Novavax-Impfstart: 10 Tipps für die Praxis; Schnelltests bei Omikron weniger zuverlässig; Genesenen-Zertifikat nach Antigen-Test

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

23. Februar 2022

Im Medscape-Corona-Newsblog finden Sie regelmäßig die aktuellen Trends zu Neuinfektionen und Belegung von Intensivstationen sowie eine Auswahl von klinisch relevanten Kurzmeldungen zur Pandemie.

Corona-Newsblog, Update vom 23. Februar 2022

Heute meldet das Robert Koch-Institut 209.052 weitere Infektionen mit SARS-CoV-2 innerhalb der letzten 24 Stunden. Am Mittwoch vor einer Woche waren es noch 219.972 neue Fälle.

Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz sinkt weiter auf 1278,9 von 1306,8 am Vortag. 299 Menschen starben im Zusammenhang mit COVID-19. Damit erhöht sich die Zahl der bundesweit gemeldeten Todesfälle auf 121.902.

Als 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz nennt das RKI 6,21 Fälle pro 100.000 Einwohner, Stand 22. Februar, verglichen mit 6,06 am 21. Februar.

Laut DIVI-Intensivregister waren am 22. Februar 2.402 Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, sprich 14 weniger als am Vortag. Aktuell sind 937 Betten im Low-Care- und 2.110 im High-Care-Bereich frei. Hinzu kommen 396 freie ECMO-Behandlungsplätze.

  • Praxistipps zu Novavax: Darauf sollten Ärzte achten

  • COVID-19-Diagnostik: Plädoyer gegen die aktuelle Teststrategie

  • Genesenen-Zertifikat nach qualifizierten Schnelltests

  • Neue Studie: Negativer Antigen-Schnelltest kein „Freifahrtschein“

  • Corona-Bonus für die Altenpflege naht

  • Pädiatrie: Impfungen scheinen auch vor dem MIS-C zu schützen

  • Klinische Studie läuft an: COVID-19-Impfung bald per Inhalation?

Praxistipps zu Novavax: Darauf sollten Ärzte achten

Ab dieser Woche steht erstmals der COVID-19-Impfstoff Nuvaxovid® (Novavax) zur Verfügung. Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD) rechnet zu Beginn mit 1,4 Millionen Dosen. Im gesamten Jahr sollen es rund 34 Millionen Dosen werden. Die wichtigsten Fragen im Überblick.

  1. Wie ist der Impfstoff zusammengesetzt? Novavax enthält gentechnologisch hergestelltes SARS-CoV-2-Spikeprotein und das Adjuvans Matrix-M. Die Technologie kommt bei zahlreichen Vakzinen unabhängig von COVID-19 zum Einsatz.

  2. Wie effektiv ist Novavax? Laut EMA lag die Effektivität in den Zulassungsstudien bei 90%, bezogen auf symptomatisches COVID-19. Zum Zeitpunkt der Untersuchungen zirkulierte Omikron allerdings noch nicht in nennenswertem Maße.

  3. Welche Nebenwirkungen treten auf? Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen wurden in den Studien beobachtet.

  4. Wie hoch ist das Allergierisiko gegen die Inhaltsstoffe? Allergische Reaktionen gegen das Protein oder das Adjuvans sind möglich. Allerdings liegen noch zu wenige Daten vor, um seltene Ereignisse zu beurteilen. Real-World-Daten werden – wie bei anderen Vakzinen auch – von der EMA regelmäßig analysiert.

  5. Wo wird Novavax verimpft? Laut PZ wird das Vakzin an die Bundesländer verteilt. Dort kommt es in Impfzentren zum Einsatz. Niedergelassene Ärzte oder Apotheker, die impfen, werden dieses Vakzin zu Beginn noch nicht erhalten.

  6. Wer kann mit Novavax geimpft werden? Die STIKO empfiehlt das Vakzin für Personen ab 18 Jahren.

  7. Welche Einschränkungen gibt es? Novavax sollte momentan nicht in der Schwangerschaft und der Stillzeit eingesetzt werden.

  8. Welcher Abstand ist einzuhalten? Der Mindestabstand zwischen den 2 Impfungen liegt bei 3 Wochen. 

  9. Sind Auffrischungsimpfungen mit Novavax möglich? Derzeit nicht; das Vakzin ist dafür noch nicht zugelassen.

  10. Welche Vorteile erwarten Experten speziell von Novavax? Experten hoffen, dass der proteinbasierte Impfstoff Personen überzeugen könnte, die mRNA-Vakzine ablehnen. Ob sich dies bewahrheiten wird, ist eine andere Frage.

COVID-19-Diagnostik: Plädoyer gegen die aktuelle Teststrategie

Die Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) berichten in Woche 7 von einer deutlich rückläufigen Tendenz bei PCR-Tests. Die Zahl sank um 13% von 2.366.691 in der Vorwoche auf nunmehr 2.048.365 dieser Untersuchungen. Dies lege laut einer Pressemeldung nahe, dass „möglicherweise nicht mehr alle an SARS-CoV-2 erkrankten Menschen mit einem positiven PCR-Testbefund diagnostiziert werden“.

Die Zahl der positiv befundeten PCR-Tests sank im gleichen Zeitraum um 10%. Als Auslastung der Labore nennt der Verband bundesweit 73%. „In Bezug auf die sinkende Auslastung in den Laboren ist die befristete Fokussierung in der Nationalen Teststrategie in dieser Form aus unserer Sicht nicht mehr notwendig“, kommentiert der ALM-Vorsitzende Dr. Michael Müller. „Vielmehr sollte das bekannte anlassbezogene und niedrigschwellige Testregime weiterverfolgt werden, so wie es in der Nationalen Teststrategie vorgesehen ist und wie es sich über einen nun langen Zeitraum bewährt hat.“

Genesenen-Zertifikat nach qualifizierten Schnelltests

Die Europäische Kommission plant, ab sofort Genesenen-Zertifikate auf Grundlage von Antigen-Tests auszustellen. Bislang waren dafür PCR-Tests erforderlich. Selbsttests sind nicht zulässig. Vielmehr müssen Antigen-basierte Schnelltests von qualifiziertem Personal durchgeführt werden. „Durch die Verwendung von Antigen-Schnelltests für die Ausstellung von Genesenen-Nachweisen können die Mitgliedstaaten den erheblichen Druck auf die nationalen Testkapazitäten etwas abmildern, der durch das Aufkommen von Omikron entstanden ist“, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides als Begründung.

Neue Studie: Negativer Antigen-Schnelltest kein „Freifahrtschein“

Seit Herbst 2020 setzen etliche Länder auf Antigen-Schnelltests als wichtige Säule von Strategien zur Pandemiekontrolle. Jetzt haben Forscher aus München die Leistungsfähigkeit von 9 dieser Tests im Labor untersucht. Zum Einsatz kamen 115 SARS-CoV-2-PCR-negative und 166 positive Atemwegstupferproben (101 mit Omicron, 65 mit Delta), die zwischen Oktober 2021 und Januar 2022 gesammelt wurden. Klinische Isolate wurden ebenfalls eingesetzt.

Um bei diesen Point-of-Care-Tests ein positives Ergebnis zu erzielen, waren für Omikron-haltige im Vergleich zu Delta-haltigen Proben bis zu 10-fach (LOD50) bzw. 101-fach (LOD95) höhere Viruslasten erforderlich. LOD ist die Nachweisgrenze (limit of detection); LOD50 entspricht der niedrigsten Viruslast, bei der mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit der Test positiv ausfällt.

Die Raten positiver Testergebnisse für Omikron-Proben in der höchsten Viruslastkategorie (bei Ct-Werten im PCR < 25) lagen zwischen 31,4% und 77,8%, während sie bei Proben mit mittleren Ct-Werten (25-30) auf 0-8,3% sanken. Delta-Infektionen erkannten die Schnelltests bei sehr hoher Viruslast zu mehr als 70%. Bei mittlerer Viruslast lag die Trefferquote auf 0 bis 28%.

„Insgesamt besteht eine enorme Heterogenität der Antigen-Schnelltests zum Nachweis von Omikron“, sagt Prof. Dr. Oliver Keppler von der LMU München. „Einerseits muss dies klar kommuniziert werden und anderseits rasch eine Liste mit brauchbaren Tests veröffentlicht werden.“ Und weiter: „Man darf niemals ein negatives Ergebnis als Freifahrtschein nehmen.“

Corona-Bonus für die Altenpflege naht

Medienberichten zufolge sollen Beschäftigten in der Altenpflege einen Coronabonus von bis zu 550 Euro bekommen, je nach Stundenzahl und nach Beschäftigungsanteil in der Pflege. Das geht aus einem Eckpunktepapier des Gesundheitsministeriums hervor. Arbeitgeber sollen die Summe ab 30. Juni, spätestens bis 31. Dezember 2022, überweisen.

Pädiatrie: Impfungen scheinen auch vor dem MIS-C zu schützen

Das Multisystem-Entzündungssyndrom bei Kindern (MIS-C) ist eine hyperinflammatorische Erkrankung, die nach Infektionen mit SARS-CoV-2 auftreten kann, wenn auch selten. In den USA werden Fälle, die bei Geimpften aufgetreten sind, von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) erfasst.

Anhand der Daten vom 14. Dezember 2020 bis zum 31. August 2021 haben Forscher 21 Personen mit MIS-C nach der COVID-19-Impfung identifiziert. Das Durchschnittsalter lag bei 16 Jahren (Spanne 12-20); 13 (62%) waren männlich und 8 (38%) weiblich.

Alle 21 Personen wurden stationär behandelt, darunter 12 (57%) auf einer Intensivstation. Alle konnten als genesen entlassen werden. Bei 15 (71%) der Patienten wurde im Labor eine frühere oder aktuelle SARS-CoV-2-Infektion nachgewiesen, bei sechs (29%) war dies nicht der Fall.

Bis 31. August 2021 hatten US-weit 21.335 331 Personen im Alter von 12 bis 20 Jahren 1 oder mehrere Dosen eines COVID-19-Impfstoffs erhalten, so dass die Gesamtmelderate für MIS-C nach der Impfung bei 1 Fall pro Million Personen lag, die 1 oder mehrere Dosen in dieser Altersgruppe erhalten hatten. Die Melderate nur bei Personen ohne Anzeichen eines SARS-CoV-2-Infekts lag bei 0,3 Fällen pro Million geimpfter Personen.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass MIS-C nach einer COVID-19-Impfung selten ist“, fassen die Autoren zusammen.

Klinische Studie läuft an: COVID-19-Impfung bald per Inhalation?

Inhalative Vakzine haben potenziell mehrere Vorteile. Sie eignen sich für Menschen mit Angst vor Spritzen, etwa Kinder. Impfungen über Schleimhäute bewirken zusätzlich eine lokale Immunität, um Erreger schon am Eintritt in den Körper zu hindern.

Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und des Fraunhofer ITEM arbeiten jetzt an einem Vakzin, das nicht gespritzt, sondern inhaliert wird. In der klinischen Studie „MVA“ wollen sie jetzt die Sicherheit und Verträglichkeit dieses neuen Impfstoffes als Auffrischungsimpfung (Booster) gegen COVID19 testen.

Die Studie soll Erkenntnisse darüber liefern, ob und wie stark das eingeatmete Vakzin das Immunsystem dazu anregt, Antikörper zu produzieren. Zum Einsatz kommt ein Modifiziertes Vakzinia Virus Ankara (MVA).

 

Kommentar

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