Parkinson: MAO-B-Hemmer oder COMT-Inhibitoren – welche adjuvante Therapie führt zur bestmöglichen Lebensqualität?

Michael Simm 

Interessenkonflikte

17. Juni 2022

Parkinson-Patienten, die unter einer Levadopa-Therapie motorische Komplikationen erleiden, haben unter einer Zusatztherapie mit Dopaminagonisten mittelfristig eine ähnlich gute Lebensqualität wie unter Dopamin-Wiederaufnahmehemmern (DRI). Innerhalb der Klasse der DRI profitieren sie stärker von MAO-B-Hemmern als von COMT-Inhibitoren, wie eine Studie zeigt [1]

Kaum direkte Vergleiche wichtiger Parkinson-Therapien

Zum Hintergrund: Die globale Prävalenz der Parkinson-Krankheit hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt und wird sich Hochrechnungen zufolge bis zum Jahr 2040 erneut verdoppeln. Orale Formulierungen von Levadopa als Therapiestandard sind langfristig mit motorischen Fluktuationen und Dyskinesien behaftet. Eine Reihe von Ergänzungstherapien wie Dopaminagonisten, COMT- und MAO-B-Inhibitoren können die Off-Zeiten verringern, es gibt aber nur wenige direkte Vergleiche zur Wirksamkeit dieser Substanzen. Diese Lücke schließt eine neue Studie. 

Untersuchung mit 500 Patienten

Ziel der Arbeit war, unterschiedliche Zusatztherapien hinsichtlich der von Patienten selbst berichteten Lebensqualität zu vergleichen.

Eingeschlossen wurden 500 Patienten mit idiopathischer Parkinson-Erkrankung und mit unzureichend kontrollierten motorischen Komplikationen im durchschnittlichen Alter von 73 Jahren (62,8% Männer) an 64 Kliniken. Die Nachverfolgung dauerte median 4,5 Jahre. Primäres Studienziel war das Ergebnis auf dem 39 Punkte umfassenden Abschnitt zur Mobilität auf dem Parkinson-Krankheit Fragebogen (PDQ-39).

Alle Patienten wurden 1:1:1 randomisiert. Sie erhielten einen Dopaminagonisten, einen COMT-Hemmer oder einen MAO-B-Hemmer. Patienten, die bereits einen Dopaminagonisten bekommen hatten, als unkontrollierte motorische Komplikationen auftraten, konnten nur zwischen einem COMT-Hemmer oder einem MAO-B-Hemmer randomisiert werden. Patienten, die einen MAO-B-Hemmer eingenommen hatten, wenn unkontrollierte motorische Komplikationen auftraten, und Patienten, bei denen der Arzt einen MAO-B-Hemmer als definitiv kontraindiziert ansah, konnten nur zwischen einem COMT-Hemmer oder einem Dopaminagonisten randomisiert werden.

Patienten unter Dopaminagonisten hatten ein im Durchschnitt 2,4 Punkte besseres Ergebnis beim PDQ-39 als Patienten in den Studienarmen mit MAO-B- und COMT-Hemmern. Das Resultat war bei einem 95%-Konfidenzintervall von -1,3 bis 6,0 jedoch nicht signifikant (p = 0,20).

Beim Vergleich der beiden Arten von Dopamin-Wiederaufnahmehemmern war das Ergebnis unter MAO-B-Hemmern um 4,2 Punkte besser als unter COMT-Hemmern. Dies war, bei einem 95%-KI von 0,4 bis 7,9 ein signifikanter Unterschied (p = 0,03).

Die Lebensqualität, gemessen mit dem EuroQol 5-dimension 3-level (EQ-5D-3L) utility score, war ebenfalls unter MAO-B-Hemmern besser als unter COMT-Hemmern. Der Unterschied war mit 0,05 Punkten (95%-KI 0,003-0,09) signifikant (p = 0,04). 

Empfehlungen für die Therapie

Bleibt als Fazit: In dieser randomisierten Studie war eine adjuvante Therapie mit Dopaminagonisten den Dopamin-Wiederaufnahmehemmern (DRI) gleichwertig bezüglich der motorischen Komplikationen. Innerhalb der Klasse der DRI schnitten die MAO-B-Inhibitoren besser ab als die COMT-Hemmer.

Der Beitrag ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....