EMA: Comirnaty®-Booster bald für Jugendliche? Entwarnung bei Periodenunregelmäßigkeiten nach COVID-19-Impfungen

Michael van den Heuvel

Interessenkonflikte

11. Februar 2022

Neues von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA: Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) hat begonnen, Daten zu Booster-Impfungen bei Jugendlichen auszuwerten [1]. Und der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) berichtet von Risikosignalen unter JAK-Inhibitoren, Hydroxyethylstärke und Infliximab bei Säuglingen [2]

Auffrischungsdosis von Comirnaty® bei Jugendlichen 

Die EMA hat mit der Bewertung eines Antrags für die Verwendung einer Auffrischungsdosis von Comirnaty® (BioNTech/Pfizer) bei Jugendlichen im Alter von 12 bis 15 Jahren begonnen. Ein Antrag für ältere Jugendliche im Alter von 16 bis 17 Jahren ist ebenfalls in Bearbeitung. Ein Booster Shot Comirnaty® kann derzeit Personen ab 18 Jahren verabreicht werden.

Der Ausschuss für Humanarzneimittel wird eine beschleunigte Bewertung aller Daten durchführen, einschließlich der Real-World-Daten aus Israel. 

Die Beratung darüber, wie geimpft werden sollte, liegt weiterhin in der Hand nationaler Gremien wie der Ständigen Impfkommission (STIKO) in Deutschland. Sie können unter Berücksichtigung der neuen Wirksamkeitsdaten und der begrenzten Sicherheitsdaten offizielle Empfehlungen zu Auffrischungsimpfungen und zu den damit verbundenen Anforderungen an Bescheinigungen für Grenzübertritte herausgeben.

Zulassung für Hydroxyethylstärke als Infusion aussetzen 

Der PRAC hat empfohlen, die Zulassungen für Hydroxyethylstärke-Lösungen (HES) zur Infusion EU-weit auszusetzen. Die Produkte wurden als Ergänzung zu anderen Behandlungen zum Ersatz des Plasmavolumens nach akutem Blutverlust zugelassen.

Die Sicherheit von HES-Infusionslösungen wurde 2013 in 2 getrennten Verfahren überprüft. Damals fand die EMA mehrere Einschränkungen des Einsatzes. Sie hat Maßnahmen zur Minimierung des Risikos von Nierenschäden und Tod bei Schwerkranken und bei Patienten mit Verbrennungen oder mit Sepsis initiiert.

Als Ergebnis einer 3. Überprüfung im Jahr 2018 wurde die Verwendung von HES-Lösungen für Infusionen weiter auf zugelassene Krankenhäuser beschränkt, und Heilberufler, die solche Arzneimittel verschreiben oder verabreichen, mussten geschult werden. Unternehmen, die HES-Lösungen zur Infusion vermarkten, wurden außerdem aufgefordert, eine Studie durchzuführen, um zu überprüfen, ob die Einschränkungen in der klinischen Praxis eingehalten werden, und die Ergebnisse dieser Studie der EMA vorzulegen.

Der PRAC hat nun die Ergebnisse dieser Studie überprüft, die zeigen, dass HES-Lösungen zur Infusion immer noch außerhalb der Empfehlungen verwendet werden. Er kam zu dem Schluss, dass die 2018 eingeführten weiteren Beschränkungen nicht ausreichend sichergestellt haben, dass die Arzneimittel sicher verwendet werden, und dass HES-Lösungen weiterhin bei bestimmten Patientengruppen verwendet werden, bei denen schwere Schäden nachgewiesen wurden.

Da die Einhaltung des 2018 vereinbarten Maßnahmenpakets eine Voraussetzung für die sichere Anwendung von HES-Infusionslösungen war und die Studie gezeigt hat, dass dies nicht geschehen ist, wird davon ausgegangen, dass der Nutzen dieser Arzneimittel ihre Risiken nicht mehr überwiegt. 

Sicherheitsüberprüfung von Januskinase-Inhibitoren bei inflammatorischen Erkrankungen

Der Sicherheitsausschuss der EMA hat eine Überprüfung der Sicherheit von Januskinase-Hemmern (JAK) eingeleitet, die zur Behandlung verschiedener chronischer Entzündungskrankheiten verordnet werden. Dazu gehören etwa rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, juvenile idiopathische Arthritis, Spondylitis ankylosans, Colitis ulcerosa und atopische Dermatitis.

Anlass für die Überprüfung waren die Endergebnisse der klinischen Studie A3921133 mit dem JAK-Hemmer Xeljanz® (Tofacitinib). Patienten, die Xeljanz® zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis bekamen und bei denen das Risiko einer Herzerkrankung bestand, hatten ein höheres Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse. Dazu zählen Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod aufgrund einer kardiovaskulären Erkrankung. Die Studie lieferte auch Hinweise auf ein höheres Risiko für maligne Erkrankungen, jeweils im Vergleich mit Patienten, die TNF-alpha-Hemmer bekamen.

Die Studie zeigte auch, dass Xeljanz® im Vergleich zu TNF-alpha-Inhibitoren mit einem höheren Risiko für den Tod aus beliebiger Ursache, für schwere Infektionen und für venöse Thromboembolien (VTE) verbunden war. 

Darüber hinaus deuten vorläufige Ergebnisse einer Beobachtungsstudie mit einem anderen JAK-Hemmer (Olumiant®, Baricitinib), auf ein erhöhtes Risiko für schwere kardiovaskuläre Probleme und VTE bei Patienten mit rheumatoider Arthritis hin, die mit Olumiant® behandelt werden, im Vergleich zu Patienten, die mit TNF-alpha-Hemmern behandelt werden.

Bei der Therapie von Entzündungskrankheiten wirken Olumiant® und andere JAK-Hemmer ähnlich wie Xeljanz®. Der PRAC wird daher überprüfen, ob diese Risiken mit allen in der EU zur Behandlung von Entzündungserkrankungen zugelassenen JAK-Hemmern verbunden sind und ob die Zulassungen für diese Arzneimittel geändert werden sollten.

Für Xeljanz® wurden bereits Maßnahmen zur Minimierung dieser Risiken ergriffen. Dies ist das Ergebnis einer im Jahr 2020 abgeschlossenen Überprüfung, bei der die Zwischenergebnisse der Studie A3921133 analysiert wurden. 

Darüber hinaus wurde die Produktinformation für Xeljanz® im Jahr 2021 weiter aktualisiert, um dem erhöhten Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Probleme und Krebs Rechnung zu tragen, welches nach der Veröffentlichung zusätzlicher Daten aus dieser Studie beobachtet wurde.

Periodenunregelmäßigkeiten in Zusammenhang mit COVID-19-Impfungen 

Außerdem prüft der EMA-Sicherheitsausschuss Fälle von Periodenunregelmäßigkeiten in Zusammenhang mit mRNA-COVID-19-Impfstoffen, wie Amenorrhö oder starken Menstruationsblutungen. Dies betrifft Comirnaty® (BioNTech/Pfizer) und Spikevax® (Moderna). 

Der Ausschuss hatte zuvor Berichte analysiert und war damals zu dem Schluss gekommen, dass Daten keinen kausalen Zusammenhang zwischen diesen Impfstoffen und Menstruationsstörungen belegen.

Angesichts von Spontanberichten über Menstruationsstörungen bei beiden Impfstoffen und angesichts neuer Erkenntnisse aus der Literatur beschloss der PRAC, das Auftreten von starken Regelblutungen oder Amenorrhö nach der Impfung erneut zu bewerten.

Menstruationsstörungen sind sehr häufig und können bei einer Vielzahl von medizinischen Grunderkrankungen sowie bei Stress und Müdigkeit auftreten. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist noch nicht klar, ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen den COVID-19-Impfstoffen und den Berichten über starke Regelblutungen oder Amenorrhö gibt“, schreibt der Sicherheitsausschuss. „Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass COVID-19-Impfstoffe die Fruchtbarkeit beeinflussen.“ 

Aktualisierte Leitlinien zu Risikomanagementplänen für COVID-19-Impfstoffe

Der PRAC hat aktualisierte Leitlinien zu Kernanforderungen an Risikomanagementpläne (RMP) für COVID-19-Impfstoffe veröffentlicht.

Wie für jedes in der EU zugelassene Arzneimittel müssen Unternehmen bei der Beantragung einer Zulassung darlegen, wie sie mögliche Risiken nach der Zulassung von Impfstoffen erfassen und bewerten. In Zusammenhang mit der Pandemie verabschiedete die EMA spezielle Leitlinien für das Risikomanagement von COVID-19-Impfstoffen, die bestehende Leitlinien ergänzen.

Risikokommunikation: Keine Lebendimpfstoffe in der Pädiatrie unter Infliximab

Außerdem informiert die EMA über die Notwendigkeit, die Anwendung von Lebendimpfstoffen bei Säuglingen, die während der Schwangerschaft oder in der Stillzeit Infliximab ausgesetzt waren, zu verschieben.

Infliximab ist ein antiinflammatorisches Arzneimittel zur Behandlung von Erwachsenen mit rheumatoider Arthritis, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Spondylitis ankylosans, Psoriasis-Arthritis oder Psoriasis. Das Medikament wurde auch für Patienten zwischen 6 und 17 Jahren mit schwerem, aktivem Morbus Crohn oder mit schwerer, aktiver Colitis ulcerosa zugelassen, wenn sie auf andere Arzneimittel nicht angesprochen haben oder diese nicht vertragen.

Infliximab kann bei Schwangeren die Plazenta überwinden; das Molekül wurde bei Säuglingen bis zu 12 Monate nach der Geburt nachgewiesen. Lebendimpfstoffe sollten Säuglingen bis 12 Monate nach der Geburt nicht verabreicht werden, wenn Frauen während der Schwangerschaft mit Infliximab behandelt wurden. 

Wenn die Infliximab-Serumspiegel bei Säuglingen nicht nachweisbar sind oder die Verabreichung von Infliximab auf das erste Trimenon der Schwangerschaft beschränkt war, kann die Verabreichung eines Lebendimpfstoffs zu einem früheren Zeitpunkt in Betracht gezogen werden, wenn ein eindeutiger klinischer Nutzen für den Säugling besteht.

Daher wird die Verabreichung eines Lebendimpfstoffs an einen gestillten Säugling, während die Mutter das Arzneimittel erhält, nicht empfohlen, es sei denn, die Infliximab-Serumspiegel des Säuglings sind nicht nachweisbar.

„Es ist wichtig, dass mit Infliximab behandelte Frauen, die schwanger werden oder ihren Säugling stillen, das für die Impfung ihres Säuglings zuständige medizinische Fachpersonal über ihre Behandlung mit Infliximab informieren“, schreibt die EMA.

 

Kommentar

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