Psoriasis bei Kindern und bei Jugendlichen erkennen: Die 7 besten Diagnosekriterien des International Psoriasis Council

Marie Fahrenhold

Interessenkonflikte

28. Februar 2022

In Deutschland leiden rund 120.000 Kinder und Jugendliche an Psoriasis. Differenzialdiagnostisch bedeutsame Dermatosen wie die atopische Dermatitis oder Tinea corporis sind wesentlich häufiger – mit der Folge, dass die Schuppenflechte in dieser Altersgruppe nicht selten fehldiagnostiziert wird. Das International Psoriasis Council hat nun klinische Merkmale identifiziert, die bei jungen Patienten mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Psoriasis hindeuten [1]

Fehlende Krankheitsdefinition 

Das Problem: Bislang gibt es keine standardisierte Krankheitsdefinition der Psoriasis im Kindes- und Jugendalter. Dabei ist eine zuverlässige Diagnose sowie eine frühzeitige und gezielte Behandlung insbesondere bei dieser Altersgruppe unerlässlich – die Prävalenz für Adipositas, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen und Hypertonie ist bei Kindern mit Psoriasis 2-fach erhöht; das Risiko, eine Angststörung zu entwickeln, bei 8- bis 12-jährigen sogar um das 9-Fache.

Zwar ähnelt das klinische Bild der Schuppenflechte mit den charakteristischen erythematosquamösen Plaques grundsätzlich dem der Erwachsenen, die Läsionen präsentieren sich aber oft subtiler oder manifestieren sich an anderen Körperregionen.

Diagnosekriterien des International Psoriasis Council

Ein Team um Esther Burden-Teh vom Zentrum für evidenzbasierte Dermatologie in Nottingham, England, hat gemeinsam mit dem International Psoriasis Council versucht, diese Lücke in der Primär- und Sekundärversorgung junger Patientinnen und Patienten zu schließen und einen verbesserten Bewertungsalgorithmus für die Diagnose der Psoriasis für unter 18-Jährige zu eruiert. 

Im Rahmen der multizentrischen Fall-Kontroll-Studie DIPSOC haben sie die diagnostische Genauigkeit der bereits 2019 in einem Konsens vereinbarten Haupt- und Nebenkriterien für Plaque-Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen erneut überprüft und mittels multivariater Analyse eine engere Auswahlliste der besten diagnostischen Kriterien erstellt. 

Auch verdeckte Körperregionen untersuchen

Die 2019 empfohlenen Kriterien erreichten allesamt eine gute diagnostische Genauigkeit. Die damals als Hauptkriterien definierten Merkmale sind:

  • Schuppige, erythematöse Plaques an den Ellbogen- und Kniebeugen, 

  • schuppige, erythematöse Plaques am Rumpf, ausgelöst durch Halsschmerzen und andere Infektionen,

  • für die Psoriasis guttata typische Regentropfenplaques am Rumpf oder an den Gliedmaßen 

Sie wiesen in der aktuellen Analyse jedoch keine ausreichende Spezifität und Sensitivität auf, um auch weiterhin als Hauptkriterien eingestuft zu werden. 

Stattdessen wurden folgende 7 Merkmale als beste Diagnosekriterien identifiziert, bei deren Auftreten eine Psoriasis erwogen werden sollte:

  • Schuppen und Erytheme auf der Kopfhaut und/oder am Haaransatz,

  • schuppiges Erythem im äußeren Gehörgang,

  • anhaltender, gut abgegrenzter, erythematöser, schuppiger Ausschlag am gesamten Körper,

  • anhaltendes Erythem im Nabel,

  • schuppige, erythematöse Plaques an Ellbogen- und/oder Kniebeugen,

  • gut abgegrenzter, erythematöser Ausschlag im Windelbereich mit Beteiligung der Unterschenkelfalte,

  • positive Familienanamnese.

Das Team um Burden-Teh geht davon aus, dass bei Vorliegen von 3 oder mehr dieser Merkmale bei Patientinnen und Patienten zwischen 0 und 18 Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Psoriasis vorliegt. Dabei sei dringend darauf zu achten, dass auch Körperstellen untersucht würden, die meist von Kleidung oder Haaren verdeckt seien, etwa der Nabel oder der äußere Gehörgang, schreiben die Autoren. 

Forschungsdefizit für junge Altersgruppen

Bislang gibt es nur wenig validierte klinische Diagnosekriterien für die Psoriasis bei jungen Patienten: den Autoren zufolge ein weiterer Beweis dafür, dass der Entwicklung standardisierter Diagnosetools für Hauterkrankungen insgesamt zu wenig Priorität eingeräumt werde. 

Durch vermehrte Forschung und globales Data-Sharing (Global Psoriasis Atlas) wird dieses Defizit zumindest für die Psoriasis im Erwachsenenalter mittlerweile angegangen und das Verständnis der chronisch-entzündlichen Hauterkrankung kontinuierlich verbessert. 

Für Kinder und Jugendliche, deren Psoriasis und damit assoziierte Komorbiditäten wie Adipositas, Diabetes melitus, Depressionen oder Psoriasis-Arthritis über viele Jahre und bis ins Erwachsenenalter andauern können, sei intensivere Forschung dringend nötig, resümieren die Wissenschaftler aus Nottingham. Die DIPSOC-Studie sei in diesem Sinne als Entwicklungsstudie konzipiert und ein vielversprechender erster Schritt.

Die Wahl des Studiendesigns als Fall-Kontroll-Studie mit einer Rekrutierung aus der Sekundärversorgung habe vermutlich sowohl eine Selektions- als auch eine Spektrumsverzerrung eingeführt, die zu einer Überschätzung der diagnostischen Genauigkeit geführt haben könnte, heißt es weiter. 

Der Artikel ist im Original erschienen auf Coliquio.de.

 

Kommentar

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