Gesetzesentwurf in Spanien: Urlaub während der Menstruation und Erleichterungen beim Schwangerschaftsabbruch

Reuters

Interessenkonflikte

20. Mai 2022

MADRID (Reuters) – Die spanische Linkskoalition hat am 17. Mai einen Gesetzesentwurf verabschiedet, um das Recht auf Abtreibung zu stärken. Gleichzeitig ist vorgesehen, dass Frauen, die unter schmerzhaften Monatsblutungen leiden, einen staatlich finanzierten, bezahlten Urlaub erhalten: ein Novum in ganz Europa. 

 
Heute senden wir eine internationale Botschaft der Unterstützung an alle Frauen, die für ihre sexuellen und reproduktiven Rechte kämpfen. Irene Montero
 

Die sozialistische Minderheitsregierung hofft, mit ihrem neuen Gesetzentwurf den Zugang zu Abtreibungen in ganz Spanien zu gewährleisten und die Menstruationsbeschwerden zu entstigmatisieren.

„Heute senden wir eine internationale Botschaft der Unterstützung an alle Frauen, die für ihre sexuellen und reproduktiven Rechte kämpfen“, sagte Irene Montero, Ministerin für Gleichstellung. „Wir müssen garantieren, dass Frauen selbst entscheiden, was mit ihrem Körper geschieht.“

Der Gesetzentwurf im Detail

Falls das neue Gesetz verabschiedet wird, entfällt die elterliche Zustimmung für Frauen zwischen 16 und 17 Jahren, die einen Schwangerschaftsabbruch planen. Auch die verpflichtende, 3-tägige Bedenkzeit vor dem Eingriff wird abgeschafft.

Der Entwurf sieht außerdem bezahlten Urlaub für Schwangere ab der 39. Woche vor und garantiert die kostenlose Verteilung von Hygieneprodukten für die Menstruation in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen oder Gesundheitszentren.

In dem Gesetzentwurf heißt es außerdem, dass die in Spanien illegale Leihmutterschaft eine Form der Gewalt gegen Frauen darstelle.

Kontroverse um den Urlaubsanspruch

Der Gesetzentwurf hat in Spanien eine Debatte darüber ausgelöst, ob die Regelung zum bezahlten Menstruationsurlaub Frauen am Arbeitsplatz helfen oder ihnen schaden wird.

„Es wird zu mehr Konflikten kommen, wenn es darum geht, ob eine Frau eingestellt wird oder nicht“, vermutet der 21-jährige Student Pablo Beltran Martin.

Aber die Schauspielerin und Sängerin Cristina Diaz, 28, erklärte: „Wenn eine Frau eine Monatsblutung hat, welche sie am Arbeiten hindert, finde ich es großartig, dass sie um ein paar freie Tage bitten kann, wie jeder Mensch, der ein gesundheitliches Problem hat.“

Niedrigere Hürden bei Schwangerschaftsabbrüchen

Die spanische Abtreibungsreform von 2010 ermöglicht es Frauen, ungewollte Schwangerschaften bis zur 14. Woche abzubrechen, bei schweren fötalen Anomalien sogar bis zur 22. Woche. Schwierigkeiten gibt es dennoch.

Der Gesetzentwurf befasst sich mit der so genannten Verweigerung aus Gewissensgründen, die es Ärzten erlaubt, Abtreibungen nicht durchzuführen – ein Thema, das in Spanien u.a. von rechten Aktivisten sowie von rechten Parteien heftig diskutiert wird. Staatliche Kliniken müssten jedoch einen Spezialisten zur Verfügung stellen, der bereit sei, solche Eingriffe durchzuführen, heißt es.

Marta Vigara Garcia, 37, sagte, sie freue sich, dass das neue Abtreibungsgesetz den Zugang erleichtern werde. Als sie sich 2018 für einen Schwangerschaftsabbruch entschied, nachdem Ärzte ihr gesagt hatten, dass das Baby nur eine geringe Überlebenschance habe, war es für sie schwer, Ärzte dazu zu bringen, eine Abtreibung durchzuführen.

„Sie sagten mir, dass sie die Abtreibung nicht durchführen würden, weil das Baby noch einen Herzschlag habe“, erinnert sich die ehemalige Patientin. „Ich musste es selbst in die Hand nehmen und in eine Privatklinik gehen.“

Noch Monate bis zur Verabschiedung

Der Gesetzesentwurf, zu dem es vor einer weiteren Lesung im Kabinett und einer Abstimmung im Unterhaus einer öffentlichen Anhörung geben soll, ist noch Monate von seiner Verabschiedung entfernt.

Der Schritt der spanischen Regierung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Tausende von Befürwortern des Rechtes auf Abtreibungs in den Vereinigten Staaten demonstriert haben. Sie sind alarmiert, weil der Oberste Gerichtshof möglicherweise das Grundsatzurteil Roe v. Wade aufheben könnte, das vor einem halben Jahrhundert die Abtreibung landesweit legalisiert hat.

Der Beitrag wurde von Michael van den Heuvel aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....