Entwarnung aus der Wissenschaft: Keine Assoziation zwischen Gehirntumoren und Mobilfunk bei Kindern

Redaktion Coliquio

Interessenkonflikte

12. April 2022

Wissenschaftler finden in der groß angelegten MOBI-Kids-Studie keine Assoziation zwischen der Nutzung mobiler Technologien und dem Risiko von Gehirntumoren. Damit bestätigen sie ältere Studien. 

Die Nutzung von Mobiltelefonen und DECT-Telefonen erhöht das Risiko für Hirntumoren bei Kindern und Jugendlichen nicht. Das legen die Ergebnisse der kürzlich veröffentlichten internationalen MOBI-Kids-Studie nahe. Auch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) teilt diese Einschätzung [1]

„Die neuen Ergebnisse tragen dazu bei, wissenschaftliche Restunsicherheiten auch mit Blick auf Kinder und Jugendliche zu verringern“, sagt Inge Paulini, Präsidentin des BfS. „Sie bestätigen, dass die im Mobilfunk geltenden Grenzwerte Erwachsene und Kinder schützen.“

 
Die neuen Ergebnisse tragen dazu bei, wissenschaftliche Restunsicherheiten auch mit Blick auf Kinder und Jugendliche zu verringern. Inge Paulini
 

Hohe Aussagekraft durch große Datenbasis

Ein Blick auf Details: Für die großangelegte MOBI-Kids-Studie untersuchte Wissenschaftler das Nutzungsverhalten von rund 800 Kindern und Jugendlichen, die im Alter zwischen 10 und 24 Jahren an einem Hirntumor erkrankt sind. Verglichen wurden die Daten mit denen einer Kontrollgruppe. Informationen zu Dauer und Häufigkeit der Nutzung von Mobiltelefonen und DECT-Telefonen wurden in Interviews erhoben.

Insgesamt nahmen die Forscher zwischen 2010 und 2015 rund 2800 junge Menschen aus 8 europäischen Ländern – darunter Deutschland – sowie Israel, Australien, Kanada, Japan, Korea und Neuseeland in die Studie auf.

Wie die Auswertung der Daten nahelegt, war das Risiko an einem Hirntumor zu erkranken bei regelmäßiger Nutzung von Mobil- und DECT-Telefonen in der Studie nicht höher als für Personen ohne Nutzung der Technologie. 

Es zeigte sich sogar ein tendenziell sinkendes Erkrankungsrisiko mit der Intensität und der Dauer der Nutzung, insbesondere in der Altersgruppe der 15 bis 19-Jährigen. 

Hier vermuten die Autoren eine methodische Verzerrung – etwa, weil Angaben zum Nutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen mit Hirntumoren teilweise von den Eltern abgegeben wurden. Eine andere Erklärung wäre, dass sich bei jungen Patienten das Nutzungsverhalten aufgrund von Symptomen der Erkrankung, die bereits vor der Diagnose vorlagen, verändert haben könnte. Es gibt keinen Grund für die Annahme eines schützenden Effekts bei Mobilfunknutzung.

Ergebnisse der MOBI-Kids-Studie decken sich mit denen früherer Studien. Durch ihren Umfang und den hohen Anteil an Langzeit-Nutzer verfügt sie jedoch über eine deutlich aussagekräftigere Datenbasis als bisherige Studien, insbesondere für jugendliche Personen.

Abschätzung möglicher Effekte elektromagnetischer Strahlung auf Kinder und Jugendliche

Zum Hintergrund: Die Nutzung von Mobiltelefonen, Smartphones und Tablets hat in den letzten Jahren stark zugenommen, auch bei Kindern und Jugendlichen. Die Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf die Gesundheit junger Menschen sind jedoch im Vergleich zur robusten Studien- und Datenlage bei Erwachsenen weniger gut erforscht. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), die Strahlenschutzkommission (SSK) sowie Strahlenschutzorganisationen im In- und Ausland haben in der Vergangenheit immer wieder den Forschungsbedarf in diesem Bereich angemahnt.

Ermöglicht wurde die MOBI-Kids-Studie 2009 mit finanzieller Unterstützung der EU-Kommission und weiteren Projektpartnern aus den 14 Teilnehmerländern. Das BfS förderte im Rahmen der Ressortforschung die Auswertung der Daten aus Deutschland. Der Abschluss der Untersuchung und die Publikation Ende Dezember 2021 in der Zeitschrift Environment International ist deshalb nicht nur für den Strahlenschutz in Deutschland von Bedeutung.

Das betont auch Paulini: „Das Projekt MOBI-Kids demonstriert die Bedeutung einer international kooperierenden und interdisziplinären Strahlenschutzforschung. So angelegte Studien garantieren eine breite Datenbasis, die verlässliche Informationen liefert. Das BfS unterstützt daher die internationale Forschungsvernetzung.”

Dieser Beitrag ist im Original erschienen auf Coliquio.de.

 

Kommentar

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