Fall: Dieser 42-Jährige ohne bekannte Herzerkrankung wird in der Notaufnahme reanimiert – was war der Auslöser? 

Alfredo Musumeci, Michele Alzetta

Interessenkonflikte

10. März 2022

Diskussion

Der Rhythmusstreifen des EKGs (s. Abb. 2) zeigt eine Torsade-de-pointes-Tachykardie (auch Spitzenumkehrtachykardie oder Spindeltachykardie genannt).

Das initiale EKG (s. Abb. 1) vor dem Auftreten der Torsaden zeigt ein verlängertes QT-Intervall (544 ms) mit einem um die Herzfrequenz korrigierten QT-Intervall (QTc) von 647 ms. Außerdem wurden in den Ableitungen II, III, aVF und V1–V6 gekerbte T-Wellen festgestellt.

Ein verlängertes QT-Intervall ist oft ein Zufallsbefund im EKG asymptomatischer Patienten. Wenn ein Patient hingegen unter Palpitationen, Präsynkopen oder Synkopen leidet oder gar einen Herzstillstand erfährt, sollte ein verlängertes QT-Intervall an eine Torsade de pointes denken lassen.

Eine verlängerte QT-Zeit kann erworben oder auch angeboren sein. Bei der Differenzierung helfen eine gründliche Anamnese und die Medikamentenanamnese.

Das Long-QT-Syndrom (LQTS) ist eine angeborene Störung. Wie der Name suggeriert, zeichnet es sich durch eine abnorme Verlängerung des QT-Intervalls im EKG aus. Diese kommt durch eine genetisch bedingte Ionenkanalerkrankung der Herzmuskelzellen zustande und ist klinisch mit der Neigung zu ventrikulären Tachyarrhythmien verbunden. Patienten sind in der Regel jung und werden von Synkopen überrascht oder erleiden einen plötzlichen Herztod [1,2].

Ein erworbenes verlängertes QT-Intervall kann medikamenteninduziert sein oder durch bestimmte Elektrolytstörungen wie Hypomagnesiämie, Hypokaliämie und Hypokalzämie hervorgerufen werden.

Hier eine Liste von Medikamenten, die für eine QT-Verlängerung verantwortlich gemacht werden: Antiarrhythmika der Klasse 1A wie Chinidin und Procainamid, Antiarrhythmika der Klasse III wie Amiodaron und Sotalol, Antihistaminika (Terfenadin, Astemizol), Makrolid-Antibiotika (Erythromycin, Clarithromycin, Clindamycin), Pentamidin, Serotonin-Rezeptor-Antagonisten (Ketanserin), Diuretika (Indapamid), bestimmte Fluorchinolon-Antibiotika, trizyklische Antidepressiva, Antipsychotika (Phenothiazine, Haloperidol, Mesoridazin, Pimozid, Thioridazin, Ziprasidon), Prokinetika (Cisaprid, Domperidon), Inotropika (Amrinon, Milrinon), Toxine (Organophosphate, Arsen), Proteasehemmer und Methadon [3,4,5,6,7,8,9,10].

Kommentar

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