COVID-19-Pandemie: Keine generelle Erhöhung der Sterblichkeit im Krankenhaus – Effekte nur bei einzelnen Indikationen

Michael Simm

Interessenkonflikte

23. März 2022

Im 1. Jahr der COVID-19-Pandemie hat sich das Sterberisiko von Patienten in deutschen Kliniken insgesamt nicht verändert. Forscher haben bei Atemwegserkrankungen jedoch eine erhöhte Mortalitätsrate gegenüber den Jahren 2016 bis 2019 beobachtet. Das geht aus einer neuen Studie hervor [1]

Retrospektive Querschnittsanalyse mit knapp 6 Millionen Patienten

Zum Hintergrund: Neben den unmittelbaren Auswirkungen durch Infektionen, Erkrankungen und Todesfälle hinterlässt die COVID-19-Pandemie ihre Spuren in vielen Bereichen des Gesundheitssystems. Forscher wollten in Erfahrung bringen, ob sich die Mortalität bei unterschiedlichen Erkrankungen verändert. 

Ihre retrospektive Querschnittsanalyse umfasste Daten von 5.821.757 Patienten, die zwischen Anfang 2016 und Ende 2020 in 87 deutschen Kliniken der Helios-Gruppe aufgenommen worden waren. Wichtig waren Angaben über eine im Labor bestätigte Exposition mit SARS-CoV-2, eine Diagnose gemäß ICD-10 bei Entlassung, Verhältnisse der Inzidenzraten (IRR) für Klinikaufnahmen und die Mortalität in der Klinik sowie die relativen Mortalitätsrisiken (RMR) zwischen 2016 und 2019 gegenüber 2020.

Erhöhte Sterblichkeit bei unterschiedlichen Erkrankungen

Das durchschnittliche Alter der Patienten betrug 56,4 Jahre; 51,5 % waren Frauen. Insgesamt wurden 125.807 Sterbefälle erfasst.

Die Inzidenzratenverhältnisse für Klinikaufnahmen gingen bei allen untersuchten Krankheitsgruppen signifikant zurück (IRR 0,82; 95%-Konfidenzintervall 0,79-0,86; P < 0,001). Allerdings waren die relativen Mortalitätsraten nach Adjustierung für Alter, Geschlecht, Komorbiditäten und SARS-CoV-2-Infektionstatus für die gesamte Kohorte unverändert (RMR 1,00; 95%-KI 0,99-1,02; P = 0,66). 

Die RMR waren jedoch erhöht bei Infektionskrankheiten (RMR 1,28; 95%-KI 1,21-1,34; P < 0,001), Muskel- und Skeletterkrankungen (RMR 1,19; 95%-KI 1,04-1,36; P < 0,001) und Atemwegserkrankungen (RMR 1,09; 95%-KI 1,05-1,14; P < 0,001).

Bezüglich der Mortalität im Krankenhaus war das Inzidenzratenverhältnis im Vergleich von 2020 zu 2016-2019 bei respiratorischen Krankheiten erhöht (IRR 1,28; 95%-KI 1,13-1,46; P < 0,001). In der gesamten Kohorte und bei verschiedenen anderen Krankheitsgruppen war das IRR aber niedriger.

Effekte der Pandemie bewerten 

Bei einer Datenbasis von annähernd 6 Millionen Patienten lautet die Schlussfolgerung, dass die absolute Krankenhausmortalität während des 1. Jahres der COVID-19-Pandemie in Deutschland nicht erhöht war. Eine Ausnahme stellt die erhöhte Sterblichkeit bei Atemwegserkrankungen dar, die laut Autoren „wahrscheinlich mit SARS-CoV-2-Infektionen zusammenhängt“. Da die Zahl der Krankenhausaunahmen insgesamt zurückgegangen ist, lässt sich eine Verlagerung der Mortalität in die ambulante Versorgung nicht auszuschließen.

Dieser Artikel ist im Original erschienen auf Univadis.de

 

Kommentar

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