Mortalität unter Omikron um 67% niedriger als unter Delta; RKI streicht alle Hochrisikogebiete

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

2. März 2022

Im Medscape-Corona-Newsblog finden Sie regelmäßig die aktuellen Trends zu Neuinfektionen und Belegung von Intensivstationen sowie eine Auswahl von klinisch relevanten Kurzmeldungen zur Pandemie.

Corona-Newsblog, Update vom 2. März 2022

Das Robert Koch-Institut meldet bislang nur Daten vom 1. März. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich weitere 122.111 Personen mit COVID-19 infiziert (Vortag: 62.349 Fälle). Verzerrungen durch das Wochenende sind hier nicht auszuschließen. Die 7-Tage-Inzidenz liegt aktuell bei 1.213,0 Infektionen pro 100.000 Einwohner (Vortag: 1.238,2).

235 Menschen starben in Zusammenhang mit COVID-19. Damit erhöht sich die Zahl der bundesweit gemeldeten Todesfälle auf 121.937.

Als 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz nennt das RKI 5,93 Fälle pro 100.000 Einwohner, Stand 1. März, verglichen mit 6,08 am 28. Februar.

Laut DIVI-Intensivregister waren am 1. März genau 2.489 Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, sprich 5 mehr als am Vortag. Aktuell sind 915 Betten im Low-Care- und 2.268 im High-Care-Bereich frei. Hinzu kommen 438 freie ECMO-Behandlungsplätze.

  • RKI streicht alle Hochrisikogebiete von der offiziellen Liste

  • Deutschland: Immer noch viele Ungeimpfte

  • PCR-Tests: Sinkende Belastung der Labore

  • UK-Statistik: Mortalitätsrisiko unter Omikron 67% niedriger als unter Delta

  • Neue Daten: mRNA-Vakzine verhindern lebensbedrohliches COVID-19 auch bei Jugendlichen

  • Ursprung von SARS-CoV-2: Neue Publikationen bestätigen alte Vermutungen

RKI streicht alle Hochrisikogebiete von der offiziellen Liste

„Mit verbreitetem Auftreten der Omikron-Variante zeigt sich, dass die Fähigkeit dieser Variante eine bedrohliche Erkrankung hervorzurufen, weniger schwerwiegend ist im Vergleich zu den vorherigen vorherrschenden Varianten“, schreibt das RKI. Die Konsequenz: Ab Donnerstag gelten mit Inkrafttreten der „Dritten Änderungsverordnung der Coronavirus-Einreiseverordnung“ keine Staaten oder Regionen mehr als Hochrisikogebiete. Quarantäne-Bestimmungen für Personen ohne Impfschutz entfallend damit.

Deutschland: Immer noch viele Ungeimpfte

In Deutschland sind mindestens 62,7 Millionen Menschen (75,4 % der Bevölkerung) grundimmunisiert und mindestens 47,4 Millionen (57,0 %) haben zusätzlich eine Auffrischungsimpfung erhalten, Stand 28. Februar.

Dennoch bleibt als Problem: Aktuell sind 19,7 Millionen Einwohner (23,7 % der Bevölkerung) nicht geimpft. Für 4,0 Millionen Babys und Kleinkinder im Alter von 0 bis 4 Jahren (4,8 %) gibt es noch kein zugelassenes Vakzin.

Impfzentren bieten in etlichen Bundesländern mittlerweile das Novavax-Vakzin an. Ob sich der Anteil Ungeimpfter dadurch verringern wird, wie einige Gesundheitspolitiker spekulieren, bleibt abzuwarten.

PCR-Tests: Sinkende Belastung der Labore

Die Anzahl der PCR-Tests entwickelte sich laut den Akkreditierten Laboren in der Medizin (ALM) weiter rückläufig. Eine Erhebung mit 182 teilnehmenden Laboren, durchgeführt zwischen dem 21. und dem 27. Februar, hat ergeben, dass 8% weniger Tests als in der Vorwoche durchgeführt worden sind. Allerdings bleibt die Positivrate mit 45,6% nahezu unverändert hoch (Vorwoche: 46,4%). Die Auslastung der Labore lag im bundesweiten bei 67%.

„Jetzt kann auch die Fokussierung bzw. Priorisierung der Testungen wieder aufgehoben werden und entsprechend der Nationalen Teststrategie anlassbezogen und niedrigschwellig getestet werden“, fordert der 1. Vorsitzende der ALM, Dr. Michael Müller. „Das gilt vor allem für symptomatische Personen mit Risiko für einen schweren Verlauf, die in jedem Falle mit der SARS-CoV-2-PCR zu untersuchen sind.“

UK-Statistik: Mortalitätsrisiko unter Omikron 67% niedriger als unter Delta

Das Office for National Statistics, Großbritanniens Statistikbehörde, hat Daten der Sterberegister ausgewertet. Im Rahmen ihrer Analyse verglichen Wissenschaftler das Sterberisiko in Zusammenhang mit COVID-19 für Personen, die sich zwischen 1. und 31. Dezember 2021 mit der Omikron-Variante infiziert hatten, mit Personen, die mit der Delta-Variante infiziert worden waren.

Die Studienpopulation umfasste 1.035.163 Personen, die im Dezember 2021 in Großbritannien positiv auf COVID-19 getestet worden waren. Sie deckte 36,7% aller positiven Tests im Dezember 2021 ab. In der Kohorte hatten 78,6% der Patienten Omikron- und 21,4% Delta-Infektionen.

Insgesamt traten 128 Todesfälle mit COVID-19 und 53 Todesfälle ohne COVID-19 bei Omikron-Infizierten auf. Bei Delta-Infizierten waren es 189 bzw. 28 Todesfälle.

Das Sterberisiko war nach einer Omikron-Infektion um 67% geringer als nach einer Delta-Infektion. Der Unterschied zwischen Omikron und Delta variierte je nach Alter, wobei die Risikominderung bei den 18- bis 59-Jährigen (87%) und den 60- bis 69-Jährigen (86%) größer war als bei den Über-70-Jährigen (55%).

Über alle Altersklassen gemittelt wurde bei Männern eine stärkere Verringerung des Sterberisikos als bei Frauen beobachtet (75% versus 56%).

Neue Daten: mRNA-Vakzine verhindern lebensbedrohliches COVID-19 auch bei Jugendlichen

2 Impfungen mit der SARS-CoV-2-mRNA-Vakzine von BioNTech/Pfizer schützen Jugendliche im Alter von 12-18 Jahren sehr effektiv vor intensivpflichtigen und lebensbedrohlichen COVID-19-Erkrankungen, wie Univadis.de berichtet.

In placebokontrollierten Studien als Grundlage für Zulassungen bei Jugendlichen ab 12 Jahren wurde zwar nachgewiesen, dass 2 Impfungen effektiv vor symptomatischen COVID-19-Infektionen schützen. Schwere COVID-19-Erkrankungen wurden allerdings gar nicht beobachtet, weder in der Verum- noch in der Placebogruppe. Das hatte Forscher insofern nicht überrascht, als SARS-CoV-2-Infektionen bei Jugendlichen selten eine Intensivtherapie oder lebenserhaltende Maßnahmen erfordern.

Mit der starken Ausbreitung der Deltavariante in den USA ist auch unter Jugendlichen eine Fall-Kontroll-Studie zum Schutz der Vakzine vor schweren Verläufen möglich geworden. Eingeschlossen wurden 445 Jugendlichen (12 bis 18 Jahre), die zwischen Juli und Oktober 2021 wegen COVID-19 stationär behandelt wurden. Als Kontrollen kamen 777 jugendlichen Krankenhauspatienten ohne COVID-19 mit hinzu.

Nur 4% der COVID-19-Fallpatienten waren vollständig geimpft, aber 36% der Kontrollpatienten. Von 445 Fallpatienten mussten 180 (40%) auf der Intensivstation behandelt werden, und 29 % benötigten lebenserhaltende Maßnahmen. In der Fallgruppe waren nur 2 Patienten mit intensivmedizinischer Versorgung vollständig geimpft. 7 Patienten aus der Fallgruppe starben, alle waren ungeimpft.

Die Effektivität der SARS-Vakzine zur Verhinderung einer stationären Therapie wegen COVID-19 betrug 95% und der Schutz vor intensivmedizinischer Behandlung oder lebenserhaltenden Maßnahmen lag bei jeweils 98%.

Ursprung von SARS-CoV-2: Neue Publikationen bestätigen alte Vermutungen

Die Ursprünge des neuartigen Coronavirus werfen immer noch Fragen auf. Nature hat in einem journalistischen Beitrag mehrere Publikationen zusammengefasst, darunter 3 aktuelle Studien.

Analysen erhärten den ursprünglichen Verdacht, dass die Pandemie auf dem Huanan Seafood Wholesale Market ihren Ursprung hatte, den viele der frühesten SARS-CoV-2-Infizierten besucht hatten. In Preprints berichten Forscher über genetische Analysen von Proben, die im Dezember 2019 und Januar 2020 auf dem Markt und von infizierten Personen gesammelt wurden. Hinzu kommen Geolokalisierungsanalysen, die viele der Proben mit einem bestimmten Abschnitt des Marktes in Verbindung bringt. Dort wurden lebende Tiere verkauft

„Zusammengenommen deuten diese Beweislinien darauf hin, dass der Markt die Quelle des Ausbruchs ist – eine Situation, die derjenigen ähnelt, die bei der Epidemie des schweren akuten respiratorischen Syndroms (SARS) in den Jahren 2002-04 beobachtet wurde“, schreibt Kristian Andersen, Virologe am Scripps Research Institute in La Jolla, Kalifornien. Auch damals habe sich herausgestellt, dass Tiermärkte der Ausgangspunkt gewesen seien.

Keine der Studien liefert jedoch endgültige Beweise dafür, welche Art von Tier das Virus beherbergt haben könnte, bevor es sich auf den Menschen ausbreitete. Andersen spekuliert, dass die Schuldigen Marderhunde sein könnten: hundeähnliche Säugetiere, die in China verspeist werden, aber auch als Pelztiere beliebt sind.

Eine der von Andersen mitverfassten Studien deutet darauf hin, dass Marderhunde in einem Bereich des Marktes verkauft wurden, in dem mehrere positive Proben gesammelt wurden. Weitere Berichte zeigen, dass die Tiere andere Arten von Coronaviren beherbergen.

Andersen spekuliert, dass Marderhunde auf einer Farm infiziert worden sein könnten. Die Tiere seien dann im November oder Dezember 2019 auf den Märkten in Wuhan verkauft worden und hätten Menschen infiziert.

 

Kommentar

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