Gefahren für eine Frühgeburt: Entwarnung bei Endometriose – aber Risiko-Erhöhung nach einer Fertilitätsbehandlung

Ute Eppinger

Interessenkonflikte

22. Februar 2022

Endometriose wirkt sich offenbar nicht negativ auf die Dauer der Schwangerschaft aus und ist nicht mit Frühgeburtlichkeit assoziiert. Darauf deuten die Ergebnisse einer französischen Kohortenstudie von Dr. Louis Marcellin und seinen Kollegen hin, die jetzt in JAMA Network Open erschienen ist [1].

Marcellin und seine Kollegen hatten 1.351 Schwangere in 7 Entbindungsstationen in Frankreich in ihre Studie aufgenommen. Primärer Endpunkt war eine Frühgeburt im Zeitraum zwischen den Schwangerschaftswochen 22 und 36.

Die Frauen in der Endometriose-Gruppe wurden nach 3 Phänotypen klassifiziert:

  • isolierte oberflächliche peritoneale Endometriose (SUP),

  • ovarielles Endometriom (OMA) und

  • tiefe Endometriose (DE).

Die Frauen der Kontrollgruppe zeigten vor ihrer aktuellen Schwangerschaft keine klinischen Symptome einer Endometriose.

Mittels Regressionsanalysen bewerteten Marcellin und sein Team den Zusammenhang zwischen Endometriose und primärem Endpunkt. Außerdem adjustierten sie auf Risikofaktoren, die mit einer Frühgeburt assoziiert sind:

  • Alter der Mutter,

  • Body-Mass-Index (BMI) vor der Schwangerschaft,

  • Geburtsland,

  • vorausgegangener Kaiserschnitt,

  • Myomektomie,

  • Hysteroskopie sowie

  • Frühgeburt.

Spezielle Überwachung bei Endometriose möglicherweise nicht notwendig

Von den 1.351 Probandinnen (mittleres Alter 32,9 Jahre), die nach der 22. Schwangerschaftswoche entbunden hatten, entfielen 470 auf die Endometriose-Gruppe (48 SUP, 10,2%; 83 OMA,17,7%; 339 DE, 72,1%) und 881 auf die Kontrollgruppe.

Es wurde kein Unterschied in der Rate der Frühgeburten zwischen der Endometriose-Gruppe und der Kontrollgruppe festgestellt: 34 von 470 (7,2%) gegenüber 53 von 881 (6%; p=0,38).

Nach Bereinigung um Störfaktoren war Endometriose nicht mit einer Frühgeburt vor der 37. Schwangerschaftswoche assoziiert (Odds Ratio 1,07; 95%-Konfidenzintervall 0,64-1,77). Die Ergebnisse waren für die verschiedenen Endometriose-Phänotypen vergleichbar (SUP: 6,2%; OMA: 7,2% und DE: 7,4 %; p=0,84).

 
In unserer Kohortenstudie fanden wir keinen Zusammenhang zwischen Endometriose und Frühgeburten.  Dr. Louis Marcellin und Kollegen
 

„In unserer Kohortenstudie fanden wir keinen Zusammenhang zwischen Endometriose und Frühgeburten, und auch der Phänotyp der Erkrankung schien das Ergebnis nicht zu beeinflussen“, schreiben Marcellin und seine Kollegen. „Die Überwachung der Schwangerschaft über die normalen Protokolle hinaus oder geänderte Behandlungsstrategien für Frauen mit Endometriose sind möglicherweise nicht gerechtfertigt, um eine Frühgeburt zu verhindern.“

Neue Daten stellen Ergebnisse der meisten früheren Studien in Frage

In ihrem begleitenden Kommentar bezeichnen Dr. Liisu Saavalainen und Oskari Heikinheimo, Gynäkologen am Helsiniki University Hospital, die Ergebnisse der Kohortenstudie als „wertvoll und beruhigend“ [2]. Die prospektive Studie von Marcellin und Kollegen ergänze die bisherigen Studien um wichtige Erkenntnisse. Da kein Zusammenhang zwischen Endometriose und Frühgeburt festgestellt wurde, stellten die neuen Daten die Ergebnisse der meisten früheren Studien zu diesem Thema in Frage.

Saavalainen und Heikinheimo rechnen damit, dass die neuen Daten „wahrscheinlich auch neue Studien über die mit verschiedenen Endometrioseformen verbundenen Schwangerschaftsrisiken auslösen. Das ist eine gute Nachricht.“

Fertilitätsbehandlung ist mit erhöhter Frühgeburtsrate assoziiert

Eine Fertilitätsbehandlung geht dagegen mit einer erhöhten Rate für Frühgeburten einher. Das ist das Ergebnis einer Kohortenstudie von Dr. Ran Wang, Neonatologe am National Children´s Medical Center in Shanghai, China, und Kollegen [3].

Für ihre bevölkerungsbezogene Kohortenstudie analysierten die Forscher Geburtsdaten der Datenbank des National Vital Statistics System. Fertilitätsbehandlung war kategorisiert als assistierte Reproduktionstechnologie (ART) oder nicht-assistierte Reproduktionstechnologie (Nicht-ART). Frühgeburt war definiert als Entbindung vor der 37. Schwangerschaftswoche (<259 Tage).

Die endgültige Stichprobe bestand aus 14.370.920 Müttern (mittleres Alter 28,8 Jahre) mit Einlingsgeburten. Von diesen Frauen erhielten 122.944 (0,9%) eine ART und 71.176 (0,5%) eine Nicht-ART.

Die Prävalenz von Frühgeburten betrug 7,6% (n=1.071.994) in den Gruppen mit natürlicher Empfängnis und 10,7% (n=13.205) in der ART-Gruppe und 9,3% (n=6.629) in der Nicht-ART-Gruppe.

Im Vergleich zu Müttern von Neugeborenen, die auf natürlichem Wege gezeugt wurden, wiesen Mütter von Neugeborenen, die mit ART (Risikodifferenz RD 3,10%, Odds Ratio OR: 1,49; p <0,001) und Nicht-ART (RD, 2,22%; OR, 1,35; p <0,001) behandelt worden waren, ein signifikant höheres Risiko für eine Frühgeburt auf.

 
Unsere Studienergebnisse zeigen, dass Mütter, deren Neugeborene durch eine Fertilitätsbehandlung gezeugt wurden, eine höhere Rate an Frühgeburten aufwiesen. Dr. Ran Wang
 

„Unsere Studienergebnisse zeigen, dass Mütter, deren Neugeborene durch eine Fertilitätsbehandlung gezeugt wurden, eine höhere Rate an Frühgeburten aufwiesen“, schreiben Wang und Kollegen. „Weitere Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen einer ART- oder Nicht-ART-Behandlung und dem Risiko einer Frühgeburt bei Einlingsgeburten sind gerechtfertigt.“

 

Kommentar

3090D553-9492-4563-8681-AD288FA52ACE
Wir bitten darum, Diskussionen höflich und sachlich zu halten. Beiträge werden vor der Veröffentlichung nicht überprüft, jedoch werden Kommentare, die unsere Community-Regeln verletzen, gelöscht.

wird bearbeitet....