Schlank im Schlaf: Wer seine Nachtruhe normalisiert, nimmt schon nach 2 Wochen ab. Studie zeigt, wie dies den Hunger bremst

Nadine Eckert

Interessenkonflikte

17. Februar 2022

Mehr schlafen, weniger wiegen? Dies gilt einer neuen US-Studie zufolge zumindest für Übergewichtige, die gewohnheitsmäßig eine kurze Nachtruhe haben. Eine Normalisierung der Schlafdauer führte bei ihnen zu einer Verringerung der Nahrungsaufnahme und des Gewichts, wie Forscher jetzt zeigen konnten [1].

In JAMA Internal Medicine schreiben Dr. Esra Tasali, Direktorin des Zentrums für Schlafforschung an der University of Chicago, und ihre Kollegen: „Die Verlängerung der Schlafdauer resultierte bei übergewichtigen Erwachsenen, die habituell ihre Schlafdauer beschneiden, unter Alltagsbedingungen in einer negativen Energiebilanz.“

Stoffwechsel wie Prädiabetiker

Die Ergebnisse erweitern das Wissen aus früheren Studien. Auf Nachfrage von Medscape erklärt Prof. Dr. Sebastian Meyhöfer, Direktor des Instituts für Endokrinologie & Diabetes an der Universität zu Lübeck: „Wir wissen, dass eine kurze Schlafdauer von weniger als 7-8 Stunden pro Nacht bei Erwachsenen zu einer Störung der Energiebalance mit Gewichtszunahme sowie Verschlechterung des Lipidprofils und des Glukosestoffwechsels führt. So entwickeln ansonsten gesunde Probanden bei Verkürzung der Schlafdauer eine Stoffwechsellage, die man sonst bei Menschen mit Prädiabetes sieht.“

 
Gesunde Probanden entwickeln bei Verkürzung der Schlafdauer eine Stoffwechsellage, die man sonst bei Menschen mit Prädiabetes sieht. Prof. Dr. Sebastian Meyhöfer
 

Die US-Studie zeige nun zum ersten Mal, „dass eine relative Normalisierung der habituell verkürzten Schlafdauer zumindest kurzfristig zu einer Verbesserung einer Energiestoffwechselkomponente, der Nahrungsaufnahme, führt“, so der Endokrinologe.

Probanden schliefen weniger als 6,5 Stunden

Zu Studienbeginn schliefen die 80 Studienteilnehmer weniger als 6,5 Stunden pro Nacht. In der Interventionsgruppe wurden Probanden individuell beraten, wie sie ihre Schlafdauer verlängern können, etwa durch eine verbesserte Schlafhygiene. Die Kontrollgruppe behielt ihre Schlafgewohnheiten bei.

Alle übergewichtigen Studienteilnehmer mit einem BMI von 25,0-29,9 wurden angewiesen, an ihrem Alltag nichts zu verändern, auch nicht an ihrem Ernährungs- und Bewegungsverhalten.

Schlafdauer erfolgreich verlängert

Die Auswertung der Daten nach der 2-wöchigen Studiendauer ergab, dass es gelungen war, die Schlafdauer in der Interventionsdauer zu verlängern: Probanden schliefen jetzt – im Vergleich zur Kontrollgruppe – im Schnitt 1,2 Stunden länger.

Die Arbeitsgruppe um Tasali berichtet, dass die verlängerte Schlafdauer in der Interventionsgruppe mit einer signifikanten Reduktion der Nahrungsaufnahme einherging. Im Schnitt nahmen die länger schlafenden Probanden pro Tag 270 kcal weniger zu sich als die Kontrollgruppe.

„Die Veränderung der Schlafdauer war invers mit der Veränderung der Nahrungsaufnahme korreliert“, schreiben die Autoren. Am Energieverbrauch habe sich in der Interventionsgruppe dagegen nichts geändert.

 
Die Veränderung der Schlafdauer war invers mit der Veränderung der Nahrungsaufnahme korreliert. Esra Tasali und Kollegen
 

Gewichtsabnahme bei den Mehrschläfern

In der Interventionsgruppe nahmen die Teilnehmer in den 2 Wochen im Schnitt 0,48 kg ab. Im Vergleich zu den Probanden in der Kontrollgruppe waren es sogar 0,87 kg, da diese im Schnitt 0,39 kg zugenommen hatten.

Meyhöfer sagt, es sei „interessant zu sehen“, dass die Gewichtsabnahme „nicht über eine Veränderung des Energieverbrauchs, sondern primär über die zweite Seite der Energiebalance, die Nahrungsaufnahme, erfolgte“.

Die Nahrungsaufnahme wird über verschiedene Hormone reguliert, allen voran das Sättigungshormon Leptin und das Hungerhormon Ghrelin. „Studien aus der Schlafforschung zeigen, dass es nach Schlafentzug zu einem Abfall der Leptin-Konzentration und einem Anstieg der Ghrelin-Konzentration kommt. Daraus folgt, dass es zu weniger Sättigung und mehr Hunger bzw. Appetit kommt, was dann zu einer vermehrten Nahrungsaufnahme führen kann“, erklärt Meyhöfer.

Normalisierung der Schlafdauer ist entscheidend

Der Lübecker Endokrinologe warnt aber vor einer Fehlinterpretation der Ergebnisse: „Es geht nicht darum, generell länger zu schlafen, sondern die Schlafdauer zu normalisieren. Denn auch Menschen mit einer habituell sehr langen Schlafdauer von deutlich mehr als 8 Stunden haben ein erhöhtes Risiko für eine ungünstige Stoffwechsel- und Gewichtsentwicklung.“

 
Es geht nicht darum, generell länger zu schlafen, sondern die Schlafdauer zu normalisieren. Prof. Dr. Sebastian Meyhöfer
 

Tasali und ihre Kollegen sehen in ihren Studienergebnissen Potenzial für die Behandlung von Übergewicht und Adipositas: „Eine gesunde Schlafdauer zu erreichen und langfristig aufrecht zu erhalten, könnte Teil von Interventionsprogrammen zur Gewichtsreduktion sein.“

 

Kommentar

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