Tipp: Ambulante COVID-19-Therapie mit Antikörpern beim Hausarzt – wie sich die Praxisleitung vorbereiten sollte

Dr. Thomas Kron

Interessenkonflikte

3. Mai 2022

Die Antikörper-Therapie von Patienten mit Risikofaktoren für schweres COVID-19 ist auch in der Hausarzt-Praxis möglich. Dies zeige eine kleine Fallserie mit sieben Patienten, berichten der Allgemeinmediziner Dr. Markus Böbel aus Reutlingen sowie Prof. Dr. Stefanie Joop und Dr. Christian Förster vom Universitätsklinikum Tübingen in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift [1]

2 der Patienten waren den Autoren zufolge ungeimpft, 5 erhielten eine medikamentöse Immunsuppression, und 1 Patient galt aufgrund einer Trisomie-21 als gefährdet, schweres COVID-19 zu entwickeln. 

Alle Patienten seien im Januar bzw. im Februar 2022 ambulant erfolgreich mit Sotrovimab behandelt, 2 von ihnen bei Hausbesuchen. Kein Patient habe hospitalisiert werden müssen, so die Autoren. Bei allen symptomatischen Patienten sei innerhalb kurzer Zeit eine deutliche Symptomlinderung eingetreten. Spätestens ab dem 3. Tag nach Therapie-Beginn seien alle „weitestgehend symptomfrei“ gewesen, heißt es im Artikel. 

Frühe Intervention bringt den größtmöglichen Nutzen 

Zum Hintergrund: Neutralisierende monoklonale Antikörper (mAK) gegen SARS-CoV-2 reduzieren bei Patienten mit Risikofaktoren die Schwere des Verlaufs von COVID-19. Damit die Antikörper wirksam seien, müssten sie frühzeitig zu Infektionsbeginn verabreicht werden, schreiben Böbel und Kollegen. Im Stadium der viralen Erkrankung seien Hausärzte die ersten Ansprechpartner der Patienten. Antikörper gegen SARS-CoV-2 seien bislang jedoch nur selten in Hausarzt-Praxen eingesetzt worden.

Indikationsstellung für Antikörper gegen SARS-CoV-2

In den aktuellen Leitlinien werde für COVID-19-Patienten mit Risikofaktoren für schweres COVID-19 der Einsatz antiviraler Therapeutika in der Frühphase der Erkrankung empfohlen, erklären die Autoren weiter. Die Leitlinien sprächen sich zudem klar für eine ambulante Gabe dieser Therapeutika aus. 

Empfohlen werde, bei Risiko-Patienten mit vollständiger Impfserie und ohne zu erwartende Einschränkungen der Impfreaktion vor der mAK-Therapie den Impftiter zu bestimmen. Dies sei im ambulanten Bereich oft wegen langer Laborlaufzeiten schwierig umsetzbar.  

Bei 7 Patienten der aktuellen Fallserie sei die Frage nach dem Impftiter allerdings nur einmal relevant gewesen: Der 3-fach mit mRNA-Vakzinen geimpfte Trisomie-21-Patient hätte nach den Empfehlungen der RKI-Fachgruppe COVRIIN formal eine Antikörper-Bestimmung benötigt. Im Beratungsgespräch mit dem Beratungsnetzwerk STAKOB/DGI sei entschieden worden, hierauf zu verzichten, um nicht das Zeitintervall für eine Antikörper-Therapie zu überschreiten.

Antikörper bei verschiedenen Virusvarianten

Bei der Wahl der mAK für die Therapie oder Prophylaxe seien den Autoren zufolge die aktuelle epidemiologische Lage und die Wirksamkeit gegen die einzelnen Virusvarianten zu berücksichtigen. Zum Zeitpunkt der Fallserie im Januar/Februar 2022 sei in Deutschland die Virusvariante Omikron BA.1 vorherrschend gewesen, gegen die Sotrovimab gut zu wirken scheine. Gegen die sich inzwischen ausbreitende Omikron-Variante BA.2 könne der Antikörper jedoch schwächer wirksam sein. 

Antikörper in der Hausarztpraxis verabreichen: Worauf Ärzte achten sollten

Für ein zeitnahe und effektive Behandlung von gefährdeten COVID-19-Patienten sei die Gabe der Antikörper durch Hausärzte unabdingbar, so Böbel und seine Mitautoren. „Da die Patienten, die zur Infusion von mAK in die Praxis kommen, immer an COVID-19 erkrankt sind und immer infektiös sind, ist die Einhaltung entsprechender Schutzmaßnahmen sicherzustellen“, geben die Autoren zu bedenken. 

Deshalb dürften keine anderen Patienten zum Zeitpunkt der Therapie in der Praxis sein. Die Praxisräume sollten für die Antikörper-Therapie geeignet sein. Wichtig sei insbesondere die Möglichkeit einer guten Belüftung, heißt es in der Veröffentlichung. Außerdem seien nicht benötigte Gegenstände aus dem Behandlungsraum zu entfernen. Darüber hinaus habe das Team, das die Infusion betreue, konsequent geeignete Schutzbekleidung zu tragen. Alle Hygienemaßnahmen müssten in einem Hygieneplan festgehalten werden.

Therapie in einer Corona-Schwerpunktpraxis

Bei der Praxis von Böbel handelt es sich dem Beitrag zufolge um eine „durchschnittliche Hausarztpraxis (1 Facharzt für Allgemeinmedizin, 1 angestellte Fachärztin für Allgemeinmedizin, 6 MFA, 1 Auszubildende) mit breitem Versorgungsprofil“. Die Räumlichkeiten hätten eine Grundfläche von 140 Quadratmetern. 

Seit April 2020 sei die Praxis eine Corona-Schwerpunkt-Praxis. Dadurch sei das gesamte Team den Umgang mit infektiösen Patienten, das An- und Ablegen der Schutzkleidung und die Arbeit unter Schutzkleidung bereits gewohnt. Im Vorfeld der 1. Infusion habe das Praxisteam außerdem an einem Training mit einem Patientensimulator (CAE Healthcare®) teilgenommen, um die Abläufe, Prozesse, Schutzmaßnahmen und mögliche Zwischenfälle einzuüben. Dies habe wesentlich dazu beigetragen, Ängste im Team abzubauen und sichere Abläufe zu schaffen. 

 
Unter Erfüllung der hygienischen, apparativen und personellen Voraussetzungen ist die Gabe von mAK in der Praxis sicher und gut durchführbar. Dr. Markus Böbel und Kollegen
 

Ein Fazit der Autoren: „Unter Erfüllung der hygienischen, apparativen und personellen Voraussetzungen ist die Gabe von mAK in der Praxis sicher und gut durchführbar.“

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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