Hitze geht aufs Herz: Mehr kardiovaskuläre Todesfälle bei Temperaturanstieg um 1°C – Hitzewellen sind besonders kritisch

Autorin: Maria Weiß, redaktionelle Bearbeitung: Alisa Ort

Interessenkonflikte

1. Juli 2022

Eine Hitzeexposition, wie sie aufgrund des Klimawandels heute häufiger vorkommt, ist möglicherweise ein unterschätzter kardiovaskulärer Risikofaktor. Nach Ergebnissen Metanalyse australischer Forscher könnte schon eine Temperaturerhöhung von 1,0°C zu einem deutlichen Anstieg von Todesfällen aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen [1].

266 Studien analysiert

Für die Metaanalyse wurden 266 Studien (Januar 1990 bis März 2022) ausgewertet, die sich mit der Assoziation von kardiovaskulärer Morbidität bzw. Mortalität und Klimawandel, Temperatur und Wetterbedingungen beschäftigten.

Dabei zeigte sich eine Assoziation der Temperaturerhöhung von 1°C mit einem Anstieg der kardiovaskulären Mortalität um 2,1%. Am stärksten nahm die Sterblichkeit aufgrund von Schlaganfällen (+3,8%) und aufgrund der koronaren Herzkrankheit (+2,8%) zu. Über 65-jährige Menschen waren stärker von dem Mortalitätsanstieg betroffen als jüngere.

Die temperaturabhängige Morbidität durch kardiovaskuläre Erkrankungen nahm um 0,5% zu. Vor allem bei Arrhythmien und Herzstillständen stieg sie an (+1,6%), dies galt insbesondere für den Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses (+2,1%). Nur auf hypertensive Erkrankungen schien sich eine Temperaturerhöhung eher günstig auszuwirken

Fast ein Fünftel mehr Herztote bei Hitzewellen

Auch der gesundheitliche Einfluss von Hitzewellen mit sehr hohen Temperaturen über mehrere Tage wurde im Rahmen der Metanalyse untersucht. Insgesamt erhöhte sich hier die kardiovaskuläre Gesamtmortalität um 11,7% – bei steigender Intensität sogar bis fast 19%.

Für Menschen in Ländern mit tropischem Klima waren die Risiken einer Temperaturerhöhung höher als in gemäßigten Klimazonen, was dafürspricht, dass auch weitere lokale Bedingungen in den verschiedenen Ländern von Bedeutung sein können.

Strategien zum Schutz der Bevölkerung erforderlich

Die durch den Klimawandel bedingte Zunahme der Hitzeexposition zusammen mit dem immer höheren Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung könnte die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität in Zukunft deutlich erhöhen, schreiben die Autoren. Hier sei weitere Forschung notwendig, um Strategien zum Schutz der gefährdeten Bevölkerung zu entwickeln.

Als Limitationen nennen sie u.a. an, dass aus Ländern mit tropischem Klima insgesamt weniger Studien zur Verfügung gestanden hätten und die Daten insgesamt sehr heterogen gewesen seien. Außerdem hätten in vielen Studien Daten zu möglichen Einflussfaktoren wie kardiovaskulären Vorerkrankungen, Komorbidität und Medikation gefehlt. 

Der Beitrag ist im Original erschienen auf Coliquio.de.

 

Kommentar

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