Mammographie: Nutzen schon ab 45; Krebsrisiko durch Fleisch und Alkohol; hohe Rezidivrate beim Merkelzell-Karzinom

Dr. Susanne Heinzl

Interessenkonflikte

1. März 2022

Im Onko-Blog dieser Woche geht es unter anderem um die Veränderung von Altersgrenzen beim Mammographie-Screening, um sinkende Krebs-bedingte Sterberaten und um Faktoren, die mit einem erhöhten Krebsrisiko assoziiert sind. Hierzu gehören beispielsweise hoher Fleischkonsum, aber auch Alkohol, der bereits in geringen Mengen nicht unbedenklich ist.

  • Brustkrebs: Spätes Rezidiv – bessere Prognose

  • Mammografie-Screening: Vorteile ab 70 Jahren noch unklar – laut IQWiG

  • Merkelzell-Karzinom: Häufiger Rezidive als bei anderen Hautkrebs-Erkrankungen

  • Krebs: Sinkende Sterberaten, vor allem beim Ovarialkarzinom

  • Krebsrisiko: Ernährung mit wenig oder ohne Fleisch mit geringerem Erkrankungsrisiko assoziiert

  • Krebsrisiko: Alkohol auch in geringen Mengen nicht unbedenklich

Brustkrebs: Spätes Rezidiv – bessere Prognose

Frauen mit Mammakarzinom, bei denen erst mehr als 10 Jahre nach der Erstdiagnose ein Rezidiv auftritt, haben eine günstigere Prognose als Frauen mit früher auftretenden Rezidiven. Wichtigster Faktor für einen Brustkrebs-assoziierten Tod war die Lokalisation des Rezidivs, so eine dänische Analyse, publiziert im Journal of Clinical Oncology .

Mit landesweiten Datenbanken identifizierte die Arbeitsgruppe Frauen mit einem frühen oder späten Brustkrebs-Rezidiv und beobachtete sie bis zu 10 Jahre.

Von 2.004 Patientinnen mit Spätrezidiv starben 721 an Brustkrebs mit einer medianen Überlebenszeit von 10 Jahren (Sterblichkeitsrate 84,8/1.000 Personenjahre, kumulative 10-Jahres-Sterblichkeit 50%). Bei den 1.528 Patientinnen mit frühem Rezidiv kam es zu 1.092 Todesfällen durch Brustkrebs mit einer medianen Überlebenszeit von 4 Jahren (Sterblichkeitsrate 173,9/1.000 Personenjahre, kumulative 10-Jahres-Sterblichkeit 72%).

Das Risiko für einen Brustkrebs-bedingten Tod war bei spätem Rezidiv um 28% geringer als bei frühem Rezidiv (Hazard Ratio: 0,72).

Ein fortgeschrittenes Stadium bei Erstdiagnose, Fernmetastasen, eine adjuvante Behandlung bei lokoregionärem Rezidiv und systemische Behandlung bei Fernmetastasen waren mit einer erhöhten Sterblichkeit nach spätem Rezidiv verbunden.

Brusterhaltende Operationen bei Primärdiagnose, lokoregionäre Rezidive und Rezidivoperationen waren mit einer geringeren Sterblichkeit nach spätem Rezidiv assoziiert. In weiteren Studien sollte die Biologie des frühen und späten Rezidivs weiter untersucht werden.

Mammografie-Screening: Vorteile ab 70 Jahren noch unklar – laut IQWiG

Bei Frauen zwischen 45 und 49 Jahren überwiegen die Vorteile eines Screenings auf Brustkrebs. Bei Frauen ab 70 Jahren ist der Effekt noch unklar, so ein Vorbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen ( IQWiG ) zur Überprüfung der Altersgrenzen. Stellungnahmen zu diesem Bericht sind bis zum 23. März 2022 möglich.

In Deutschland wird seit 2005 jede Frau zwischen 50 und 69 Jahren alle 2 Jahre zur Teilnahme am Mammografie-Screening eingeladen. Im März 2021 hat die EU-Kommission die europäische Brustkrebsleitlinie aktualisiert. Die EU-Leitlinie empfiehlt seitdem, auch Frauen zwischen 45 und 49 Jahren sowie zwischen 70 und 74 Jahren in ein Brustkrebs-Früherkennungsprogramm einzubeziehen.

Ob und in welchem Maße auch Frauen zwischen 45 und 49 Jahren und Frauen, die 70 Jahre und älter sind, von einem regelmäßigen Screening auf Brustkrebs profitieren könnten, untersucht das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) in einer Nutzenbewertung.

Das vorläufiges Ergebnis lautet: Für die Altersgruppe der 45- bis 49-Jährigen sieht das IQWiG insgesamt einen Anhaltspunkt für einen Nutzen des Mammografie-Screenings im Vergleich zu keinem Screening. Möglichen Schäden durch falsch-positive Befunde oder Überdiagnosen steht ein Überlebensvorteil gegenüber, der überwiegt. Bei Frauen ab 70 Jahren ist dieser Effekt wegen unzureichender Daten nicht belegt. Jedoch verspricht eine laufende große randomisierte kontrollierte Studie (AgeX) etwa Mitte der 2020er-Jahre zusätzliche aussagekräftige Daten.

Merkelzell-Karzinom: Häufiger Rezidive als bei anderen Hautkrebs-Erkrankungen

Das Merkelzell-Karzinom hat mit rund 40% eine deutlich höhere 5-Jahres-Rezidivrate als ein invasives Melanom mit 19%, ein Plattenepithelkarzinom mit 5 bis 9% oder ein Basalzellkarzinom mit 1 bis 2%. Dies ergab eine prospektive Kohortenstudie, die eine amerikanische Arbeitsgruppe in JAMA Dermatology publiziert hat.

Sie schloss 618 Patienten im medianen Alter von 69 Jahren mit Merkelzell-Karzinom ein. Die 5-Jahres-Rezidivrate lag bei 40%. Das Rezidivrisiko war im ersten Jahr am höchsten und nahm mit dem Erkrankungsstadium zu. Insgesamt traten 95% der Rezidive in den ersten 3 Jahren auf. Daher sollten die Patienten mit Merkelzell-Karzinom in den ersten Jahren besonders sorgfältig überwacht werden.

Neben dem Erkrankungsstadium war das Rezidivrisiko höher bei Immunsuppression, Männern, bekannter Primärläsion bei Patienten mit klinisch nachweisbarer nodaler Erkrankung sowie bei höherem Lebensalter.

Krebs: Sinkende Sterberaten, vor allem beim Ovarialkarzinom

Eine italienische Arbeitsgruppe prognostiziert weiter sinkende Sterberaten an Krebs. Insbesondere die Sterberaten bei Frauen, die an einem Ovarialkarzinom erkrankt sind, werden im Jahr 2022 im Vergleich zu 2017 in der EU um 7% und im UK um 17% sinken, so ihre Prognose in Annals of Oncology .  

Die italienische Arbeitsgruppe analysiert jährlich die Krebssterberaten für die EU-Mitgliedsstaaten sowie das frühere EU-Mitglied Großbritannien.

Ihr aktuelles Ergebnis: Im Jahr 2022 wird es in der EU und Großbritannien 1.446.000 Todesfälle durch Krebs geben (1.269.200 in der EU und 176.800 im Großbritannien). Dies entspricht einem Rückgang von 6% bei Männern (126,9 Todesfälle/100.000) und 4% bei Frauen (80,2/100.000) in der EU seit 2017 und 7% (113,2/100.000) bei Männern und 6% (87,6/100.000) bei Frauen in Großbritannien.

Die sinkenden Raten beim Ovarialkarzinom könnten nach Aussage der Autoren auf die langfristige Einnahme oraler Kontrazeptiva zurückzuführen sein. Auch Verbesserungen in Diagnose und Therapie tragen zu diesem günstigen Trend bei.

Anders sieht es beim Pankreaskarzinom aus, bei dem die Sterblichkeitsraten bei Frauen in der EU weiter steigen (plus 3,4%), bei Männern kaum verändert sind (minus 0,7%). Damit hat das Pankreaskarzinom den Brustkrebs als dritthäufigste krebsbedingte Todesursache in der EU überholt.

Die Arbeitsgruppe raten jedoch zur Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse, weil sie möglicherweise durch die COVID-19-Pandemie beeinflusst sind.

Krebsrisiko: Ernährung mit wenig oder ohne Fleisch mit geringerem Erkrankungsrisiko assoziiert

Ein Fleischkonsum von maximal 5-mal pro Woche ist mit einem um 2% geringeren Krebsrisiko assoziiert als ein häufigerer Verzehr. Dies stellte eine Arbeitsgruppe aus Oxford anhand der Analyse von Daten aus der UK-Biobank fest, wie sie in BMC Medicine berichtete.

Die Arbeitsgruppe analysierten die Daten von 472.377 britischen Erwachsenen im Alter zwischen 40 und 70 Jahren. Sie hatten ihren Fisch- und Fleischkonsum berichtet und die Forscher errechneten die Häufigkeit neuer Krebserkrankungen, die sich über durchschnittlich 11 Jahre entwickelten.

247.571 (52%) der Teilnehmer aßen mehr als 5-mal pro Woche Fleisch, 205.382 (44%) der Teilnehmer nahmen maximal 5-mal Fleisch pro Woche zu sich, 10.696 (2%) aßen Fisch, aber kein Fleisch, und 8.685 (2%) waren Vegetarier.

Nach einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 11,4 Jahren identifizierten die Forscher 54.961 Krebserkrankungen. Im Vergleich zu normalen Fleischessern war eine vegetarische Ernährung mit einem um 14%, Fischverzehr mit einem um 4% und geringerer Fleischverzehr mit einem um 2% geringeren Risiko für alle Krebserkrankungen assoziiert.

Ein geringerer Fleischverzehr war mit einem um 9% geringeren Darmkrebsrisiko assoziiert. Bei Männern war der Verzehr von Fisch mit einem um 20% und eine vegetarische Ernährung mit einem um 31% geringeren Risiko für ein Prostatakarzinom verbunden im Vergleich zu höherem Fleischkonsum.

Frauen nach der Menopause, die sich vegetarisch ernährten, hatten ein um 18% geringeres Brustkrebsrisiko als Frauen, die mehr als 5-mal pro Woche Fleisch aßen. Dies könnte jedoch auch darauf zurückzuführen sein, dass vegetarisch lebende Frauen tendenziell einen niedrigeren Body-Mass-Index (BMI) haben als Frauen, die Fleisch essen.

Die Forscher weisen darauf hin, dass die Ergebnisse dieser Analyse keine Rückschlüsse auf einen kausalen Zusammenhang zwischen Ernährung und Krebsrisiko zulassen.

Krebsrisiko: Alkohol auch in geringen Mengen nicht unbedenklich

Es ist zwar nicht ganz neu, möglicherweise stimuliert aber die Faschingszeit das DKFZ dazu, in einer Pressemitteilung einmal mehr daran zu erinnern, dass bereits geringe Mengen an Alkohol das Risiko u.a. für Brustkrebs erhöhen können.

In Deutschland gelten annähernd 8 von 100 Brustkrebserkrankungen als alkoholbedingt. Schon der regelmäßige Konsum von einem alkoholischen Getränk pro Tag steigert das Risiko, im Laufe des Lebens an Brustkrebs zu erkranken. Die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) empfiehlt, den Alkoholkonsum, wenn nicht ganz, dann auf unter 10 g reinen Alkohol pro Tag zu begrenzen – das entspricht zum Beispiel einem kleinen Glas Sekt. Außerdem sollte 2 bis 3 Tage pro Woche ganz auf Alkohol verzichtet werden.

Wie genau Alkohol die Entstehung von Brustkrebs beeinflusst, wird noch erforscht. Vermutet wird, dass Alkohol unter anderem die Spiegel der zirkulierenden Geschlechtshormone beeinflusst.

Für verschiedene Krebsarten gibt es vermutlich unterschiedliche Entstehungsmechanismen durch Alkohol. Grundsätzlich wird vermutet, dass Acetaldehyd, aber auch andere Abbauprodukte aufgrund ihrer großen Reaktionsfähigkeit sehr leicht Bindungen mit anderen Molekülen eingehen, darunter auch mit Bausteinen der DNA. Dadurch kann es zu Mutationen kommen, die langfristig Krebs auslösen können. Möglich sind auch Veränderungen, die das Ablesen der Gene beeinflussen und so die Krebsentstehung fördern können.

„Wichtig zu wissen: Wer zusätzlich raucht, hat ein noch größeres Erkrankungsrisiko, denn auch Tabakkonsum erhöht wahrscheinlich das Brustkrebsrisiko und verstärkt die krebserzeugende Wirkung“, so Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums.

 

Kommentar

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