Wie Kinder und Jugendliche mit dem SunPass-Programm & Co besser vor Sonne geschützt werden können

Caroline Guignot

Interessenkonflikte

26. Juli 2022

Die Verringerung der Exposition gegenüber ultravioletter Strahlung (UV-Strahlung) im Kindes- und Jugendalter ist möglicherweise der wichtigste Faktor zur Prävention von Hautkrebs. Das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, hängt besonders stark mit der kumulativen UV-Exposition und Sonnenbränden in jungen Jahren zusammen. Zwischen 25 und 50% der lebenslangen Sonnenexposition eines Menschen findet vor dem Alter von 18 bis 21 Jahren statt.

Die Herausforderung besteht darin, Eltern und andere Bezugspersonen dazu zu bringen, ihr Verhalten in der Sonne zu ändern, und auch Jugendliche zu motivieren, sich vor zu viel Sonne zu schützen. In einem Übersichtsartikel im Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology werden mehrere Aspekte dieses Themas untersucht [1].

Für jüngere Kinder 

In den 12 Jahren seit seiner Einführung in Kindergärten in Deutschland hat das SunPass-Programm seine Wirksamkeit bewiesen. Diese kurze, standardisierte Aufklärungsmaßnahme zum Sonnenschutz richtet sich an Kleinkinder, ihre Eltern und an das Betreuungspersonal. Nach einer Einladung in die Einrichtung informiert der Koordinator des Programms und stellt pädagogisches Material bereit. Er stellt auch Maßnahmen vor, die den Schutz vor Sonneneinstrahlung fördern und vor Sonnenstich bewahren sollen.

Während des Programms füllen die Eltern Fragebögen zu ihren Kindern, ihren Maßnahmen zum Sonnenschutz, Sonnenbrand, Urlaube in sonnigen Ländern und ihr Wissen über Risikofaktoren für Hautkrebs aus. Eine „Sonnenschutzvereinbarung" wird von der Kindergartenleitung unterzeichnet.

Zu den 10 Regeln, die befolgt werden sollten, gehören:

  • dass Kinder einen Hut und angemessene Kleidung tragen sollten, wenn sie sich im Freien aufhalten,

  • dass täglich ein langanhaltender Sonnenschutz aufgetragen werden sollte und

  • dass die Aktivitäten vom späten Vormittag bis zum Nachmittag drinnen oder im Schatten stattfinden sollten.

Bei einer unangekündigten Inspektion vor Ort wird überprüft, ob die vereinbarten Maßnahmen umgesetzt wurden. Wenn die empfohlenen UV-Schutzmaßnahmen erfolgreich etabliert wurden, erhält der Kindergarten die SunPass-Akkreditierung. Der Zuwachs an Wissen und das veränderte Schutzverhalten werden durch Fragebögen vor und nach den SunPass-Maßnahmen quantifiziert.

In Deutschland ist das Programm ein Erfolg. Bis zu 40.000 Kinder haben in mehr als 2.500 akkreditierten Kindergärten daran teilgenommen. Mit Unterstützung und Hilfe der Europäischen Hautkrebsstiftung wurde SunPass über Deutschland hinaus auch in Spanien, Griechenland, Italien und Rumänien eingeführt.

Der Erfolg des Programms zeigt, dass es möglich ist, breit angelegte Präventionsinitiativen durchzuführen, die auf junge Menschen abzielen – eine Gruppe, die der UV-Strahlung stärker ausgesetzt ist und daher ein höheres Risiko hat, später im Leben an Hautkrebs zu erkranken.

Was ist mit Jugendlichen?

Obwohl sich Jugendliche häufig der Risiken der Sonneneinstrahlung bewusst sind, fühlen sich viele Jugendliche besser und meinen, sie sähen gesünder aus, wenn sie gebräunt sind. Im Allgemeinen neigen viele Jugendliche dazu, sich mehr auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren als auf mögliche hypothetische Risiken, die in der Zukunft auftreten können – oder auch nicht. Diese Wahrnehmungen wurden in einer kleinen Studie mit weiblichen Teenagern in England untersucht.

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass die Teilnehmer der Meinung waren, dass ein kurzfristig gebräuntes Aussehen das Risiko kosmetischer und gesundheitlicher Folgen auf lange Sicht wert sei. Für viele Jugendliche ist die Sonneneinstrahlung eine ständige positive Erinnerung an Freizeit, Urlaub und Gesundheit. Werden diese positiven Erfahrungen reaktiviert, kann das ihre Stimmung verbessern.

Darüber hinaus gibt es in der Literatur zunehmend Hinweise darauf, dass häufiges oder übermäßiges Bräunen mit den süchtig machenden und verstärkenden Eigenschaften von UV-Strahlung zusammenhängen kann. Dies zeigt sich vor allem in der Forschung mit UVR-emittierenden Sonnenbänken. Die so genannte „Tanorexie" konnte nicht nur mit psychologischen Faktoren in Verbindung gebracht werden.

In einer Studie wurden Mäuse einer UV-Strahlung ausgesetzt, die mit einem Aufenthalt von 20 bis 30 Minuten in der Mittagssonne in Florida an 5 Tagen pro Woche über 6 Wochen hinweg vergleichbar ist. Es wurde festgestellt, dass die Mäuse hohe Plasmaspiegel an Endorphinen aufwiesen.

In einer Blindstudie benutzten 14 junge Erwachsene UVR-emittierende Sonnenbänke oder UVR-gefilterte Betten (mit blauem Licht). Sie berichteten durchweg, dass sie sich nach der Benutzung der Sonnenbänke entspannter fühlten und weniger gereizt waren.

Es gibt auch Hinweise darauf, dass Bräunungssucht mit anderen psychiatrischen Erkrankungen zusammenhängen kann. Bei Personen mit einer körperdysmorphen Störung kann das Bedürfnis, sich zu bräunen, von dem Wunsch getrieben sein, einen wahrgenommenen Makel im Aussehen zu verbessern.

Bei Patienten mit saisonal abhängigen Störungen kann die UV-Bestrahlung dazu beitragen, den Melatoninspiegel zu regulieren.

Die von Jugendlichen getroffenen Sonnenschutzmaßnahmen sind oft unzureichend. Es fällt ihnen schwer, auf Sonne während der Spitzenzeiten zu verzichten, sie halten sich nicht an die Empfehlungen für die Verwendung von Sonnenschutzmitteln, oder sie verwenden ein Sonnenschutzmittel, das nicht über den entsprechenden Lichtschutzfaktor verfügt. Diese Schwierigkeiten wurden in verschiedenen Studien beschrieben, in denen auch festgestellt wurde, dass der elterliche Einfluss und schützende Verhaltensweisen in der frühen Kindheit ein wichtiger Prädiktor für die Verwendung von Sonnenschutzmitteln im Jugendalter sind.

Um wirksame Sonnenschutzmaßnahmen zu entwickeln, müssen die besonderen Merkmale des Jugendalters berücksichtigt werden. Zu den Ansätzen können Kampagnen gehören, die sich auf Fragen des Aussehens (Hautalterung) konzentrieren, sichere Alternativen (Selbstbräunungscremes) fördern und Gleichaltrige einbeziehen, um sie aufzuklären und zu sensibilisieren.

Um die gravierenderen Faktoren, die zu übermäßiger Bräunung beitragen, zu bewältigen, gibt es zahlreiche Ansätze. Sie reichen kurzen motivierenden Interventionen bis hin zu kognitiven Verhaltenstherapien bei süchtigem Verhalten.

Dieser Artikel wurde von Ute Eppinger aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.
 

Kommentar

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