WHO rät Ukraine zur Vernichtung von Krankheitserregern in nationalen Laboren, um Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern

Jennifer Rigby und Jonathan Landay

Interessenkonflikte

18. März 2022

(Reuters) – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat der Ukraine geraten, Hochrisiko-Pathogene in ihren nationalen Public-Health-Laboratorien zu vernichten, um eine „mögliche Freisetzung“ zu verhindern, die zur Ausbreitung von Krankheiten in der Bevölkerung führen könnte. Dies teilte die WHO am Donnerstag auf Anfrage von Reuters mit.

Experten für Biosicherheit warnen: Die russischen Truppenbewegungen in der Ukraine sowie die Bombardierung von Städten hätten das Risiko erhöht, dass Krankheitserreger entkommen könnten, sollte eine dieser Einrichtungen beschädigt werden.

Wie viele andere Länder ebenfalls, hat auch die Ukraine Labore, in denen untersucht wird, wie sich gefährliche Erkrankungen bei Menschen und Tieren bekämpfen lassen, zuletzt COVID-19. Die Einrichtungen werden von den USA, der Europäischen Union und der WHO gefördert.

Zusammenarbeit zwischen WHO und ukrainischen Laboren

Auf Nachfrage von Reuters zu der Zusammenarbeit mit der Ukraine vor und während der russischen Invasion, antwortete die WHO per E-Mail, dass sie seit mehreren Jahren mit Public-Health-Laboren in der Ukraine zusammenarbeite, um Sicherheitsverfahren zu verbessern, die dabei helfen können „die versehentliche oder vorsätzliche Freisetzung von Pathogenen“ zu verhindern.

„Im Rahmen dieser Zusammenarbeit hat die WHO dem ukrainischen Gesundheitsministerium und anderen verantwortlichen Gremien nachdrücklich empfohlen, Hochrisiko-Pathogene zu vernichten, um eine potenzielle Freisetzung zu vermeiden“, schreibt die WHO weiter.

Die Organisation machte aber keine Angaben dazu, wann diese Empfehlung ausgesprochen wurde und welche Arten von Krankheitserregern oder Toxinen in ukrainischen Laboratorien aufbewahrt werden. Auch Fragen dazu, ob ihren Empfehlungen Folge geleistet wurde, ließ die WHO unbeantwortet. Ukrainische Beamte in Kiew und der Botschaft in Washington standen für einen Kommentar nicht zur Verfügung.

Informationskrieg um angebliche US-Biowaffenlabore in der Ukraine

Die Laborkapazitäten in der Ukraine stehen im Zentrum eines zunehmenden Informationskrieges seit Russland vor 2 Wochen begonnen hat, Truppen in die Ukraine zu verlegen. Am Mittwoch wiederholte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Zakharova, erneut den langjährigen Vorwurf, dass die Vereinigten Staaten in der Ukraine ein Labor für biologische Kriegsführung betreiben, eine Anschuldigung, die sowohl Washington als auch Kiew immer wieder bestritten hatten.

Laut Zakharova sind von russischen Truppen in der Ukraine Dokumente entdeckt worden, die den Versuch zeigen, durch die notfallmäßige Vernichtung von Laborproben „Beweise für ein militärisches Biowaffenprogramm auszuradieren“. Reuters war nicht in der Lage, diese Information unabhängig zu bestätigen.

In Reaktion auf diesen Vorwurf sagte ein Sprecher des ukrainischen Präsidenten: „Die Ukraine bestreitet jegliche solche Anschuldigungen vehement.“

Auch Sprecher der US-Regierung wiesen Zakharovas Vorwürfe entschieden zurück und äußerten die Befürchtung, dass Russland diese Anschuldigungen als Vorwand heranziehen könnte, um eigene chemische oder biologische Waffen einzusetzen.

WHO bietet technische Unterstützung an

Die Stellungnahme der WHO nahm keinen Bezug auf biologische Kriegsführung. Die Organisation gab an, alle Parteien zur Kooperation zu ermutigen, um eine „sichere Entsorgung aller Pathogene, auf die sie möglicherweise stoßen“ sicherzustellen. Falls erforderlich sollte auch nicht gezögert werden, technische Unterstützung anzufordern. Die WHO bot an, wann immer möglich mit technischer Beratung und Koordination zu helfen.

Heute kommt auf Ersuchen Russlands der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zusammen. Bei dem Treffen sollen die Vorwürfe aus Moskau, dass es US-Biowaffen-Aktivitäten in der Ukraine gibt - für die Russland bislang keine Beweise vorgelegt hat -, diskutiert werden.

Der Artikel wurde von Nadine Eckert aus www.medscape.com übersetzt und angepasst.

 

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