Deko-Schnick-Schnack oder echte Kunst in der Praxis?  Wie steuerrechtliche Aspekte die Entscheidung beeinflussen können

Elena Frietsch

Interessenkonflikte

27. April 2022

Kunstgegenstände können in Praxisräumlichkeiten für ein besonderes Ambiente sorgen. In welchen Fällen die Anschaffungskosten steuerlich geltend gemacht werden können und wo Vorsicht geboten ist, erklärt Elena Frietsch, Dipl.-Finanzwirtin bei der Steuerberatungskanzlei Erbacher, Lyck + Pätzold Steuerberatung.Healthcare.

Elena Frietsch

In der Gestaltung der eigenen Praxis findet sich oft die persönliche Note der Praxisinhaberin oder des Praxisinhabers. Kunstgegenstände, wie Gemälde anerkannter Kunstschaffender, bringen dabei ein ganz besonderes Ambiente in die Räumlichkeiten. Nicht unberechtigt stellt sich daher die Frage, inwiefern Kunstbegeisterte die Anschaffungskosten ihrer Kunst steuerlich geltend machen können.

Kunstwerke im Betriebsvermögen

Sofern angeschaffte Gegenstände dazu bestimmt sind, der Praxis zu dienen bzw. diese zu fördern, gehören sie zum Betriebsvermögen. Kunstwerke, die beispielsweise den Eingang, die Behandlungsräume oder das Wartezimmer schmücken, haben einen repräsentativen Zweck für die Praxis. Die Zuordnung zum Betriebsvermögen bleibt daher unstrittig.

Für die Frage nach dem steuerlichen Abzug ist allerdings nicht allein die Zuordnung zum Betriebsvermögen entscheidend. Ausschlaggebend ist hierfür die Unterscheidung zwischen Gebrauchskunst und echten Kunstgegenständen.

Gebrauchskunst oder echte Kunstgegenstände?

Als Gegenstände der sogenannten Gebrauchskunst gelten marktmäßig gehandelte Stücke, wie etwa Kunstdrucke, Fotoserien oder Gemälde von untergeordnetem Wert. Diese unterliegen im Sinne der Rechtsprechung dem Wandel des Zeitgeschmacks und erleben im Laufe ihrer Nutzung einen Werteverzehr.

Steuerrechtlich können die Anschaffungskosten solcher dekorativen Kunst deshalb auf eine Nutzungsdauer von 15 Jahren abgeschrieben werden.

Hiervon abzugrenzen sind Kunstwerke anerkannter Künstlerinnen und Künstler. Von solchen Werken ist nach Ansicht des Bundesfinanzhofes die Rede, wenn Kunstsachverständige das Werk als künstlerisch bedeutsam einschätzen, die Kunstschaffenden Kunstpreise erhalten haben oder deren Werke in bekannten Museen ausgestellt werden. Pauschal kann ab einem Kaufpreis von 5.000 € von einem solchen Kunstwerk ausgegangen werden – dies dient allerdings lediglich als Richtwert zur groben Orientierung.

Anders als bei der Gebrauchskunst unterstellt die Finanzverwaltung bei solchen Werken eine Wertsteigerung, statt einen Wertverlust. Von dieser Annahme ausgehend wird das Kunstwerk als nicht abnutzbares Wirtschaftsgut deklariert. Der steuerliche Ansatz der Anschaffungskosten in Form einer Abschreibung bleibt dem Kunstliebhaber somit verwehrt.

Vorsicht bei Verkauf oder Entnahme

Befindet sich das Kunstobjekt oder gar eine ganze Kunstsammlung erstmal im Betriebsvermögen, gestaltet sich der Verkauf oder die Entnahme in das Privatvermögen der Inhaberin oder des Inhabers als schwierig.

Denn: die Wertsteigerung – also der Unterschied zwischen Kaufs- und Verkaufspreis bzw. Wert zum Zeitpunkt der Entnahme – muss versteuert werden.

Kunstmiete als Alternative zum Kauf

Eine Lösung für dieses Problem könnte sein, Kunstwerke für die Praxisräume zu mieten, statt zu kaufen. Bei gemieteten Objekten werden die Mietzahlungen als gewinnmindernder Aufwand berücksichtigt.

Angemietete und in der Praxis ausgestellte Kunstwerke stellen – anders als beim Kauf – kein Anlagevermögen dar und müssen daher nicht zusätzlich als Betriebsvermögen ausgewiesen werden. Kunstgegenstände können nach Ende der Vertragslaufzeit unkompliziert ausgetauscht werden und die Wertsteigerung muss nicht versteuert werden.

Dieser Artikel ist im Original erschienen am 20. April 2022 auf Coliquio.de.
 

Kommentar

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