Mammakarzinom: Brusterhaltend operieren oder Mastektomie – welche OP führt zu einer besseren Lebensqualität?

Roxanne Nelson

Interessenkonflikte

29. April 2022

Frauen, bei denen Brustkrebs im Frühstadium diagnostiziert wird und die sich einer Operation unterziehen müssen, haben oft die Wahl, sich die gesamte Brust oder nur einen Teil der Brust entfernen zu lassen. Eine US-Studie zeigt, dass die Patientenzufriedenheit 10 Jahre nach der Brustoperation bei beiden Gruppen ähnlich ist.

Allerdings berichteten Frauen nach brusterhaltender Operation und adjuvanter Strahlentherapie (RT) 10 Jahre nach der Operation über ein besseres psychosoziales und sexuelles Wohlbefinden als Frauen, die sich einer Mastektomie und einer Rekonstruktion der Brust unterzogen hatten.

„Diese Ergebnisse können Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium bei der Entscheidungsfindung helfen“, schreiben die Autoren der Studie, die unter der Leitung von Dr. Benjamin D. Smith vom Department of Radiation Oncology der University of Texas in Houston durchgeführt worden ist. Die Studie ist in JAMA Surgery veröffentlicht worden [1].

 
Diese Ergebnisse können Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium bei der Entscheidungsfindung helfen. Dr. Benjamin D. Smith und Kollegen
 

Die Ergebnisse haben wichtige Auswirkungen auf die Entscheidungsfindung der Patienten, weil sich immer mehr Frauen, die für eine brusterhaltende Operation in Frage kommen, doch für eine Mastektomie entscheiden, kommentieren Dr. Sudheer Vemuru, von der University of Colorado School of Medicine, Aurora, und Kollegen im begleitenden Editorial [] 2].

„Insgesamt deutet die überwiegende Zahl der Belege darauf hin, dass Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium nach einer brusterhaltenden Operation im Vergleich zur Mastektomie bessere Kurz- und Langzeitergebnisse erzielen“, so die Autoren.

Details zur Studie

Smith und seine Kollegen hatten eine vergleichende Wirksamkeitsstudie durchgeführt. Dazu verwendeten sie Daten aus dem texanischen Krebsregister und identifizierten Frauen, bei denen zwischen 2006 und 2008 Brustkrebs im Stadium 0-II diagnostiziert wurde. Die Frauen wurden entweder brusterhaltend operiert, oder bei ihnen wurde eine Mastektomie mit nachfolgender Rekonstruktion durchgeführt.

Insgesamt beantworteten 647 Patientinnen die Umfrage (40%: 356 hatten sich brusterhaltend operieren lassen, 291 hatten sich einer Mastektomie und Rekonstruktion unterzogen).

551 (85,2%) der Frauen bestätigten eine Behandlung mit brusterhaltender Operation plus RT (n=315) oder Mastektomie und Rekonstruktion ohne RT (n=236).

Das Durchschnittsalter der Kohorte lag bei 53 Jahren, und die durchschnittliche Zeit von der Diagnose bis zur Erhebung betrug 10,3 Jahre. Mastektomie und Rekonstruktion waren häufiger bei Frauen, die weiß und jünger waren, Lymphknotenbefall und größere Tumore aufwiesen, an beidseitigem Brustkrebs litten, eine Chemotherapie erhielten und über ein höheres Einkommen verfügten.

Primäres Ergebnis war die Zufriedenheit der Patientinnen mit ihren Brüsten, die mit dem BREAST-Q-Score gemessen wurde.

Zu den sekundären Ergebnissen gehörten das körperliche Wohlbefinden, das psychosoziale Wohlbefinden und das sexuelle Wohlbefinden. Mit dem Fragebogen EuroQol (EQ-5D-3L) wurde der Gesundheitsnutzen erhoben; mit der Decisional Regret Scale wurde gemessen, inwieweit die Frauen ihre damalige Therapie-Entscheidung bedauerten.

Psychosoziales Wohlbefinden schlechter nach Mastektomie und Rekonstruktion ohne RT

Bei Verwendung der brusterhaltenden Operation plus RT als Referenz fanden die Autoren keine signifikanten Unterschiede in der Zufriedenheit mit der Brust, dem körperlichen Wohlbefinden, dem Gesundheitsnutzen oder dem Bedauern über die damalige Therapieentscheidung zwischen den Studienkohorten.

Für die Zufriedenheit mit der Brust lag die Effektgröße bei 2,71 (p=0,30), für das körperliche Wohlbefinden bei -1,80 (p=0,36), für den Gesundheitsnutzen bei -0,003 (p=0,83) und für das Entscheidungsbedauern bei 1,32 (p=0,61).

Allerdings waren das psychosoziale Wohlbefinden (Effektgröße: -8,61; p<0,001) und das sexuelle Wohlbefinden (Effektgröße: -10,68; p<0,001) bei den Frauen, die sich einer Mastektomie und Rekonstruktion ohne RT unterzogen hatten, deutlich schlechter.

Die Studienautoren stellten fest, dass die Wechselwirkungen zwischen ethnischer Zugehörigkeit und Alter für die Zufriedenheit mit den Ergebnissen der Brustbehandlung nicht signifikant waren.

Die Ergebnisse „weisen aber darauf hin, dass die Belastung durch schlechte langfristige Lebensqualität bei jüngeren Personen, bei Personen mit niedrigerem Bildungsniveau und Einkommen sowie bei bestimmten ethnischen Minderheiten größer war“, schreiben sie. Die Studienergebnisse zeigten, „dass es Möglichkeiten gibt, die Chancengleichheit bei der langfristigen Lebensqualität von Personen mit Brustkrebs zu verbessern.“

Direkter Vergleich

Die Verfasser des Editorials merkten an, dass frühere Studien ebenfalls eine geringere Lebensqualität nach Mastektomie im Vergleich zur brusterhaltenden Operation festgestellt haben. Die meisten dieser früheren Studien schlossen jedoch Patientinnen ein, die sich einer brusterhaltenden Operation ohne RT, Patientinnen, die sich einer Mastektomie ohne Rekonstruktion, und Patientinnen, die sich einer Mastektomie mit RT unterzogen hatten.

Im Gegensatz dazu wurde in dieser jüngsten Studie „die brusterhaltende Operation plus adjuvante Strahlentherapie mit der Mastektomie und Rekonstruktion ohne adjuvante Strahlentherapie direkt verglichen, um diese potenziellen Störfaktoren zu vermeiden“, heben sie hervor.

Dieser Artikel wurde von Ute Eppinger aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.
 

Kommentar

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