pfizer mit Genen des Wildtyps und der BA.1-Variante bereits am 2. September ausgeliefert wird. Und beim bivalenten Vakzin mit dem Wildtyp und mit BA.5 werde die Auslieferung wohl am 28. September starten, so Lauterbach. „Wir werden relativ früh auch beliefert werden.“ Über die angepassten Impfstoffe hat Medscape berichtet.

An geplanten, umstrittenen Änderungen des Infektionsschutzgesetzes hält der Minister jedoch fest. Vertreter der Bundesländer sollen ab 1. Oktober selbst darüber entscheiden, ob sie in einzelnen Bereichen wieder auf die Maskenpflicht setzen. Lauterbach besteht auf Ausnahmen für Geimpfte, Genesene oder Getestete. Das könne eine zusätzliche Sicherheit in der Gastronomie bieten, betont der Lauterbach.

Gesundheitsetat soll auf das Niveau vor Corona schrumpfen

Sein Ministerium musste sich im Zuge seiner Planung auch mit Zahlen befassen. Der Bundestag erörtert am 8. September in 1. Lesung den Etatentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit. Er umfasst Ausgaben von 22,06 Milliarden Euro gegenüber 64,36 Milliarden Euro in 2022. Im nächsten Jahr entfallen Zahlungen des Bundes an den Gesundheitsfonds für Belastungen aufgrund der Pandemie (2022: 30,03 Milliarden Euro).

Für die Prävention und für die Gesundheitsverbände sind insgesamt 2,59 Milliarden Euro vorgesehen gegenüber 9,57 Milliarden Euro in 2022. Darin enthalten sind Zuschüsse zur Bekämpfung der Pandemie in Höhe von 119,4 Millionen Euro (2022: 1,9 Milliarden Euro). Die Zuschüsse zur zentralen Beschaffung von Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 summieren sich auf 2,03 Milliarden Euro (2022: 7,09 Milliarden Euro).

Alles in allem bewegen sich die Zahlen wieder auf ein Level, wie es typisch für die Zeit vor der Pandemie war.

Impfungen gegen COVID-19 auch in der Schwangerschaft sicher

COVID-19-mRNA-Vakzine können in der Schwangerschaft sicher eingesetzt werden. Nach der Impfung traten weniger gesundheitliche Probleme auf als bei ähnlich alten, nicht schwangeren Geimpften, so das Ergebnis einer großen kanadischen Studie, deren Ergebnisse in The Lancet Infectious Diseases veröffentlicht worden sind.

Grundlage der Arbeit ist eine Kohortenstudie aus 7 kanadischen Provinzen und Territorien. Bis 4. November 2021 hatten 191.360 Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren mit bekanntem Schwangerschaftsstatus die Umfrage zur 1. Impfstoffdosis und 94.937 die Umfrage zur 2. Dosis abgeschlossen. 5.597 schwangere Teilnehmerinnen erhielten eine 1. Dosis und 3.108 eine 2. Dosis; 174.765 nicht schwangere Teilnehmerinnen bekamen die 1. Dosis und 91.131 die 2. Dosis. Von 6.179 eingeschlossenen ungeimpften Kontrollteilnehmerinnen waren 339 schwanger und 5.840 nicht schwanger.

Insgesamt meldeten 226 (4,0%) von 5.597 geimpften schwangeren Frauen ein signifikantes gesundheitliches Ereignis nach der 1. Dosis eines mRNA-Impfstoffs und 227 (7,3%) von 3.108 nach der 2. Dosis, verglichen mit 11 (3,2%) von 339 schwangeren ungeimpften Frauen.

Bei schwangeren geimpften Frauen war die Wahrscheinlichkeit eines signifikanten gesundheitlichen Ereignisses innerhalb von 7 Tagen nach der Impfung nach der 2. Dosis erhöht (bereinigte Odds Ratio: 4,4; 95%-Konfidenzinervall: 2,4-8,3), verglichen mit schwangeren ungeimpften Kontrollen innerhalb der letzten 7 Tage, jedoch nicht nach der 1. Dosis von mRNA-1273 oder BNT162b2.

Schwangere geimpfte Frauen hatten im Vergleich zu nicht schwangeren geimpften Frauen sowohl nach der 1. (aOR: 0,63; 95%-KI: 0,55-0,72) als auch nach der 2. Dosis (aOR: 0,62; 0,54-0,71) einer mRNA-Impfung eine geringere Wahrscheinlichkeit für ein signifikantes gesundheitliches Ereignis. Es gab keine signifikanten Unterschiede in den Analysen, wenn man sich auf Ereignisse beschränkte, die zu einer medizinischen Behandlung führten.

„COVID-19 mRNA-Impfstoffe haben ein gutes Sicherheitsprofil in der Schwangerschaft“, schreiben die Autoren. „Diese Daten können verwendet werden, um Schwangere angemessen über die Reaktogenität von COVID-19-Impfstoffen während der Schwangerschaft zu informieren, und sollten zusammen mit Wirksamkeits- und Immunogenitätsdaten berücksichtigt werden, um angemessene Empfehlungen für die optimale Verwendung von COVID-19-Impfstoffen in der Schwangerschaft zu geben.“

Long-COVID: Werden Patienten generell anfälliger für virale Infekte?

Forscher haben anhand von Immunprofilen nachgewiesen, dass Menschen mit Long-COVID eine erhöhte Antikörperreaktion auf andere Nicht-COVID-Viren wie das Epstein-Barr-Virus (EBV) und einen deutlich niedrigeren Cortisolspiegel aufweisen als Menschen ohne Long-COVID. Darüber hat Medscape.com berichtet.

In der Studie, die als Preprint vorliegt, wurden 215 Personen aus dem Mount Sinai Hospital in New York City und dem Yale New Haven Hospital in Connecticut in 4 Gruppen eingeteilt:

  • gesunde Personen, die zuvor nicht mit COVID-19 infiziert waren

  • gesunde, nicht geimpfte Personen, die an COVID-19 erkrankt waren

  • gesunde, geimpfte Personen, die an COVID-19 erkrankt sind und keine anhaltenden Symptome aufweisen

  • Personen, die nach einer akuten COVID-Infektion anhaltende Symptome hatten (Ling-COVID)

Laut Dr. Akiko Iwasaki, Professorin für Immunologie in Yale, habe man in der Subgruppe mit Long-COVID eine Antikörperreaktivität gegen Nicht-COVID-Viren nachgewiesen, insbesondere gegen das Epstein-Barr-Virus (EBV).

Das Vorhandensein von EBV wurde bereits früher bei schweren COVID-19-Infektionen bei hospitalisierten Patienten festgestellt. „Die erhöhten Immunreaktionen auf EBV deuten jedoch darauf hin, dass eine kürzlich Reaktivierung dieses speziellen Virus ein häufiges Merkmal von Long-COVID sein könnte“, heißt es im Artikel.

Es sei jedoch unklar, ob die EBV-Reaktivierung Menschen mit Long-COVID für die Entwicklung oder Verschlimmerung von Autoimmunerkrankungen prädisponiere, was bei Multipler Sklerose berichtet worden sei.

Eines der auffälligsten Ergebnisse war, bei Teilnehmer mit Long-COVID ein deutlicher Rückgang des Cortisolspiegels – ein Befund, der noch weiter untersucht werden solle, und zwar an größeren Kohorten, so die Autoren.

COVID-19 und MIS-C für Kinder langfristig belastender als angenommen

Laut einer großen Folgestudie, an der 25 US-Kinderkliniken teilnahmen, hatten mehr als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen, die zu Beginn der Pandemie mit einer Coronavirus-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert wurden, 2 bis 4 Monate später immer noch gesundheitliche Probleme. Details der Studie wurden jetzt in Pediatrics veröffentlicht.

Grundlage der Publikation waren Befragungen von Angehörigen bzw. von Patienten unter 21 Jahren. Eingeschlossen wurden 358 Patienten mit COVID-19 oder mit dem Multisystem-Entzündungssyndrom bei Kindern (MIS-C). In 279 Fällen (78%) lagen Antworten vor. 40% wurden mit akutem COVID-19 und 60% mit MIS-C ins Krankenhaus eingeliefert. 50% bzw. 86% wurden auf der Intensivstation behandelt.

 

Bei der Nachsorge nach 2 bis 4 Monaten hatten 27% der Patienten mit akutem COVID-19 und 30% der Patienten mit MIS-C anhaltende Symptome, Aktivitätsstörungen oder beides. Die häufigsten Beschwerden waren:

  • Müdigkeit oder Schwäche (11,3% der COVID-19-Patienten und 20% der MIS-C-Patienten)

  • Kurzatmigkeit (9,2% bzw. 2,5%)

  • Husten (9,2% bzw. 2,5%)

  • Kopfschmerzen (8,4% bzw. 7,5%)

  • Muskel- und Körperschmerzen (5,0% bzw. 3,1%)

  • Fieber (2,5 bzw. 0,6%).

Aktivitätseinschränkungen traten nach MIS-C (bei 21,3% der Patienten) etwas häufiger auf als nach akutem COVID-19 (14,3%). Die häufigsten Einschränkungen:

  • 6,7% der COVID-19-Gruppe und 14,4% der MIS-C-Gruppe konnten nicht mehr so ​​viel laufen oder sich bewegen wie zuvor.

  • 6,7% bzw. 7,5% schliefen deutlich mehr als sonst.

  • 4,2% bzw. 3,8% hatten Schwierigkeiten, Schulaufgaben zu erledigen oder fühlten sich abgelenkt und unfähig, sich zu konzentrieren.

Mehrere Faktoren waren mit einem erhöhten Risiko für eine verlängerte Genesung oder Aktivitätsbeeinträchtigung assoziiert:

  • stärkere Beteiligung des Organsystems bei Patienten mit akutem COVID-19

  • zugrunde liegende Atemwegserkrankungen (meist Asthma) bei Patienten mit MIS-C

  • Adipositas bei Patienten mit MIS-C.

Was sollten Ärzte beachten? „Jetzt, wo Impfstoffe verfügbar sind, empfehle ich Kindern und Jugendlichen dringend, sich impfen zu lassen“, sagt Dr. Adrienne Randolph vom Boston Children's Hospital, leitende Autorin der Veröffentlichung. „Wir wissen, dass Patienten erneut infiziert werden können, selbst wenn sie COVID-19 hatten, und wir haben zuvor gezeigt, dass die Impfung MIS-C und schweres COVID-19 verhindern kann.“

 

Kommentar

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