Dieser 60-jährige multimorbide Patient leidet an Brustschmerzen nach einer Infektion – Ihr Verdacht? 

Abhimanyu Beri, Fadi Abu-Yasin

Interessenkonflikte

12. Mai 2022

Diskussion

Dieser Patient stellte sich mit retrosternalen Brustschmerzen vor, die in Ruhe einsetzten und in die rechte Schulter und den Hals ausstrahlten. Der Schmerz verschlimmerte sich bei tiefer Inspiration und im Liegen, besserte sich aber, wenn er sich nach vorne beugte. Außerdem wurde bei der erneuten Untersuchung eine Reibegeräusch festgestellt.

Das initiale EKG zeigte eine leichte ST-Strecken-Hebung in den inferioren und anterioren Ableitungen, die sich in den folgenden 12 Stunden deutlich verstärkte, sowie eine PR-Strecken-Hebung in Ableitung aVR. Diese Befunde führten zu der Diagnose einer akuten Perikarditis.

Eine akute Perikarditis kann isoliert oder als Folge einer systemischen Erkrankung auftreten. Etwa 5% der Fälle von Patienten in der Notaufnahme mit Brustschmerzen und ohne Infarktzeichen dürften auf eine Perikarditis zurückgehen.

Die meisten Fälle sind idiopathisch. Es müssen jedoch auch andere Ätiologien in Betracht gezogen werden: infektiös, neoplastisch, autoimmun, urämisch, strahleninduziert, postischämisch, postvakzinös und traumatisch. Wichtige Differenzialdiagnosen zu Brustschmerzen, die denen bei der Perikarditis ähneln, sind der Myokardinfarkt, die Lungenembolie, eine Aortendissektion, der Pleuraerguss und das Pneumomediastinum [1,2,3].

Die typische Anamnese eines Patienten mit akuter Perikarditis lautet: plötzlich auftretende, pleuritische Schmerzen in der Brust. Diese verstärken sich in der Regel in Rückenlage, während das aufrechte Sitzen oder eine vornübergebeugte Haltung sie lindert. Die Schmerzen strahlen oft in Nacken, Oberarm oder Schulter aus, da sie auf eine Reizung des N. phrenicus über das Perikard herrühren.

Bei der körperlichen Untersuchung kann ein Reibegeräusch festgestellt werden, das häufig mit dem Knarren von Ledersohlen neuer Schuhe oder dem Knirschen von Schnee verglichen wird. Es ist am besten am linken Sternumrand während der Exspiration am nach vorn gebeugten Patienten auskultierbar.

Da die Intensität des Reibegeräusches des Herzbeutels oft minütlich variiert, sollte bei entsprechendem Verdacht die Herzauskultation mehrmals wiederholt werden. Das Reiben wird klassischerweise mit 3 Komponenten beschrieben: Vorhofsystole, Ventrikelsystole und schnelle Ventrikelfüllung während der Frühdiastole. Allerdings sind nicht bei allen Patienten alle Phasen erkennbar. Ein perikardiales Reiben wird von einem pleuritischen dadurch abgegrenzt, dass Ersteres auch zu hören ist, wenn die Atmung angehalten wird [1,2,3].

Kommentar

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