Hinweis auf mehr Impf-Nebenwirkungen; Risikofaktoren für schweres COVID-19 altersabhängig; neue Daten zu Paxlovid® 

Michael van den Heuvel 

Interessenkonflikte

5. Mai 2022

Im Medscape-Corona-Newsblog finden Sie regelmäßig eine Auswahl klinisch relevanter Kurzmeldungen und aktueller Zahlen zur Pandemie.

Corona-Newsblog, Update vom 5. Mai 2022

Das Infektionsgeschehen entwickelt sich weiter rückläufig. Mittlerweile ist die 7-Tage-Inzidenz auf 566,8 Fälle pro 100.000 Einwohner gesunken (Vortag 591,8). 

Ähnliche Trends zeigen sich beim Testgeschehen, wie eine Datenanalyse der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) ergeben hat. In Woche 17 wurden insgesamt 1.013.650 PCR-Untersuchungen in ALM-Laboren durchgeführt (KW 16: 986.930, KW 15: 1.073.894, KW 14: 1.462.201). 435.685 PCR-Tests waren positiv befundet (KW 16: 515.818, KW 15: 599.490, KW 14: 735.663). Sowohl die Gesamtzahl der Tests als auch die Zahl der positiv befundeten Tests entwickelt sich stark rückläufig. 

  • Real-World-Daten: Deutlich mehr Impf-Nebenwirkungen als bekannt

  • COVID-19-Risikofaktoren unterscheiden sich je nach Alter der Patienten

  • Forscherin ausgezeichnet: Biomarker für schweres COVID-19

  • Paxlovid® keine Option zur Postexpositionsprophylaxe

Real-World-Daten: Deutlich mehr Impf-Nebenwirkungen als bekannt

Prof. Dr. Harald Matthes von der Charité-Universitätsmedizin, Berlin, untersucht zusammen mit Kollegen Nebenwirkungen von SARS-CoV-2-Vakzinen. Bei ImpfSurv, einer Beobachtungsstudie, erfassen Teilnehmer online Beschwerden nach Impfungen oder durch COVID-19. Außerdem werden Fragen zur mentalen Gesundheit (PHQ-9, GAD-7 und PHQ-Stressmodul) beantwortet. An der Studie nehmen bundesweit 40.000 Personen teil. 

Gegenüber Medien hat Matthes jetzt Zwischenergebnisse nach 1-jähriger Laufzeit der Studie vorgestellt. Schwere Nebenwirkungen haben demnach 8 von 1.000 Geimpften gemeldet – das 40-mal häufiger als vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) genannt. „Die Zahl ist nicht überraschend“, so Matthes. „Sie entspricht dem, was man aus anderen Ländern, wie Schweden, Israel oder Kanada kennt.“ Bei Impfstoffen gegen Polio oder Masern sei die Zahl schwerer Nebenwirkungen deutlich geringer.

COVID-19-Risikofaktoren unterscheiden sich je nach Alter der Patienten

Impfungen schützen vor schwerem COVID-19, doch welche Faktoren beeinflussen den Schweregrad dieser Krankheit noch? Erste Risikomodelle für Krankenhauspatienten wurden schon zu Beginn der Pandemie entwickelt, müssen jedoch aktualisiert werden. 

Im Rahmen einer retrospektiven Studie wurden Daten von 6.906 hospitalisierten Erwachsenen mit COVID-19 aus einem Gesundheitssystem in 5 US-Staaten analysiert. Die Forscher haben Risikomodelle zur Vorhersage von mechanischer Beatmung oder Tod über einen bis 56 Tage des Krankenhausaufenthalts entwickelt, wobei klinische Daten verwendet wurden, die innerhalb der 1. Stunde nach der Aufnahme mit COVID-19 oder einem ersten positiven SARS-CoV-2-Test verfügbar waren. 

Einige der wichtigsten Erkenntnisse: 

  • Der Body-Mass-Index ist bei jüngeren Patienten ein wichtigerer Prädiktor für den Schweregrad von COVID-19 als bei älteren Patienten.

  • Viele Komorbiditäten wie Krebs, Kardiomyopathie und COPD weisen bei jüngeren Patienten höhere Odds Ratios für schwere Verläufe auf als bei älteren Patienten.

  • Sowohl für ältere als auch für jüngere Patienten sind Vitalfunktionen, frühe Krankenhauslabortests und der Bedarf an zusätzlichem Sauerstoff nützlicher für die Vorhersage schwerwiegender Folgen als Komorbiditäten und demografische Daten.

„Diese Studie stellt unser Dogma in Frage, dass Komorbiditäten die Hauptursachen für schwerwiegende Folgen wie mechanische Beatmung oder Tod bei Krankenhauspatienten mit COVID-19 sind“, kommentiert Dr. Jason Goldman, Spezialist für Infektionskrankheiten bei Swedish Providence und Mitglied des Studienteams. „Stattdessen stellen wir fest, dass andere physiologische Merkmale, die innerhalb einer Stunde nach dem Krankenhausaufenthalt gemessen werden können, stärker vorhersagen, wer schwerwiegende Folgen haben wird.“

Paxlovid® keine Option zur Postexpositionsprophylaxe

Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid®) von Pfizer konnte laut Zwischenergebnissen einer Phase-II/III-Studie das Risiko, dass sich Haushaltsangehörige von Infizierten selbst anstecken, nicht signifikant verringern. 

Für ihre Analyse werteten die Forscher Daten von 2.957 Erwachsenen aus. Teilnehmer der Studie hatten einen negativen SARS-CoV-2-Antigen-Schnelltest und waren asymptomatisch, hatten jedoch innerhalb von 96 Stunden Kontakt mit einer infizierten Person. Sie wurden randomisiert (1:1:1) und erhielten 2-mal täglich

  • Paxlovid® für 5 Tage, gefolgt von Placebo für 5 Tage

  • Paxlovid®für 10 Tage 

  • Placebo für 10 Tage

In dieser Studie beobachtete Pfizer im Vergleich zu Placebo zwar eine Risikominderung von 32% bzw. 37% bei Erwachsenen, die Paxlovid® 5 bzw. 10 Tage lang erhielten. Diese Ergebnisse unterschieden jedoch statistisch nicht signifikant voneinander.  

Paxlovid® ist seit dem 28. Januar in der Europäischen Union zugelassen. Es soll Das Medikament soll zur Behandlung von symptomatischen, nicht hospitalisierten Patienten mit COVID-19 ohne zusätzlichen Sauerstoffbedarf und erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf eingesetzt werden.

 

Kommentar

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