Floppt Novavax in Deutschland?; Comirnaty®-Schutz sinkt bei Kindern rasch; COVID-19-Leitlinie aktualisiert

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

3. März 2022

Im Medscape-Corona-Newsblog finden Sie regelmäßig die aktuellen Trends zu Neuinfektionen und Belegung von Intensivstationen sowie eine Auswahl von klinisch relevanten Kurzmeldungen zur Pandemie.

Corona-Newsblog, Update vom 3. März 2022

Das Robert Koch-Institut veröffentlicht erneut nur Daten vom Vortag. Am 2. März hatten sich weitere 186.406 Personen mit COVID-19 infiziert (1. März: 122.111 Fälle). Die 7-Tage-Inzidenz liegt aktuell bei 1.171,9 Infektionen pro 100.000 Einwohner (1. März: 1.213,0).

301 Menschen starben in Zusammenhang mit COVID-19. Damit erhöht sich die Zahl der bundesweit gemeldeten Todesfälle auf 123.238.

Als 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz nennt das RKI 6,14 Fälle pro 100.000 Einwohner, Stand 2. März, verglichen mit 5,93 am 1. März.

Laut DIVI-Intensivregister waren am 1. März genau 2.202 COVID-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, sprich 87 weniger als am Vortag. Aktuell sind 868 Betten im Low-Care- und 2.274 im High-Care-Bereich frei. Hinzu kommen 417 freie ECMO-Behandlungsplätze.

  • Hausärzte: Floppt Novavax in Deutschland?

  • BioNTech/Pfizer-Vakzin: Impfschutz bei 5- bis 11-Jährigen gegen Omikron sinkt rasch

  • COVID-19: Leitlinie zur stationären Therapie aktualisiert

  • Onkologie: Keine höhere COVID-19-Mortalität während der Chemotherapie

  • WHO: Mehr Angststörungen und Depressionen im 1. Pandemie-Jahr

  • Deutschland: Höchststand bei Fehltagen durch psychische Erkrankungen

Hausärzte: Floppt Novavax in Deutschland?

Mehr und mehr Bundesländer bieten Impfungen mit dem Vakzin von Novavax an. Die Hoffnungen sind groß. „Wir haben mit dem Novavax-Impfstoff jetzt sicher noch einmal eine neue Möglichkeit, diejenigen von einer Impfung zu überzeugen, die sich bislang gegen mRNA-Impfstoffe entschieden haben“, sagt Generalmajor Carsten Breuer, Leiter des Corona-Krisenstabes der Bundesregierung.

Hausärzte haben daran Zweifel. „In den Praxen gibt es bislang nur vereinzelte Nachfragen von Patientinnen und Patienten zu dem Novavax-Impfstoff“, berichtet der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt. „Nach aktuellem Stand ist es zumindest fraglich, ob der neue Impfstoff zu einer signifikanten Steigerung der Impfquoten führt.“

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sieht das ähnlich: „Man muss … feststellen, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen nicht zu einer hinreichend hohen Impfquote wie in anderen Nachbarländern geführt haben.“ Sein Fazit: „Wir kommen um eine Impfpflicht nicht herum.“

BioNTech/Pfizer-Vakzin: Impfschutz bei 5- bis 11-Jährigen gegen Omikron sinkt rasch

In einem Preprint veröffentlichen Wissenschaftler Ergebnisse einer Kohortenstudie aus den USA. Eingeschlossen wurden Kinder im Alter von 5-17 Jahren. Als Endpunkte definierten Forscher im Labor bestätigte SARS-CoV-2-Infektionen und schweres COVID-19 mit stationärer Therapie während der zunehmenden Verbreitung der Omikron-Variante. Alle Kinder hatten 2 Dosen des Vakzins erhalten.

Zwischen 13. Dezember 2021 und 30. Januar 2022 verringerte sich die Impfeffektivität gegen Infektionen von 66 % (95%-KI 64%-67 %) auf 51% (95%-KI 48 %-54 %) bei 12- bis 17-Jährigen. Und bei 5- bis 11-Jährigen verzeichneten die Autoren einen Rückgang von 68% (95%-KI 63%- 72%) auf 12% (95%-KI 6%-16%). In der Woche vom 24. bis 30. Januar lag die Effektivität für 11-Jährige bei 11% (95 %-KI: -3%-23%) und für 12-Jährige bei 67% (95%-KI 62%-71%).

Die Effektivität gegen Krankenhausaufenthalte sank von 85% (95%-KI 63%-95%) auf 73% (95%-KI 53%-87%) für Kinder zwischen 12 und 17 Jahren und von 100% (95%-KI -189%- 100%) auf 48% (95%-KI -12%-75%) für 5-11-Jährigen.

„In der Omikron-Ära nahm die Wirksamkeit von BNT162b2 bei Kindern, insbesondere bei den 5-11-Jährigen, rasch ab“, so die Autoren. „Die Impfung von Kindern zwischen 5 und 11 Jahren schützt jedoch vor schweren Erkrankungen und wird empfohlen.“

Weiter heißt es im Artikel: „Diese Ergebnisse machen deutlich, dass möglicherweise alternative Impfstoffdosierungen für Kinder untersucht werden müssen und dass ein mehrschichtiger Schutz, einschließlich des Tragens einer Maske, zur Verhinderung einer Infektion und Übertragung weiterhin wichtig ist.“

COVID-19: Leitlinie zur stationären Therapie aktualisiert

Die S3-Leitlinie zur stationären Therapie von COVID-19-Patienten ist aktualisiert, wie Univadis.de berichtet. Neu sind mehrere Empfehlungen zu medikamentösen Therapien, unter anderem für die Frühphase der Erkrankung.

Die wichtigsten Updates:

  • Der monoklonale Antikörper Sotrovimab kann bei Patienten mit COVID-19, bei denen kein Impfschutz und mindestens 1 Risikofaktor für einen schweren Verlauf vorliegt, in der Frühphase der Erkrankung (≤ 5 Tage nach Symptombeginn) eingesetzt werden. Die Dosis liegt einmalig bei 500 mg als intravenöse Injektion.

  • Immunsupprimierte COVID-19-Patienten mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf, bei denen eine relevante Beeinträchtigung der Impfantwort zu erwarten ist, sollten innerhalb von 5 Tagen nach Symptombeginn mit Sotrovimab behandelt werden. Sotrovimab ist auch bei der Omikron-Variante wirksam.

  • Immunsupprimierte Patienten mit COVID-19, bei denen eine relevante Beeinträchtigung der Impfantwort besteht, können Remdesivir erhalten, wenn keine wirksame Therapie mit monoklonalen Antikörpern verfügbar ist.

  • Die Kombination der antiviralen Substanzen Nirmatrelvir/Ritonavir kann bei erwachsenen Patienten, bei denen kein Impfschutz und mindestens ein Risikofaktor für einen schweren Verlauf vorliegt wie Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes, innerhalb der ersten 5 Tage nach Symptombeginn verabreicht werden. Die Dosierung von Nirmatrelvir/Ritonavir beträgt 300 mg/100 mg 2x/Tag p.o. über 5 Tage. Aufgrund des hohen Wechselwirkungspotentials müssen relevante Interaktionen mit bestehender Medikation zwingend vor Therapiebeginn überprüft werden.

  • Molnupiravir kann, wenn keine alternativen Behandlungsmöglichkeiten verfügbar oder klinisch angemessen sind, Patienten mit COVID-19 gegeben werden, wenn kein Impfschutz und mindestens 1 Risikofaktor für einen schweren Verlauf besteht, und zwar innerhalb der ersten 5 Tage nach Symptombeginn. Die Dosierung von Molnupiravir beträgt 2 x 800 mg p.o. für 5 Tage. Eine Schwangerschaft muss ausgeschlossen sein.

Onkologie: Keine höhere COVID-19-Mortalität während der Chemotherapie

Gibt es Assoziationen zwischen COVID-19 und der Sterblichkeit bei Erwachsenen mit verschiedenen Krebsarten, die sich einer aktiven Behandlung unterziehen? Dieser Frage gingen Forscher jetzt nach; Ergebnisse wurden in JAMA Network Open veröffentlicht.

Die Autoren schlossen 2.515 von 2.786 onkologischen Patienten des UK Coronavirus Cancer Monitoring Project (UKCCMP) ein. 1.464 (58%) waren Männer, und das Durchschnittsalter lag bei 72 Jahren. Die Sterblichkeitsrate betrug 38% (966 Patienten).

Die Daten deuten auf einen Zusammenhang zwischen einer höheren Sterblichkeit bei Patienten mit COVID-19 und hämatologischen Neoplasien hin, unabhängig von einer kürzlich durchgeführten systemischen Therapie. Für Patienten mit akuten Leukämien oder mit myelodysplastischem Syndrom nenne die Autoren eine Odds Ratio (OR) von 2,16 (95%-KI 1,30-3,60) und für ein Myelom oder Plasmozytom eine OR von 1,53 (95%-KI 1,04-2,26). Lungenkrebs war ebenfalls signifikant mit einer höheren COVID-19-bedingten Sterblichkeit verbunden (OR 1,58; 95%-KI 1,11-2,25).

„Ein Zusammenhang zwischen höherer Sterblichkeit und einer Chemotherapie in den 4 Wochen vor der COVID-19-Diagnose wurde nach Korrektur der entscheidenden Störfaktoren Alter, Geschlecht und Komorbiditäten nicht festgestellt“, schreiben die Autoren. Sie konnten Assoziationen zwischen einer geringeren Sterblichkeit und einer Immuntherapie in den 4 Wochen vor der COVID-19-Diagnose aufzeigen (Immuntherapie vs. keine Krebstherapie: OR 0,52; 95%-KI 0,31-0,86).

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine kürzlich erfolgte systemische Krebstherapie nicht mit schlechteren Ergebnissen bei einer COVID-19-Infektion verbunden ist“, heißt es als Fazit.

WHO: Mehr Angststörungen und Depressionen im 1. Pandemie-Jahr

Laut Untersuchungen Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat SARS-CoV-2 im 1. Pandemiejahr weltweit zu 25% mehr Angststörungen und Depressionen geführt als in 2019. Die vorliegenden Informationen seien wahrscheinlich nur die Spitze eines Eisbergs, sagt WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. „Dies ist ein Weckruf für alle Länder, sich mehr um die mentale Gesundheit zu kümmern.“

Als Stressfaktoren nennt die WHO die Isolationen während der Lockdowns, aber auch Einsamkeit, Angst vor einer Infektion, vor Krankheit oder Tod und finanzielle Sorgen. Speziell bei Mitarbeitern im Gesundheitswesen sei Erschöpfung ein Auslöser für Suizidgedanken gewesen, so die Weltgesundheitsorganisation.

Deutschland: Höchststand bei Fehltagen durch psychische Erkrankungen

Solche Trends bestätigen sich auch für Deutschland. Die DAK-Gesundheit hat für eine Report Daten von mehr als 2,4 Millionen Beschäftigten ausgewertet.

Dabei zeigte sich: Psychischer Erkrankungen führten in 2021 zu 276 Fehltagen pro 100 Versicherte. Das entspricht einer Steigerung um 41% innerhalb von 10 Jahren. Jede einzelne Krankschreibung aufgrund psychischer Leiden führte im Schnitt zu 39,2 Fehltagen.

Bei Depressionen verzeichnet die DAK-Gesundheit in 2021 mit 108 Fehltagen auf 100 Versicherte gegenüber 2019 einen Anstieg von 2,7%.  Fehlzeiten aufgrund von Anpassungsstörungen haben seit 2019 um fast ein Sechstel zugenommen – auf 69 Fehltage je 100 Versicherte.

Health Professionals waren besonders stark betroffen. Im vergangenen Jahr entfielen im Gesundheitswesen auf 100 Versicherte 397 Fehltage. Das ist rund 44% mehr als im Durchschnitt aller untersuchten Branchen.

„Unser Report zeigt, dass viele Menschen mit psychischen Erkrankungen extrem unter den anhaltenden Belastungen der Pandemie leiden“, so die Einschätzung von Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. „Die Betroffenen finden aktuell auch schwerer wieder in ihren Berufsalltag zurück.“ Das habe viel mit den besonderen Arbeitsbedingungen unter Corona zu tun, aber auch mit Stigmatisierung.

 

Kommentar

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