Impfung schützt besser als Infektion; Kritik an Lockerungen und neuem Gesetz; Schutz in der Arztpraxis – was möglich ist

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

21. März 2022

Im Medscape-Corona-Newsblog finden Sie regelmäßig die aktuellen Trends zu Neuinfektionen und Belegung von Intensivstationen sowie eine Auswahl von klinisch relevanten Kurzmeldungen zur Pandemie.

Corona-Newsblog, Update vom 21. März 2022

Die die 7-Tage-Inzidenz steigt laut Robert Koch-Institut (RKI) leicht von 1.708,7 auf 1.714,2 Fälle pro 100.000 Einwohner.

Bundesweit wurden 92.314 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden gemeldet (Vorwoche: 92.378). Weitere 13 Patienten sind in Zusammenhang mit COVID-19 gestorben. Damit erhöht sich die Zahl der Toten auf 126.929.

Laut DIVI-Intensivregister waren am 20. März genau 2.244 COVID-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, sprich 41 weniger als am Vortag. Momentan sind 985 Betten im Low-Care- und 2.100 im High-Care-Bereich frei. Hinzu kommen 472 freie ECMO-Behandlungsplätze.

  • Deutschland: Lockerungen Ende März/Anfang April sind umstritten

  • Schutz für Klinken, Praxen und Heime – was nach dem 2. April möglich ist

  • Neue Daten: Eine Impfung schützt besser als eine Infektion

  • Moderna stellt Zulassungsantrag für Viertimpfung in den USA

  • Pseudokrupp bei Kindern – eine überraschende Manifestation der Omikron-Variante

Deutschland: Lockerungen Ende März/Anfang April sind umstritten

Trotz neuer Höchstwerte sind mit dem neuen Infektionsschutzgesetz zum 20. März viele Einschränkungen im täglichen Leben weggefallen. In manchen Bundesländern gelten noch Übergangsfristen bis zum 2. April.

Künftig werden neben flächendeckenden Basismaßnahmen strengere Regelungen nur in Hot Spots gelten. Darüber entscheiden dann die Länder. Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach sprach im Bundestag von einem „schweren Kompromiss“.

Viele Länder sind unzufrieden. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sagte, der Gesetzentwurf des Bundes sei „viel zu kompliziert, um schnell zu reagieren“. Es gebe „lange Verfahren und hohe Hürden – und das für so grundlegende Schutzmaßnahmen wie Abstand und Maske“.

Auch bei Bürgern sind die Maßnahmen umstritten. Laut ARD-DeutschlandTrend sprechen sich 61% gegen eine weitgehende Aufhebung der Maskenpflicht zum jetzigen Zeitpunkt aus. Und Österreich rudert 2 Wochen nach weitgehenden Lockerungen wieder zurück. In geschlossenen Räumen sind erneut Masken erforderlich.

Eigentlich wäre Ende März auch Schluss mit kostenlosen Bürgertests. Scheinbar plant die Regierung, solche Angebote zu verlängern.

Schutz für Klinken, Praxen und Heime – was nach dem 2. April möglich ist

Auch nach dem 20. März bzw. dem 2. April gelingt es, Angestellte im Gesundheitswesen und Patienten außerhalb zu schützen, und nicht nur in Hot-Spot-Gebieten.

Das novellierte Infektionsschutzgesetz ermöglicht bereits im Zuge des Basisschutzes eine Maskenpflicht in Krankenhäusern, Dialyse- und Pflegeeinrichtungen sowie in Arztpraxen zu verhängen. Individuelle Schutzmaßnahmen in Einrichtungen oder Betrieben bleiben ebenfalls legitim.

Außerdem gibt es weiterhin Testpflichten zum Schutz vulnerabler Personen, vor allem in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Schulen, Kitas oder Unterkünften für Asylbewerber.

Neue Daten: Eine Impfung schützt besser als eine Infektion

Sowohl die natürliche Infektion mit SARS-CoV-2 als auch die Impfung mit einem mRNA-Vakzin schützen über die Bildung von Antikörpern vor schwerem COVID-19. Eine Arbeitsgruppe aus Bethesda, USA, konnte jetzt nachweisen, dass mRNA-induzierte Antikörper offensichtlich noch effektiver SARS-CoV-2 neutralisieren als bei natürlich entstandener Immunität. Darüber hat Coliquio berichtet.

Zum Hintergrund: Die meisten Patienten mit einer SARS-CoV-2-Infektion bleiben zwar über einen längeren Zeitraum seropositiv. Die Höhe der Antikörpertiter kann aber individuell sehr unterschiedlich sein. Hinzu kommt, dass die z.T. angewandten Testmethoden Schwierigkeiten haben, zirkulierende Antikörper oder die neutralisierende Aktivität korrekt nachzuweisen.

Entscheidend für die Bildung von Antikörpern scheint die Rezeptor-bindende Domäne (RBD) zu sein, mit der das SARS-CoV-2-Spike-Protein an den ACE2-Rezeptor bindet. Hier finden auch die meisten Mutationen statt, die zu neuen besorgniserregenden SARS-CoV-2-Varianten geführt haben.

Die Forscher haben jetzt einen auf Elektrochemilumineszenz basierenden serologischen Test entwickelt, mit der sich mit sehr hoher Sensitivität anti-RBD-Antikörper nach einer Infektion nachweisen und präzise quantifizieren lassen. Die Untersuchung beruht auf 2 Antikörper-Antigen-Interaktionen, was die Selektivität zusätzlich erhöht.

Mit Hilfe des Tests konnten die Forschenden nachweisen, dass Personen nach einer mRNA-Impfung gegen SARS-CoV-2 17-mal höhere RBD-Antikörpertiter aufweisen als Genesene. Dabei war die Neutralisationsfähigkeit eng mit der Höhe der RBD-Antikörperspiegel assoziiert. Die RBD der Omikron-Variante N501Y zeigte eine 5-fach höhere ACE2-Bindung im Vergleich zu den anderen Varianten. Bei allen geimpften Personen zeigte sich eine hohe neutralisierende Effektivität auch gegenüber dieser Variante, während die Neutralisationsfähigkeit bei Genesenen hier deutlich reduziert war.

Moderna stellt Zulassungsantrag für Viertimpfung

Bereits am 17. März hat Moderna bei der US Food and Drug Administration (FDA) einen Antrag eingereicht, um die bestehende Notfallgenehmigung zu ändern. Ziel ist, es Ärzten zu ermöglichen, eine 4. Dosis des COVID-19-Impfstoffs mRNA-1273 an Erwachsene ab 18 Jahren zu verabreichen. Für die 1. bis 3. Dosis kommt jedes zugelassene COVID-19-Vakzin infrage. In Deutschland empfiehlt die STIKO mRNA-Vakzine von Moderna oder BioNTech/Pfizer zur 2. Auffrischimpfung.

Pseudokrupp bei Kindern – eine überraschende Manifestation der Omikron-Variante

Der Omikron-Anstieg hat zu einer bisher unerkannten Komplikation von COVID-19 bei kleinen Kindern geführt. Ärzte des Boston Children’s Hospital beschreiben Pseudokrupp als Krankheitsbild bei 75 Kindern. Entsprechend dem allgemeinen Muster waren die meisten Patienten jünger als 2 Jahre.

9 der 75 Kinder mit COVID-19-assoziiertem Pseudokrupp (12%) mussten stationär behandelt werden; 4 Kinder (5%) benötigten eine Intensivpflege.

Insgesamt wurden 97% der Kinder mit Dexamethason behandelt. Alle, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden, erhielten Epinephrin über einen Vernebler. Patienten, die ins Krankenhaus eingeliefert wurden, benötigten im Mittel 6 Dosen Dexamethason und 8 Epinephrin-Gaben, um ihre Symptome zu kontrollieren. Die Autoren raten Ärzten, auf entsprechende Symptome bei Kindern mit COVID-19 zu achten.

 

Kommentar

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