STIKO-Empfehlung für Kinder; neue Reiseregeln; COVID-19 boostert Herpes zoster; Ärztetag-Forderungen für 3. Pandemie-Herbst

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

25. Mai 2022

Im Medscape-Corona-Newsblog finden Sie regelmäßig die aktuellen Trends zu Neuinfektionen und Belegung von Intensivstationen sowie eine Auswahl von klinisch relevanten Kurzmeldungen zur Pandemie.

Corona-Newsblog, Update vom 25. Mai 2022

Das Infektionsgeschehen entwickelt sich weiter rückläufig. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) berichtet, liegt die 7-Tage-Inzidenz derzeit bei 281,8 Fällen pro 100.000 Einwohner (24. Mai: 307,2).

Angesichts der sinkenden Inzidenzen plant Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD), Einreiseregelungen ab Juni zu lockern. „Bis Ende August setzen wir die 3G-Regel bei der Einreise aus“, so Lauterbach. Wer aus Virusvariantengebieten anreist, muss weiterhin in 14-tägige Quarantäne. Es handelt sich um eine Vorsichtsmaßnahme. Derzeit nennt das RKI keine Virusvariantengebiete.

Die Änderung der Corona-Einreiseverordnung soll heute vom Bundeskabinett verabschiedet werden. Sie sieht auch vor, dass alle von der WHO zugelassenen Vakzine bei einer Einreise anerkannt werden – und nicht nur Impfstoffe mit EMA-Zulassung.

  • STIKO: Impfempfehlung für Kinder von 5-11 Jahren und für Genesene

  • Ärztetag: Standesvertreter fordern Maßnahmen für den Herbst

  • BioNTech: Vakzin ist auch bei Kleinkindern wirksam und sicher

  • Psychische Folgen der Pandemie zu wenig im Fokus

  • SARS-CoV-2 kann auch das Windpocken-Virus reaktivieren

STIKO: Impfempfehlung für Kinder von 5-11 Jahren und für Genesene

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut hat erneut ihre Impfempfehlungen aktualisiert – vorsorglich für Herbst und Winter, wie das RKI schreibt, denn ein erneuter Anstieg von SARS-CoV-2 Infektionen sei zu erwarten.

Neu ist:

  • Kindern ohne Vorerkrankungen im Alter von 5 bis 11 Jahren sollten zunächst 1 Dosis erhalten, vorzugsweise Comirnaty® (10 µg).

  • Spikevax (50 µg) kann laut Zulassung für 6- bis 11-Jährige eingesetzt werden.

  • Sollte es zukünftig notwendig sein, den Impfschutz der Kinder zu optimieren, kann dies über längere Abstände zwischen der 1. und der 2. Impfung erfolgen. So könne auch das – ohnehin niedrige – Risiko einer Myokarditis weiter verringert werden.

  • Kinder mit Vorerkrankungen sollen weiterhin 2 Impfungen sowie eine Auffrischimpfung erhalten.

  • Gesunde Kinder im Umfeld vulnerabler Personen, die nicht selbst durch Impfungen geschützt werden können, sollten 2 Dosen als Grundimmunisierung bekommen, aber zunächst keine Auffrischungsimpfung.

  • Durchgemachte symptomatische oder asymptomatische Infektion mit SARS-CoV-2 reichen nicht aus, um spätere COVID-19 Erkrankungen zu verhindern. Die STIKO rät zur Impfung vor bzw. nach einer durchgemachten Infektion, um hybride Immunität zu erreichen.

„Das ist ein sehr ernst gemeintes und sehr verantwortungsvoll ausgesprochenes Angebot, das wir den Eltern machen, ihre 5- bis 11-jährigen jetzt für die Zukunft noch besser zu schützen, die sowieso schon genug erleben mussten – sowohl die Eltern als auch erst recht die Kinder“, kommentiert Dr. Martin Terhardt. Er ist Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied der STIKO.

Terhardt: „Wir können uns nur vorstellen, dass wir durch diese einmalige Impfung den Kindern, die zum allergrößten Teil jetzt schon Kontakt zu dem Virus hatten oder in den nächsten Wochen oder Monaten Kontakt zu dem Virus haben werden, eine bessere Immunität – die sogenannte hybride Basisimmunität – vermitteln können.“ Diese biete einen guten Schutz und könne eventuell durch eine weitere Impfung später noch einmal ergänzt werden. „Aber nun gilt es, erst mal das Angebot bitte zu prüfen und bestenfalls auch anzunehmen: Einmal impfen“, so der Experte.

Ärztetag: Standesvertreter fordern Maßnahmen für den Herbst

Bund und Länder sollten die Corona-Strategie für den Herbst rechtzeitig planen, fordert Ärztepräsident Dr. Klaus Reinhardt anlässlich des Deutschen Ärztetages (Univadis hat berichtet). Dabei sei es besonders wichtig, auf Kinder und Jugendliche zu achten: ein thematischer Schwerpunkt des diesjährigen Ärztetages.

„Die Zeit drängt“, sagte der Chef der Bundesärztekammer. „Spätestens die nächste Ministerpräsidentenkonferenz am 2. Juni muss die Weichen für einen sicheren Betrieb von Schulen und Kitas stellen.“ Gerade Kinder hätten in den vergangenen 2 Jahren einen großen Solidarbeitrag geleistet. Wir seien verpflichtet, den Kindern jetzt etwas zurückzugeben, so Reinhardt.

Corona-Infektionen verliefen bei jungen Menschen zwar meistens sehr mild, die Eindämmungsmaßnahmen hätten aber schwerwiegende Folgen für Kinder und Jugendliche gehabt. Notwendig sei außerdem eine möglichst hohe Impfquote, um das Coronavirus wirksam einzudämmen, so Reinhardt. Die Quote müsse weiter gesteigert und die Notwendigkeit von Impfungen noch verständlicher gemacht werden. „Die bisherigen Impfkampagnen waren halbherzig und uninspiriert. Da gibt es noch viel Luft nach oben“, erklärt Reinhardts.

„Der 3. Herbst kann nicht verlaufen wie der 2.“, so Lauterbach beim Deutschen Ärztetag. Auf eine neue Welle, aber auch auf neue Erreger nicht vorbereitet zu sein, „wäre eine kollektive Dummheit und ein Skandal“. Derzeit entwickle sein Ministerium eine neue Impf-, Test- und Behandlungsstrategie.. Außerdem sei ein neues Infektionsschutzgesetz erforderlich, das nicht nur auf die Maskenpflicht in Innenräumen abziele. Die derzeitigen Instrumente würden nicht ausreichen, so Lauterbach. „Die zurzeit im Infektionsschutzgesetz enthaltenen Maßnahmen laufen am 23. September aus.“

BioNTech: Vakzin ist auch bei Kleinkindern wirksam und sicher

In einer Pressemeldung berichtet BioNTech über erste Ergebnisse zur Sicherheit, Immunogenität und Impfstoffwirksamkeit von 3 Dosen Comirnaty® bei Kindern im Alter von 6 Monaten bis unter 5 Jahren.

Bei der Phase-2/3-Studie erhielten 1.678 Kinder mindestens 2 Monate nach der 2. Dosis eine 3. Dosis des 3-µg-Vakzins. Omikron beherrschte zu dem Zeitpunkt das Krankheitsgeschehen. Zum Vergleich der Immunogenität wurden Daten einer 16 bis 25 Jahre alten Studienpopulation nach Erhalt der 2. Dosis herangezogen.

Für beide Studienpopulationen (6 bis 24 Monate und 2 bis unter 5 Jahre) konnten die Forscher eine Nicht-Unterlegenheit bzw. vergleichbare Immunantworten zeigen, verglichen mit der älteren Population. Der Großteil der Nebenwirkungen war mild bis moderat.

Die Impfstoffwirksamkeit lag bei Kindern von 6 Monaten bis unter 5 Jahren bei 80,3%, basierend auf 10 symptomatischen Infektionen. Laut Studienprotokoll wird die endgültige Analyse erst ausgeführt, wenn mindestens 21 Fälle 7 Tage nach der 3. Dosis aufgetreten sind.

Psychische Folgen der Pandemie zu wenig im Fokus

Ein weiteres Thema der Forschung sind mögliche Folgen der Pandemie für die seelische Gesundheit. Jetzt liegen 2 weitere Publikationen dazu vor (Univadis hat berichtet). So ist während der Corona-Pandemie laut der einen Publikation das Gefühl der Einsamkeit weltweit um 5 Prozentpunkte gestiegen. Die zweite Veröffentlichung zeigt, dass sich in Deutschland bei Studentinnen und Studenten das Gefühl der Einsamkeit während des Lockdowns fast verdoppelt hat.

Für die 1. Publikation, eine Metaanalyse, haben Wissenschaftler 34 Studien mit mehr als 200.000 Probanden ausgewertet. „Wir konnten so erstmals nachweisen, dass Einsamkeit in der Bevölkerung während der Pandemie weltweit zugenommen hat“, so Erstautorin Dr. Mareike Ernst von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universität Mainz. Konkret ergab die Analyse für die Zeit der sozialen Einschränkungen einen Anstieg des Gefühls der Einsamkeit um im Mittel rund 5 Prozentpunkte.

Dass ein Teil der jungen Erwachsenen besonders stark unter Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie litt, zeigt die 2. Publikation, eine Studie aus Deutschland, für die 443 Studenten per Mail rekrutiert und vor bzw. während der Pandemie zu ihrer mentalen Gesundheit befragt wurden (Juni bis August 2019 versus Juni 2020). „Im Schnitt waren die Befragten knapp 23 Jahre alt und zu 77 Prozent weiblichen Geschlechts“, erläutert Prof. Dr. Manfred Beutel, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universität Mainz.

Wie die Auswertung ergab, zählt Einsamkeit zu den Markern, die während der Pandemie in dieser Gruppe am stärksten anstiegen. „Der Wert hat sich fast verdoppelt“, so Beutel. Die Befragung habe auch gezeigt, dass insbesondere Studenten, die vor und während der Pandemie keine feste Partnerschaft hatten, unter Einsamkeit litten. „Man kann sagen: Soziale Isolation durch Einbußen bei sozialen Kontakten und Freizeitaktivitäten plus gesundheitliche Sorgen während der Pandemie führten vor allem bei Single-Studierenden zu Einsamkeit.“

Knapp die Hälfte der Befragten gab an, in keiner festen Partnerschaft zu sein. Einsame Studenten und Studentinnen waren, wie die Studie weiter ergab, häufig depressiv und ängstlich gestimmt; außerdem klagten sie verstärkt über körperliche Beschwerden.

SARS-CoV-2 kann auch das Windpocken-Virus reaktivieren

Die Pandemie führt nicht nur zu psychischen Störungen. Mehrere Fallberichte deuten darauf hin, dass Patienten in Zusammenhang mit COVID-19 häufiger an Herpes zoster erkranken, doch die Datenlage war schlecht. Eine neue Kohortenstudie hilft Ärzten, das tatsächliche Risiko zu bewerten.

Dazu haben Forscher die Inzidenz von Herpes zoster bei den mindestens 50-Jährigen mit oder ohne COVID-19 in der Vorgeschichte verglichen. Informationen kamen aus den Datenbanken „US MarketScan Commercial Claims and Encounters“, „Medicare Supplemental“ und „Optum Clinformatics Data Mart“. Personen mit COVID-19 wurden nach Alter, Geschlecht, nach Risikofaktoren für Herpes zoster mit Personen ohne COVID-19 abgeglichen.

Insgesamt wurden 394.677 Personen im Alter von mindestens 50 Jahren mit COVID-19 und 1.577 346 Personen ohne COVID-19 in die Analyse aufgenommen. Die mittlere Nachbeobachtungszeit nach der COVID-19-Diagnose und die Ausgangscharakteristika waren zwischen den Kohorten vergleichbar. Personen, bei denen COVID-19 diagnostiziert wurde, hatten ein um 15% höheres Risiko für Herpes zoster als Personen ohne COVID-19 (adjustiertes Inzidenzratenverhältnis [aIRR] 1,15; 95%-KI 1,07-1,24; p < 0,001). Das erhöhte Risiko war nach einem Krankenhausaufenthalt aufgrund von COVID-19 noch ausgeprägter (21%; aIRR 1,21; 95%-KI 1,03-1,41; p = 0,02).

Die Ergebnisse unterstrichen die Bedeutung einer Impfung gegen Herpes zoster bei Personen ab 50 Jahren, schreiben die Autoren.

 

Kommentar

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