Forscher warnen vor größerer Gefahr durch die Omikron-Variante BA.2 – doch ihre Ergebnisse werden kontrovers diskutiert

Ralph Ellis

Interessenkonflikte

24. Februar 2022

Die Omikron-Subvariante BA.2, ist nicht nur wie bekannt leichter übertragbar als der ursprüngliche Omikron-Stamm BA.1, sondern kann auch schwereres COVID-19 verursachen. Das vermuten japanische Forscher um Daichi Yamasoba, Universität Tokyo, auf Grundlage einer Laborstudie.

„Unsere multiskaligen Untersuchungen deuten darauf hin, dass das Risiko von BA.2 für die globale Gesundheit potenziell höher ist als das von BA.1“, schreiben sie in einem Preprint. Ihre Veröffentlichung wurde noch nicht von Fachleuten begutachtet.

Höhere Pathogenität, stärkere Immunflucht

Die Wissenschaftler infizierten Hamster mit BA.1 und BA.2. Die mit BA.2 infizierten Hamster wurden kränker, hatten mehr Lungenschäden und verloren stärker an Körpergewicht. Die Ergebnisse waren ähnlich, wenn Mäuse mit BA.1 und BA.2 infiziert wurden. Daraus leiten Forscher eine höhere Pathogenität von BA.2 ab.

Sowohl BA.1 als auch BA.2 scheinen sich der durch COVID-19-Impfstoffe erzeugten Immunität zu entziehen. Eine Auffrischungsimpfung mache jedoch eine Erkrankung nach der Infektion um 74% unwahrscheinlicher, berichtet CNN.

Darüber hinaus hatten therapeutische monoklonale Antikörper, die zur Behandlung von COVID-Infizierten eingesetzt werden, keine große Wirkung auf BA.2.

BA.2 erweise sich zudem im Vergleich zum ursprünglichen B.1.1-Virus „fast vollständig resistent“ gegen Casirivimab und Imdevimab und 35-mal resistenter gegen Sotrovimab“, schreiben die Forscher.

„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unsere Daten die Möglichkeit nahelegen, dass BA.2 die für die globale Gesundheit am meisten besorgniserregende Variante ist“, heißt es im Preprint.

 
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unsere Daten die Möglichkeit nahelegen, dass BA.2 die für die globale Gesundheit am meisten besorgniserregende Variante ist. Daichi Yamasoba und Kollegen
 

„Gegenwärtig werden BA.2 und BA.1 zusammen als Omikron erkannt und sind fast nicht zu unterscheiden. Auf der Grundlage unserer Ergebnisse schlagen wir vor, BA.2 als einzigartige Variante anzuerkennen, die Anlass zur Sorge gibt, und diese SARS-CoV-2-Variante eingehend zu überwachen“, so das Fazit.

 
Auf der Grundlage unserer Ergebnisse schlagen wir vor, BA.2 als einzigartige Variante anzuerkennen, die Anlass zur Sorge gibt, und diese SARS-CoV-2-Variante eingehend zu überwachen. Daichi Yamasoba und Kollegen
 

Wenn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) BA.2 als „einzigartige besorgniserregende Variante“ anerkennen würde, würde sie einen eigenen griechischen Buchstaben erhalten, kommentieren die Autoren.

Lassen sich Laborstudien auf die reale Versorgungssituation übertragen?

Doch es gibt auch Zweifel. Einige Wissenschaftler merkten an, dass Ergebnisse im Labor nicht immer das widerspiegeln, was in der realen Welt der Menschen passiere.

„Ich denke, es ist immer schwierig, Unterschiede in Tier- und Zellkulturmodellen auf das zu übertragen, was in Bezug auf menschliche Krankheiten passiert“, sagt Dr. Jeremy Kamil, außerordentlicher Professor für Mikrobiologie und Immunologie an der Louisiana State University Health Shreveport, gegenüber Newsweek. „Dennoch sehen die Unterschiede real aus.“

 
Ich denke, es ist immer schwierig, Unterschiede in Tier- und Zellkulturmodellen auf das zu übertragen, was in Bezug auf menschliche Krankheiten passiert. Dr. Jeremy Kamil
 

„Aus der Sicht des Menschen könnte es ein schlimmeres Virus als BA.1 sein, das besser übertragen werden kann und schlimmere Krankheiten verursacht“, sagt Dr. Daniel Rhoads, Abteilungsleiter für Mikrobiologie an der Cleveland Clinic in Ohio, gegenüber CNN. Er hat die japanische Studie durchgesehen, war aber nicht an ihr beteiligt.

Eine Wissenschaftlerin, welche die Studie begutachtet hat, aber ebenfalls nicht an der Forschung beteiligt war, merkte an, dass sich das menschliche Immunsystem mit den COVID-Varianten weiterentwickele. „Einer der Vorbehalte, an die wir denken müssen, wenn wir neue Varianten finden, die gefährlicher zu sein scheinen, ist die Tatsache, dass es 2 Seiten der Geschichte gibt“, kommentiert Dr. Deborah Fuller, Virologin an der University of Washington School of Medicine, gegenüber CNN. „Unser Immunsystem entwickelt sich ebenfalls weiter. Und das drängt die Dinge zurück.“

Unklare Folgen für die Pandemie

Wissenschaftler haben bereits festgestellt, dass BA.2 leichter übertragbar ist als BA.1. Die Omikron-Subvariante wurde laut CNN in 74 Ländern und 47 US-Bundesstaaten nachgewiesen. Etwa 4% der Amerikaner, die an COVID-19 erkrankt sind, waren mit BA.2 infiziert, berichtet der Sender unter Berufung auf die CDC, aber in anderen Ländern ist BA.2 inzwischen der vorherrschende Stamm.

Es ist noch nicht klar, ob BA.2 bei Menschen schwerere Krankheitsverläufe verursacht. Obwohl sich BA.2 schneller ausbreitet als BA.1, gibt es keine Beweise dafür, dass die Untervariante die Menschen kränker macht, sagt ein Beamter der Weltgesundheitsorganisation laut CNBC.

Der Artikel wurde von Michael van den Heuvel aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.

 

Kommentar

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