Schwangerschaft: Schlechte Supplementierung trotz Beratung – liegt es an zu vielen, widersprüchlichen Informationen? 

Michael Simm

Interessenkonflikte

29. März 2022

Eine zusätzliche Ernährungsberatung von Schwangeren hatte keine signifikante Auswirkung auf die Einnahme empfohlener Supplemente wie Folsäure und Jod. Dies berichtete Christina Geyer vom Institut für Ernährungsmedizin am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München beim 59. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Studie mit knapp 2.300 Frauen

In der cluster-randomisierten „Gelis“-Interventions-Studie (Gesund leben in der Schwangerschaft) wird der Einfluss der Lebensweise während der Schwangerschaft auf Schwangerschaftsverlauf, Geburt und Gesundheit von Mutter und Kind erforscht. Die vom Lehrstuhl für Ernährungsmedizin des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin (TU München) initiierte Untersuchung sei mit 2.286 Studienteilnehmerinnen aus 71 gynäkologischen Praxen und 62 speziell geschulten Beratern weltweit die größte ihrer Art, heißt es auf der Webseite.

„Umfragen haben gezeigt, dass in Deutschland eine Verunsicherung über den Nutzen einer Nährstoffsupplementierung besteht und Supplemente oft selten oder zu spät eingenommen werden“, sagte Geyer. Sie hat nun jeweils annähernd 1.150 Frauen in 5 Regionen mit und ohne Lebensstilintervention (3 Beratungen vor der Geburt) verglichen und dazu den Supplementierungsstatus (Jod und Folsäure) vor der Intervention, in der 30. bis 34. Schwangerschaftswoche sowie 6 bis 8 Wochen postpartum per Fragebogen erfasst.

Interventionen brachten nicht den erhofften Effekt

Ergebnis: Der Anteil der Frauen, die vor, während und/oder nach der Schwangerschaft Supplemente eingenommen hatten, war mit 64 % in der Interventionsgruppe gegenüber 63,7% in der Kontrollgruppe fast identisch (p = 0,840).

Der Anteil der Frauen, die zum 1. Trimester Folsäure einnahmen, stieg mit der Intervention von 31,3% auf 51,8%; bei den Frauen der Kontrollgruppe von 31,4% auf 48,9%. Daraus errechneten die Forscherinnen ein für BMI, Alter, Bildung und Parität adjustierte, Effektstärke von 1,10 (95%-Konfidenzintervall 0,93-1,31). Mit p = 0,279 war der Unterschied zwischen den Gruppen aber nicht signifikant.

Beim Jod fand man in beiden Gruppen eine annähernde Verdoppelung der Supplementierung von präkonzeptionell etwa 27% auf ca. 49% während der Schwangerschaft. Zudem wurde post-partum ein Rückgang auf 12,1% in der Interventionsgruppe gegenüber 24,0% in der Kontrollgruppe festgestellt. Trotz einer Effektstärke von 0,29 (95%-KI 0,05-1,57) war jedoch auch dieser Unterschied nicht signifikant (p = 0,151).

Liegt es an widersprüchlichen Informationen?

Die offiziellen Empfehlungen zur Supplementierung der Nahrung während der Schwangerschaft mit Folsäure und Jod werden nur teilweise eingehalten. Eine zusätzliche, 3-malige spezifische Beratung konnte dies nicht ändern. Die Ursache ist womöglich eher ein Überangebot an – teils widersprüchlichen – Informationen zum Nutzen spezifischer Nahrungsergänzungsmittel. Wie Geyer berichtete, seien in ihrem Kollektiv insgesamt 476 Präparate mit 24 verschiedenen Nährstoffen eingenommen worden.

Der Beitrag ist im Original erschienen auf Univadis.de.

 

Kommentar

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