Gute Luft hält jung im Kopf: Studie zeigt, wie die Luftverschmutzung mit dem Demenzrisiko von Frauen assoziiert ist

Nadine Eckert

Interessenkonflikte

28. Februar 2022

Eine Verbesserung der Luftqualität ist bei Frauen offenbar mit einem langsameren kognitiven Verfall assoziiert. In Regionen, in denen die Luftverschmutzung abnahm, schnitten Frauen bei Kognitionstests im Schnitt 1,5 Jahre jünger ab, wie eine Studie in PLOS Medicine zeigt.

Verschiedene Studien haben bereits gezeigt, dass Menschen, die im höheren Alter einer stärkeren Luftverschmutzung ausgesetzt sind, ein höheres Demenzrisiko haben könnten. „Aber ob die Luftqualität auch mit der kognitiven Veränderung assoziiert ist, war unklar“, erklärt der Essener Geriater und Demenzspezialist der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Prof. Dr. Richard Dodel, auf Nachfrage von Medscape.

Kognitionstests und Feinstaubmessungen

Die US-Forscherin Dr. Diana Younan von der University of Southern California und ihre Kollegen untersuchten diese Frage in einer Kohorte von 2232 älteren, demenzfreien Frauen. Die Studienteilnehmerinnen nahmen zweimal jährlich an Kognitionstests teil. Gleichzeitig wurde gemessen, wie sich die Luftqualität in den Heimatregionen der Frauen im Laufe der Zeit veränderte. Als Parameter hierfür dienten die Konzentrationen an Feinstaub mit einer Partikelgröße unter 2,5 µm (PM2,5) und Stickstoffdioxid (NO2).

Zur Ermittlung kognitiver Veränderungen nutzten die Forscher das modifizierte Telephone Interview for Cognitive Status (TICSm) und den ebenfalls telefonbasierten California Verbal Learning Test (CVLT).

Langsamere Verschlechterung bei besserer Luftqualität

Sowohl hinsichtlich PM2,5 als auch NO2 habe sich die Luftqualität in den 10 Jahren vor Einschluss in die Studie signifikant verbessert. Während einer Nachbeobachtung von im Median 6,2 Jahren waren sowohl Abnahmen beim allgemeinen kognitiven Status als auch beim episodischen Gedächtnis zu verzeichnen.

In Regionen, in denen sich die Luftqualität stärker verbesserte, habe sich die Kognition der Frauen tendenziell langsamer verschlechtert, berichten die Studienautoren um Younan. Abhängig vom Test entsprach die Reduktion der kognitiven Verschlechterung einem etwa um 1,5 Jahre jüngeren Lebensalter. Beim TICSm waren es 0,9-1,2 Jahre und beim CVLT 1,4-1,6 Jahre.

Auch nach Berücksichtigung von anderen Faktoren, die die Kognition beeinflussen können, wie Alter, Region, Bildung, ApoE-E4-Genotypen und kardiovaskulären Risikofaktoren, blieben diese Unterschiede erhalten.

Kausalität muss noch gezeigt werden

„Unsere Ergebnisse allein beweisen keine Kausalität“, schreiben Younan und ihre Kollegen. „Aber zusammen mit anderer Evidenz aus weiteren klinischen Studien und Tiermodellen stärken unsere Daten die Evidenz dafür, dass die Exposition gegenüber Luftverschmutzung im höheren Alter zum Fortschreiten der kognitiven Alterung beiträgt.“

 
Unsere Daten [stärken] die Evidenz dafür, dass die Exposition gegenüber Luftverschmutzung im höheren Alter zum Fortschreiten der kognitiven Alterung beiträgt. Dr. Diana Younan und Kollegen
 

„Es ist bekannt, dass sauberere Luft die Gesundheit von Herz und Lunge verbessern und das Sterberisiko senken kann. Die neuen Daten zeigen, dass eine Verbesserung der Luftqualität auch das Gehirn gesünder halten könnte“, ergänzt Dodel.

Offene Fragen bleiben, aber Handlungsbedarf ist klar

Die bisher vorliegenden Studien lassen noch Fragen zum Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und kognitiver Verschlechterung bzw. Demenz offen. Die in der Studie von Younan gefundene Assoziation müsse zum Beispiel noch bei Männern repliziert werden, so Dodel.

 
Wir müssen uns offensichtlich mehr Gedanken um unsere Luft machen, nicht nur wegen des Klimawandels, sondern auch wegen der körperlichen und geistigen Gesundheit Prof. Dr. Richard Dodel
 

Für PM2,5 als auch NO2 sei dies zwar noch nicht gezeigt worden, aber „wir wissen, dass das weibliche Gehirn oftmals empfindlicher ist, traumatische Ereignisse, etwa bei Boxerinnen oder verschiedenen Kontaktsportarten, sind bei Frauen meistens schwerer ausgeprägt“.

Aber eines ist für den Essener Geriater klar: „Wir müssen uns offensichtlich mehr Gedanken um unsere Luft machen, nicht nur wegen des Klimawandels, sondern auch wegen der körperlichen und geistigen Gesundheit.“

 

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....