Fall: Ein Mann mit Appetitlosigkeit, und Brustschmerzen stellt sich vor – doch sein Herz ist OK. Was könnte ihm fehlen?

Dushyant Singh Dahiya, Farah Wani, Asim Kichloo

Interessenkonflikte

24. Februar 2022

Diskussion

Dieser Patient stellte sich mit einer Reihe von Symptomen vor: unspezifische akute Thoraxschmerzen, die nach dem Essen begannen, ein chronischer, trockener und quälender Husten (in Zusammenhang mit der Reflux-Symptomatik), Fieber, Nachtschweiß, Schwierigkeiten beim Schlucken fester Nahrung, eine supraklavikuläre Lymphadenopathie und eine Anämie.

Die Klinik lässt an eine Obstruktion der Speiseröhre denken. Wahrscheinliche Ursache ist hier ein Adenokarzinom der Speiseröhre. Es wurde keine Gewichtsabnahme registriert, was wahrscheinlich auf den Verzehr von appetitanregenden Cannabisprodukten zurückzuführen ist.

Durch die CT-Angiografie des Thorax konnte eine Lungenembolie weitgehend ausgeschlossen werden, und der Patient wurde zur weiteren Untersuchung stationär aufgenommen. Ein hinzugezogener Gastroenterologe stellte bei der oberen Endoskopie einen Tumor fest. Die histologische Analyse des Biopsates ergab ein Adenokarzinom der Speiseröhre. Zum Staging des Tumors wurden eine Endosonografie sowie ein PET-CT mittels 18-FDG (Fluordesoxyglucose) angeordnet und als Ergebnis ein Stadium III diagnostiziert.

Das Ösophaguskarzinom ist ein hochaggressives Malignom, das weltweit mit einer erheblichen Morbidität und Mortalität verbunden ist [1]. Man differenziert histopathologisch beim Ösophagus das Plattenepithelkarzinom (ESCC, esophageal squamous cell carcinoma) und das Adenokarzinom [2,3].

Das Plattenepithelkarzinom ist weltweit der häufigste Subtyp mit einer vor allem in Entwicklungsländern hohen Prävalenz. Meistens ist der mittlere oder der untere Speiseröhrenabschnitt betroffen. Zu den wichtigsten Risikofaktoren für seine Entstehung gehören der Alkoholkonsum und das Rauchen.

Das Adenokarzinom ist der häufigste Subtyp in den westlichen Industriestaaten. Es betrifft in der Regel den distalen Ösophagus am gastroösophagealen Übergang. Das Adenokarzinom der Speiseröhre steht in engem Zusammenhang mit der Adipositas und der GERD. Daraus entwickelt sich ein Barrett-Ösophagus (intestinale Metaplasie des gastroösophagealen Übergangs), das als Präkanzerose gilt und zu einem Adenokarzinom führen kann.

An Speiseröhrenkrebs erkrankten 2018 in Deutschland 5.710 Männer und 1.840 Frauen. Dieser Krebs ist bei Männern für 3,4% der krebsbedingten Todesfälle verantwortlich und bei Frauen für 1,3%. Diese Zahlen entsprechen im Übrigen dem langjährigen Mittel der letzten beiden Dekaden. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate betrug bei Männern 26% und bei Frauen 24%, beim 10-Jahres-Wert kamen beide Geschlechter auf 21%.

Kommentar

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