EMA: Neue Antikörper zur COVID-19-Prävention; neue Gentherapie beim multiplen Myelom; weitere Generika

Michael van den Heuvel 

Interessenkonflikte

25. März 2022

Vom 21.-24. März 2022 hat der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) getagt. Er befasste sich u.a. mit monoklonalen Antikörpern bei COVID-19, mit einer neuen Gentherapie beim multiplen Myelom und mit der Zulassung mehrerer Generika [1].

Evusheld® (Tixagevimab / Cilgavimab) zur Prävention von COVID-19

Das monoklonale Antikörper-Präparat Evusheld® (Tixagevimab / Cilgavimab) erhielt vom CHMP eine positive Stellungnahme zur Prävention von COVID-19, und zwar für Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit einem Gewicht von mindestens 40 kg vor einer möglichen Exposition mit SARS-CoV-2. 

Tixagevimab und Cilgavimab binden an 2 verschiedenen Stellen des Spike-Proteins von SARS-CoV-2. Anschließend kann das Virus nicht mehr in Zellen eindringen, um sich zu vermehren, und es kann kein COVID-19 mehr verursachen. Die Antikörper werden in Form von 2 separaten Injektionen mit 150 mg Tixagevimab und 150 mg Cilgavimab verabreicht. 

Für seine Bewertung analysierte der Ausschuss Daten aus einer Studie mit über 5.000 Personen. Hier zeigte sich, dass Evusheld® das Risiko einer COVID-19-Infektion um 77% reduzierte, wobei die Dauer des Schutzes vor dem Virus auf mindestens 6 Monate geschätzt wurde. In der Studie erhielten Erwachsene, die noch nie an COVID-19 erkrankt waren und weder einen COVID-19-Impfstoff noch eine andere präventive Behandlung erhalten hatten, Evusheld® oder Placebo. Unter Verum trat bei 0,2% (8 von 3.441 Teilnehmern) eine im Labor bestätigter Infektion aus, verglichen mit 1,0% (17 von 1.731 Personen) unter Placebo. 

Das Sicherheitsprofil von Evusheld war günstig, und die Nebenwirkungen waren meist schwach; nur wenige Patienten berichteten über Reaktionen an der Injektionsstelle oder Überempfindlichkeitsreaktionen. Der CHMP kam zu dem Schluss, dass der Nutzen des Arzneimittels bei der zugelassenen Anwendung größer ist als seine Risiken.

Die Studiendaten wurden vor dem Auftreten der Omikron-Variante erhoben. Laborstudien zeigen aber, dass die Omikron BA.1-Variante möglicherweise weniger empfindlich auf Tixagevimab und Cilgavimab in einer Dosierung von 150 mg reagiert als die Omikron BA.2-Variante. Die EMA wird in den kommenden Wochen weitere Daten auswerten, um zu beurteilen, ob deshalb ein alternatives Dosierungsschema erforderlich ist.  

Carvykti®: Neue Gentherapie beim multiplen Myelom

Eine neue Gentherapie, Carvykti® (Ciltacabtagene Autoleucel), erhielt ebenfalls eine positive Stellungnahme. Sie zielt auf erwachsene Patienten mit rezidiviertem bzw. refraktärem multiplem Myelom ab, die mindestens 3 vorherige Therapien erhalten haben und deren Krebserkrankung sich seit der letzten Behandlung verschlimmert hat.

Laut EMA könnte die Gentherapie Lücken bei der Behandlung dieser Krebserkrankung schließen. Obwohl in den letzten Jahren einige Medikamente zugelassen worden sind, gibt es nur begrenzte Therapiemöglichkeiten für Patienten, die bereits mit den 3 wichtigsten Medikamentenklassen (immunmodulatorische Wirkstoffe, Proteasominhibitoren und monoklonale Antikörper) behandelt wurden und deren Krankheit zurückgekehrt ist oder nicht mehr auf diese Medikamente anspricht. 

Ciltacabtagene Autoleucel ist ein chimäres Antigenrezeptor (CAR)-T-Zell-Medikament. Dabei handelt es sich um eine Krebstherapie, die auf der Sammlung und Modifizierung von patienteneigenen Immun-T-Zellen basiert, um eine personalisierte Behandlung zu entwickeln, die Erkrankten reinfundiert wird.

Die Hauptstudie, auf die sich die Empfehlung für eine bedingte Zulassung stützt, ist eine einarmige, offene, multizentrische klinische Studie. Untersucht wurde die Wirksamkeit und Sicherheit von Ciltacabtagene Autoleucel bei 113 erwachsenen Patienten mit rezidiviertem bzw. refraktärem multiplem Myelom, die mindestens 3 vorangegangene Therapien erhalten hatten, darunter einen immunmodulatorischen Wirkstoff, einen Proteasom-Inhibitor und einen Anti-CD38-Antikörper, und die auf das letzte Behandlungsschema nicht angesprochen hatten. Etwa 84% der Teilnehmer reagierten auf die Behandlung mit einem dauerhaften Ansprechen, und etwa 69% zeigten ein vollständiges Ansprechen.

Die häufigsten Nebenwirkungen sind das Zytokinfreisetzungssyndrom, eine systemische Reaktion auf die Aktivierung und Vermehrung der CAR-T-Zellen, die hohes Fieber und grippeähnliche Symptome, Infektionen und Enzephalopathie, d. h. eine Störung des Gehirns, verursacht. Dies kann lebensbedrohlich und in einigen Fällen sogar tödlich sein. Weitere Sicherheitsaspekte sind eine neurologische Toxizität, eine verlängerte Zytopenie und schwere Infektionen. Strategien zur Überwachung und Abschwächung dieser Nebenwirkungen sind in der Produktinformation und im Risikomanagementplan, der Bestandteil der Zulassung ist, beschrieben.

Zusätzliche Maßnahmen zur Risikominimierung, die vom Zulassungsinhaber gefordert werden, sollen sicherstellen, dass die Zentren, die die Therapie abgeben, qualifiziert sind, Nebenwirkungen zu erkennen und zu behandeln.

Generika und hybride Zulassungen

2 Arzneimittel wurden in Form von Hybridanträgen eingereicht, sprich Anträge stützten sich zum Teil auf die Ergebnisse vorklinischer Tests und klinischer Prüfungen eines bereits zugelassenen Referenzprodukts und zum Teil auf neue Daten: 

  • Camcevi® (Leuprorelin) zur Behandlung von hormonabhängigem Prostatakrebs,

  • Zolsketil pegylated liposomal® (Doxorubicin) zur Behandlung von Brustkrebs, Eierstockkrebs, progressivem multiplem Myelom und AIDS-bedingtem Kaposi-Sarkom.

Ein Generikum, Amifampridin SERB® (Amifampridin), erhielt vom Ausschuss eine positive Stellungnahme für die Behandlung des Lambert-Eaton-Myasthenie-Syndroms, einer Autoimmunkrankheit mit Störung der präsynaptischen Neurotransmission im Muskel. 

COVID-19-Update

Eine Erhöhung der Produktionskapazität für den COVID-19-Impfstoff Comirnaty® wurde vom CHMP genehmigt.  

 

Kommentar

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