Schutzschild Östrogen: Bei höheren Spiegeln war das Todesrisiko durch COVID-19 bei älteren Frauen geringer

Dr. Lorenzo Norris

Interessenkonflikte

18. Februar 2022

Im BMJ Open berichten Forscher, dass Östrogenspiegel älterer Frauen mit ihrem Risiko, an COVID-19 zu sterben, assoziiert sind. Höhere Werte scheinen offenbar vor einer schweren Infektion schützen. Es könnte sich lohnen, Effekte eine zusätzliche Hormonbehandlung bei postmenopausalen Frauen zu untersuchen, schreiben die Autoren.

Zum Hintergrund: Frauen scheinen generell ein geringeres Risiko für schweres COVID-19-Infektion zu haben als Männer. Deshalb haben mehrere Arbeitsgruppen seit Beginn der Pandemie vermutet, Östrogen könne Geschlechter-Unterschiede bei der Mortalität erklären.

Um dies näher zu untersuchen, verglichen Forscher jetzt die potenziellen Auswirkungen einer Erhöhung und Senkung des Östrogenspiegels auf die Schwere der COVID-19-Infektion. Sie stützten sich dabei auf Daten der schwedischen Gesundheitsbehörde (alle positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Personen), des schwedischen statistischen Amts (sozioökonomische Faktoren) und des nationalen Amtes für Gesundheit und Wohlfahrt (Todesursachen).

Insgesamt wurde zwischen dem 4. Februar und dem 14. September 2020 bei 49.853 Frauen aus Schweden COVID-19 diagnostiziert, von denen 16.693 zwischen 50 und 80 Jahre alt waren.

Eingeschlossen wurden Daten von 14.685 Frauen aus den genannten Quellen. 227 (2%) hatten bereits zuvor eine Brustkrebsdiagnose erhalten und bekamen Östrogenblocker als alsadjuvante Therapie, um das Risiko eines Krebsrezidivs zu verringern (Gruppe 1). Weitere 2.535 (17%) erhielten eine Hormonersatztherapie, um Wechseljahrsbeschwerden zu lindern (Gruppe 2). Als Vergleichsgruppe dienten 11.923 (81%) Frauen, die keine Behandlung zur Erhöhung oder Senkung ihres Östrogenspiegels bekamen.

Die Analyse aller Daten ergab, dass im Vergleich zu Frauen ohne Östrogen-Anhebung oder -Absenkung die unbereinigte Wahrscheinlichkeit, an COVID-19 zu sterben, bei Frauen, die Östrogenblocker einnahmen (Gruppe 1), doppelt so hoch war. Bei Frauen, die eine Hormonbehandlung erhielten (Gruppe 2), lag sie um 54 % niedriger.

Nach Berücksichtigung potenziell störender Faktoren wie dem Alter, dem Jahreseinkommen, dem Bildungsstand und Vorerkrankungen blieb der Effekt weitgehend erhalten.

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, kann die Ursache nicht festgestellt werden. Es gab keine Daten über die genaue Dosierung der Hormonersatztherapie oder der Östrogenblocker oder deren Dauer, auch nicht über das Körpergewicht oder das Rauchen. Hinzu kommt, dass die Zahl der Frauen in Gruppe 1, die eine adjuvante Therapie erhielten, relativ gering war.

 

Kommentar

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